Süddeutsche Zeitung

Leserbriefe:Klimaschutz ist nicht nur wünschenswert

Der geplante Windpark im Ebersberger Forst spaltet SZ-Leserinnen und -Leser

Zum Artikel "Schrecken über den Wipfeln" und Kommentar "Unlautere Mittel" am 17. April:

Vielen Dank für diesen Artikel, in dem Sie sich des Flyers der Windkraftgegner annehmen und deren Aussagen auf deren Wahrheitsgehalt untersucht haben. Schön, dass es faktenbasierten Journalismus gibt. Was mich aber diesen Leserbrief schreiben lässt, ist die Aussage von Frau Dietl, Klimaschutz sei "wünschenswert", unser Einfluss wäre da aber homöopathisch. Frau Dietl bemüht hier das "Argument", dass Deutschland ja nur einen kleinen Anteil am weltweiten CO₂-Ausstoß hätte. Das mag ja sein, aber für diesen Ausstoß sind wir zu 100 Prozent verantwortlich.

Wir können mit der Windenergie vor unserer Haustür dafür sorgen, dass die von uns verbrauchte Energie (und das gilt nicht nur für den Strom, da geht es auch um die Dekarbonisierung des Verkehrs und der Wärmeerzeugung) CO₂-neutral erzeugt wird. Auf andere Länder zu zeigen, mit dem Hinweis "sollen die doch anfangen", ist argumentativ unterste Schublade. Und Klimaschutz ist auch nicht nur "wünschenswert". Vom Gelingen des Klimaschutzes hängt ab, wie lebenswert die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder sein wird. Die fünf Windräder im Forst werden den Wald nicht beeindrucken. Der Klimawandel aber, der tut es schon jetzt.

Andre Dannemann, Oberpframmern

Wenn es nur so einfach wäre

Die SZ hat eine interessante Auffassung von journalistischer Berichterstattung: Da sind Flyer und angekündigte Plakataktionen ehrenamtlicher Bürgerinitiativen (mit denen ich nichts zu tun habe) Aufhänger für den Aufmacherartikel des Landkreis-Lokalteils: ein großer Artikel, in dem die Redakteurin die Kampagne in den ersten zwei Absätzen kurz und kritisch abwertet ("überspitzte Darstellung") und dann drei Viertel ihres Textes dem Thema widmet, worüber sich der pensionierte Herr Gröbmayr "ärgert". Wen interessiert, worüber sich Herr Gröbmayr ärgert? Seine Ansichten sind hinreichend bekannt.

Sein stets wiederholtes Hauptargument für Windräder statt Bäume im Landschaftsschutzgebiet ist die Rettung des Weltklimas. Ach, wäre das mit der Klimarettung nur so einfach! Ebenso freimütig hat Herr Gröbmayr seinerzeit sein Entsetzen über den Beschluss des Landkreises für einen Bürgerentscheid publik gemacht, da er den Wählerinnen und Wählern kein abgewogenes Urteil zutraut. Es mag so sein, dass souveräne Bürgerinnen und Bürger nicht das gutheißen, was sich Herr Gröbmayr vor über zwölf Jahren und bis heute unverrichteter Dinge vorgenommen hat, aber damit in all der Zeit für den Klimaschutz nichts erreicht hat.

Und ja, es mag sein, dass souveräne Bürgerinnen und Bürger Nein beim Bürgerentscheid sagen, weil sie die Zerstörung eines Jahrhunderte bewahrten Landschaftsbilds ablehnen und Klimaschutz viel effektiver außerhalb des Landschaftsschutzgebietes möglich ist!

Stephan Heimbach, Anzing

Psychologische Kriegsführung

Hoppla denkt der Betrachter des Faltblatts im Briefkasten: Gleich wird Grausames passieren, alle Vögel und Fledermäuse werden erschlagen. Die Fotomontage beweist es doch. Ein riesiger Windradflügel droht den Vögeln. Wenn der Flügel sich dreht, ist er tot, der Uhu im Ebersberger Forst.

So schlimm wird es wohl nicht kommen, es gibt nämlich keinen Uhu im Ebersberger Forst. Das Drama wollen uns nur die Gegner der Windkraft weismachen mit ihren Horrorszenarien. Ein Bild zeigt den Wald vollgepackt mit Windrädern über den Horizont hinaus. Die psychologische Kriegsführung der Windkraftgegner nimmt damit kein Ende. Der Wald müsse für die geplanten Windräder gerodet werden und für die Massen an Windrädern, die ihnen unausweichlich folgen werden.

Das Blatt ist voller Fake News und dafür betteln sie auch noch um Spenden. Der Leser wirft das Blatt genussvoll in den Abfall und wendet sich Seriöserem zu (https://www.windenergie-landkreis-ebersberg.de/Projekte/Ebersberger_Forst/Der_Ebersberger_Forst )

Klaus Wimmer, Vaterstetten

Nur gegen Windräder aktiv

Catrin Dietl, die Vertreterin der Initiative der Windkraftgegner für ein Nein zum anstehenden Bürgerentscheid, ist 1. Vorsitzende des Vereins Landschaftsschutz Ebersberger Land und seit Jahren bekennende Windkraftgegnerin, die in großen Anzeigen auch über den Landkreis Ebersberg hinaus gegen Windkraftanlagen geworben hat. Der Vereinszweck sieht in seiner Satzung die Förderung des Umwelt-, Natur- und Landschaftsschutzes im Landkreis Ebersberg vor. Catrin Dietl wird für ihren Verein nach unserer Wahrnehmung immer nur tätig, wenn es um den geplanten Bau von Windrädern geht. Wenn der überdimensionierte Bau von Verkehrswegen oder die Bodenversiegelung durch die Errichtung großer Gewerbegebiete im Landkreis geplant ist, ist der Verein unseres Wissens bisher nie in Erscheinung getreten. Wer Windkraftgegner ist, ohne konstruktive und umsetzbare Vorschläge für den unabdingbaren Ausbau der regenerativen Energien zu machen, der denkt zu kurz. Der Ersatz der umweltschädigenden fossilen Energien durch alle Möglichkeiten der bei der Stromproduktion CO₂-freien Erneuerbaren ist überlebensnotwendig. Deshalb sagen wir ohne Wenn und Aber Ja zur Windenergie - eben auch zu den geplanten fünf (und nicht mehr) Windrädern im Ebersberger Forst.

Jutta und Karl-Ludwig Judt, Zorneding

Lieber 10H-Regel kippen

Zu Berichten und Leserbriefen über den geplanten Windpark im Forst:

Wer die Diskussionen in den einschlägigen Medien zum Klimawandel im Landkreis Ebersberg verfolgt, kann die unterschiedlichsten Einstellungen dazu feststellen. Den überwiegenden Beiträgen ist zu entnehmen, dass es eine Zustimmung zu Windrädern als ein Beitrag zum Klimawandel gibt. Der allgemeine Tenor aber ist, Windräder ja, aber nicht bei uns. Es ist schäbig sich aus dem Verursacher Prinzip wegzuducken. Der Strom wird in den Kommunen verbraucht und nicht im Ebersberger Forst. Die Einstellung, Strom kommt aus der Steckdose, und woher der Strom kommt, soll nicht sichtbar sein, das geht nicht mehr. Mich stimmt es traurig, dass es uns nicht gelingt unser Wohlstandsdenken abzulegen und uns der globalen Verantwortung zum Klimawandel zu stellen.

Wir sollten uns besinnen und umkehren zu mehr Verantwortlichkeit. Ich wünsche mir, dass die Mehrheit der Bürger im Landkreis Ebersberg die fünf Windräder im Ebersberger Forst ablehnt. Im Gegenzug wünsche ich mir eine Bürgerbewegung, die sich zum Ziel setzt, die 10-H-Regelung für den Landkreis Ebersberg zu kippen. Dann wird die Zielsetzung des Landkreises Ebersberg möglich, bis zum Jahr 2030 die Klimaneutralität zu erreichen. Denn dann könnten auf die Kommunen verteilt die erforderlichen 30 Windräder aufgestellt werden. Für diese Zielsetzung rentiert es sich zu kämpfen und ich bin überzeugt, dass es dafür eine Mehrheit in unserem Landkreis geben wird.

Ich gebe zu bedenken, dass ein Erfolg der Bürgerbefragung nicht zwangsweise sicherstellen wird, dass die fünf Windräder im Forst auch gebaut werden können. Die jahrelangen Rechtsstreitigkeiten werden dafür Sorge tragen, dass das Klimaziel 2030 in die ferne Zukunft verschoben werden muss. Mir erschließt sich nicht, warum die verantwortlichen Mandatsträger dieses Risiko eingehen wollen, noch dazu weil fünf Windräder nicht ausreichen werden, das Klimaziel 2030 zu erreichen. Um die fehlenden 25 Windräder aufstellen zu können, müsste sowieso der avisierte Weg zur Auflösung der 10-H Lösung gegangen werden. Es sei denn, man verzichtet auf das Erreichen der Klimaneutralität 2030. Ich bin gespannt, wie sich die CSU gebundenen Mandatsträger im Landkreis aus dieser Situation heraus winden werden, ansonsten lösen dies die Bürger über Wahlen. Unabhängig vom Ausgang der Bürgerbefragung wünsche ich mir, dass eine Bürgerbewegung zum Thema Windkraftanlagen ohne 10-H Lösung im Landkreis Ebersberg zustande kommt, ich bin dabei.

Martin Fürbeck, Vaterstetten

Kein Wald ohne Energiewende

Wir haben ein klassisches Paradox; das heißt, Gegner der Ebersberger Windräder wollen eigentlich alle die finale Klimakatastrophe abwenden, sind aber zugleich dagegen, wenn es um den eigenen Beitrag zur Energiewende geht. Oder geht es schlicht nach dem St. Floriansprinzip; Ja, aber nicht vor meiner Haustür. Schließlich wird der Wald noch zum Mythos erklärt, um endgültig von der Energiewende abzulenken. Auf dieser emotionalen Ebene versucht man dann unterschwellig zu vermitteln, dass aus dem Wald einmal ein Windpark entstehen könnte. Dieselben Leute wissen aber auch, dass ausnahmslos alle Befürworter der Windkraft im Forst den nachhaltigen Schutz des Forstes und damit auch die Schutzwirkung der Landschaftsschutzgebietverordnung auf "ewige" Zeiten festschreiben wollen. Sonst wird überhaupt nicht mehr weitergeplant. Abgesichert wird das ganze durch einen Beschluss des Bund Naturschutz/Kreisverband Ebersberg, dem Kreistag, der vertraglichen Vereinbarung zwischen Freistaat und Landkreis Ebersberg (in Person des Herrn Landrates Niedergesäß).

Ein Ja zu fünf Windkraftwerken gibt es also nur, wenn die umfangreiche spezielle artenrechtliche Untersuchung den langfristigen Schutzzweck (laut Landschafts-Schutz-Verordnung/LSV) bestätigt. Wir sind auch froh, dass die Untere Naturschutzbehörde Ebersberg diesen Prozess fundamental kritisch verfolgt. Wenn also das "Grüne Herz" des Landkreises gesichert weiter schlägt, gibt es aus naturschutzfachlichen Aspekten keine Gründe mehr, sich gegen die Windräder zu wenden.

Franz Höcherl, Pliening

Schaden wird beschönigt

Völlig unverständlich ist es mir, wie Grüne und ÖDP, die nachhaltiges Handeln besonders groß auf ihre Fahnen schreiben, für Windkraftanlagen im Forst votieren, dadurch die Zerstörung des Ökosystems Wald in Kauf nehmen und so ihre ökologische Argumentation ad absurdum führen.

Da wird mit Zahlen hantiert, die Augenwischerei sind, die Größe der Rodungsfläche wird beschönigt, der massive Schaden an der Natur verharmlost oder erst gar nicht erwähnt. Denn die angeblichen Fichtenplantagen gibt es an den geplanten Standorten nicht; davon kann man sich leicht selbst überzeugen. Wie überaus wertvoll der Wald ist, erfährt in dieser schwierigen Zeit gerade jeder am eigenen Leib.

Wer glaubt, diese fünf Windräder bringen uns dem Klimaziel näher, macht sich was vor. Der Schaden wird größer sein als der Nutzen. Denn sind diese erst mal errichtet, weckt es Begehrlichkeiten für weitere Projekte im Wald, wie Straßen und noch mehr Windräder. So zerstört man gerade das, was man zu erhalten vorgibt. Es könnte der Anfang vom Ende unseres Ebersberger Forstes sein.

Hans Schreiner,Kirchseeon

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Quelle:
SZ vom 20.04.2021
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