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Leserbriefe:Fakten und Fragen

Die Frage, ob im Ebersberger Forst fünf Windräder gebaut werden dürfen, beantwortet sich am Sonntag, 16. Mai beim Bürgerentscheid. Kontrovers geht es weiterhin zu, wie sich an den zahlreichen Leserbriefen zeigt

Windrad Hamberg (Bruck) mit Strommasten

Das Brucker Windrad ist bisher das einzige im Landkreis Ebersberg. Die Debatte um Rotoren im Forst indes polarisiert.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Zu verschiedenen Berichten zum möglichen Windpark im Ebersberger Forst und Leserbriefen dazu:

Der Bürgerentscheid zu den maximal fünf Windrädern im Ebersberger Forst wird aufzeigen, ob die Einwohner im Landkreis die Energiewende aktiv umsetzen wollen. Sicher werden die Windräder das Landschaftsbild verändern, aber sie werden auch aufzeigen, dass der Landkreis auf zukunftweisende Technologien setzt und aktiv die CO₂-Emissionen reduziert. Eine Ablehnung im Bürgerentscheid würde verhindern, dass eine fachliche Prüfung überhaupt durchgeführt wird.

Seit fast 20 Jahren machen sich verschiedene Gremien im Landkreis Gedanken darüber, wie die Energieversorgung in unserer Heimat sichergestellt und eine Abhängigkeit von externen Quellen, inklusive langen Transportwegen, verringert werden kann. Die fünf Windräder würden einen wichtigen Beitrag zur lokalen Energieversorgung liefern, wenn Strom aus Kohle und Kernenergie nicht mehr verfügbar ist und "Grüner Strom" wegen fehlender Stromtrassen nicht geliefert wird. Die Windräder lassen sich auch wesentlich leichter wieder zurückbauen, als kerntechnische Anlagen oder die Tagebauanlagen beim Kohleabbau.

Der Ebersberger Forst ist kein Naturidyll, er ist ein Wirtschaftswald zum großen Teil im Besitz des Landes Bayern, der nur durch menschliche Hege und Pflege erhalten wurde. Er leidet durch den fortschreitenden Klimawandel erheblich. Um Käferholz lagern zu können, mussten im Forst bereits 2,4 Hektar Flächen gerodet werden. Die Absicht, den Forst als Schutzwald und "Grüne Lunge" erhalten zu wollen, ist ein erstrebenswertes Ziel, das nur erreichbar ist, wenn jede Möglichkeit genutzt wird, CO₂ einzusparen.

Udi Spiegel und Wolfgang Scholz, Grafing

Seltsame Fragestellung

Jetzt beginnt die Phase, in der die Befürworter den Gegnern Unsachlichkeit vorwerfen (Pressemitteilung des Landratsamtes) und umgekehrt. Mich als Bürgerin irritiert einfach die Fragestellung im Bürgerentscheid. Mit einer rhetorischen Fragestellung wird den Gegnern ein schlechtes Gewissen eingeredet, weil sie mit einem Nein die Klimaneutralität des Landkreises ablehnen würden. Das ist mitnichten so. Die Gegner und auch ich sind doch keine Realitätsverweigerer. Der Hinweis des Landratsamtes auf die notwendige juristische Formulierung der Fragestellung wird dann schon wieder relativiert, wenn Herr Landrat selbst sagt: zwei Juristen, vier Meinungen. Also juristischen Sachverstand nur dann anzuführen, wenn er zum verfolgten Zielt passt, ein klein wenig "Pippi-Langstrumpf-Politik" (ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt).

Eines kommt doch in der ganzen Diskussion zu kurz. Der Weg zur Klimaneutralität beginnt beim Energiesparen und erst dann kommt die Umstellung auf erneuerbare Energien. Da sollten wir uns alle etwas ehrlicher machen. Der Anreiz zum Sparen fehlt. In der Pandemie wurde uns doch eines gezeigt: "weniger ist mehr". Die jetzt eingeschlagene Richtung suggeriert doch, dass wir unseren konsumorientierten Lebensstil nicht hinterfragen und schon gar nicht ändern müssen. Eine Richtung, die nicht wir, sondern die Natur, hier stellvertretend der Forst bezahlen muss.

Mit dem Ja-Kreuz gibt sie allen die einfache Gelegenheit, ihr Gewissen zu erleichtern, ohne etwas Grundsätzliches ändern zu müssen. Zugespitzt kann man von einem modernen Ablasshandel sprechen. Denen, die meinen, jetzt einfach mal anfangen zu müssen (toll, jetzt haben wir uns für fünf Windräder im Forst entschieden) kann ich nur sagen: "Nachdem sie ihr Ziel aus den Augen verloren hatten, verdoppelten sie ihre Anstrengungen." Uta Harant, Eglharting

Endlich zivilisiert benehmen

Mein Lebensmotto ist, mich meinen Mitmenschen gegenüber sozial und zivilisiert zu benehmen und nicht auf Kosten anderer zu leben. Ich trenne meinen Müll, wenn ich mit dem Hund von meinem Sohn Gassi gehe, räume ich seine Hinterlassenschaften weg, wenn ich auf den Berg gehe und Brotzeit gemacht habe, nehme ich leere Flaschen und meine Brotzeittüte wieder mit.

Deshalb sehne ich mich danach, trotz eigener PV-Anlage, auch den restlichen Strom CO₂-frei beziehen zu können. Ich mag nicht länger dazu beitragen, dass die Erdatmosphäre zum Schaden unserer Nachkommen als Müllhalde benutzt wird. Ich mag auch keine Ausreden mehr, weshalb nicht da und warum nicht jetzt und weshalb nicht so. Benehmen wir uns endlich sozial, zivilisiert und nachhaltig - für unsere Kinder und Enkel! Heinz Musché, Glonn

Kreistag ist selbst schuld

Eigentlich ist alles gesagt, ein Aspekt fehlt mir. Viele Gegner der Windräder im Forst äußern, sie wären nicht prinzipiell gegen Windenergie. Nur nicht an diesem Standort. Meine große Befürchtung ist, dass der Bürgerentscheid letztlich doch zu einer Abstimmung für oder gegen Windenergie generell gedeutet wird. Bestätigung ist für mich, dass Zornedings Bürgermeister eine Abstimmung zu den dort ins Auge gefassten Windrädern nicht vor dem Entscheid auf die Tagesordnung nehmen will. Ja, warum denn nicht?!

Der Kreistag ist selbst schuld, er hätte besser den Einstieg in die Planung selbst beschlossen. Dann wären wir auch schon einen großen Schritt weiter. Dass die Windräder notwendig sind, wenn wir die Klimakrise meistern wollen, ist sogar unter Gegnern meist Konsens. Hermann Maier, Grafing

So penetrant!

Das ist ja die reinste Gehirnwäscheaktion, die Bombardierung in den Zeitungen und auf den Plakaten mit den Fotos der Befürworter für den Windpark im Forst. Man könnte meinen, eine Gelegenheit, mal mit Bild in der Zeitung zu erscheinen oder sich wieder in Erinnerung zu bringen. So penetrant!

Zum Flyer "Wir in Kirchseeon sind für Windkraft im Forst!" - aber hallo - auch wir in Kirchseeon sind für Windenergie und Klimarettung, aber nicht für den Standort im Forst. Ausgerechnet Kirchseeon, das schon seit Jahren die Baumschutzverordnung abgeschafft hat. Keine Wertschätzung für Bäume. Klimarettung durch noch mehr Zerstörung von Natur ist keine Lösung. Jeder Baum zählt als CO₂-Speicher und Sauerstofflieferant.

Und wo sind eigentlich all die Grünen, die die Natur schützen wollen? Wo sind sie geblie - hi - ben? Sie sägen gerade den Ast ab, auf dem sie sitzen. Ingrid Weiß, Eglharting

Seltene Chance

Unbestritten brauchen wir für unseren Landkreis zur Klimaneutralität bis 2030 mehr als nur diese fünf Windräder! Es geht um den Umbau unserer gesamten Energiewirtschaft und die Erschließung ausreichender, nachhaltiger Energiequellen. Dazu gehören eben auch die seit vielen Jahren aufgeschobenen Pläne, den Forst an dieser Stelle dafür zu nutzen. Eine schwächelnde Fichten-Monokultur wird durch Aufforstung eines wertvollen Mischwaldes von doppeltem Ausmaß am Waldrand mehr als ausgeglichen.

Die 10-H-Regelung existiert leider noch immer, und momentan findet sich kein anderer geeigneter Standort! Dies erlaubt uns aber nicht, stattdessen hilflos nach oben zu blicken und auf eine Gesetzesänderung zu warten. Es entledigt uns in Hinsicht auf kommende Generationen nicht unserer Verpflichtung, auch heute schon alle Hebel in Bewegung zu setzen.

Das bahnbrechende Urteil des Verfassungsgerichtes, dass wir viel mehr für den Klimaschutz unternehmen müssen, unterstreicht doch, dass wir schnellstens alle Anstrengungen unternehmen müssen, die Energiewende voranzutreiben - statt sie aus Unbeweglichkeit oder Bequemlichkeit auszusitzen. Und warum eigentlich nicht im Forst? Natürlich wäre auch mir ein anderer Standort lieber gewesen - aber es gibt eben keinen! Dagegen birgt dieser Standort auch viele Vorteile: Die zum Bau und Betrieb nötige Infrastruktur ist bereits vorhanden, es müssen keine Zufahrten neu angelegt, verbreitert oder asphaltiert werden. Eine Belastung durch Rotorenlärm oder Schattenwurf in angrenzenden Ortschaften ist ausgeschlossen. Zudem ist eine Begrenzung auf nur diese fünf Windkraftanlagen bereits im Wortlaut des Stimmzettels festgeschrieben. Weitere Ansinnen, in den Forst einzugreifen, sind vom Landratsamt glaubwürdig ausgeschlossen worden.

Die Krux der Gegner ist, dass von deren Seite keine realistischen Alternativen zur Energiewende angeboten werden. Dies vermisse ich im Beiträgen der Gegner.

Nun herzugehen und sich auf in der Vergangenheit begangene politische Fehler oder das Zaudern des Landratsamtes zu berufen und "die Kiste gegen die Wand zu fahren" kann doch keine ernsthafte Option sein. Solche Aktionen verschieben die Lösung unseres Klimawandel-Problems in alle Ewigkeit. Nun haben wir die Gelegenheit, selbst zu entscheiden - und das ist gut so. Jeder sollte sich informieren und die Fakten kennen. Es ist eine nicht so schnell wiederkehrende Chance, endlich damit zu beginnen, ernsthaft etwas für den Klimaschutz zu unternehmen! Michael Bleimeier, Kirchseeon

Dem Rotmilan geht es gut

Im Rahmen des Bürgerentscheides zu den fünf Windrädern im Ebersberger Forst inseriert der LBV mit einem Anzeigentext, der den Eindruck erwecken soll, dass diese Windräder ein reines Investorenprojekt sind. In der Ausschreibung sind jedoch vertraglich die kommunale- und die Bürgerbeteiligung festgeschrieben. Ich finde es beschämend, wenn hier vom LBV- Kreisvorstand nicht mehr faktenorientiert, sondern in Richtung "fake news" versucht wird, Wähler zu beeinflussen. Absolut unsauber empfinde ich generell die Art und Weise, wie der LBV mit "Konjunktiven" an Fakten vorbei im Stil von Trump argumentiert. So zum Beispiel wurde von der LBV- Kreisgruppe in Ebersberg auch gegen den Bau des Windrades in Hamberg geklagt, dass dieses den Bestand des Rotmilans gefährden könnte. Real ist, dass die Population zugenommen hat, also nicht einmal eine Vergrämung erfolgte. Nochmals zur Erinnerung: Die fünf Windräder werden nur gebaut, wenn die gesetzlichen Vorschriften es zulassen. Die Entwicklung und Folgen des Klimawandels zwingen uns zu einem entschlossenen Handeln und daher unser Engagement in diesem kleinen "Zwickel" des Ebersberger Forst, weit ab vom wirklichen artenreicheren Teil des Forstes (FFH- geschützt), den Wind für die geplante Energiewende und damit auch für den Artenschutz zu nutzen. Jochen Carl, Glonn

Wo sind die Alternativen?

In unseren Wäldern - auch im Ebersberger Forst - sind in den letzten Jahren durch Stürme, Hitze und Trockenheit, die durch den Klimawandel hervorgerufen wurden, starke Schäden entstanden. Das heißt für uns alle: wir müssen etwas tun. Zu warten, bis andere etwas tun, ist billig. Die Wissenschaftler sagen uns, dass wir den CO₂-Ausstoß reduzieren müssen. Das gilt besonders für uns im Ebersberger Landkreis, da wir in den letzten 15 Jahren nichts getan haben. Das Verbrennen von fossiler Primärenergie durch regenerative Energieerzeugung zu ersetzen, ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Windräder für die Erzeugung von Elektrizität zu nutzen, ist eine der Möglichkeiten. In Bayern gilt immer noch die 10-H-Regelung, die uns im Ebersberger Landkreis kaum Spielraum lässt für die Aufstellung von Windrädern. Ein minimaler Eingriff in den Ebersberger Forst, um dort fünf Windräder aufzustellen, akzeptiert die 10-H-Regelung, ist weit genug von Siedlungen entfernt und stört eigentlich niemand, wenn man nicht grundsätzlich gegen Windräder und die Energiewende ist. Das ist ein großer Schritt in die richtige Richtung und würde auch dem Ebersberger Forst helfen, den wir alle ja erhalten wollen.

Wenn man gegen die fünf Windräder im Ebersberger Forst ist - und das lässt unsere Meinungsfreiheit zu - dann muss man einen Vorschlag einbringen, der die bessere Lösung ist. Nur einfach dagegen zu sein und nichts zu tun, ist zu billig. Wie sieht dann in zehn Jahren unser Ebersberger Forst aus, wenn wir nichts tun und wer übernimmt dafür die Verantwortung? Werner Kümmel, Baldham

Erschreckende Perspektiven

Wir sollten unbedingt die Chance nutzen, die sich uns im Moment bietet, und mit möglichst vielen Stimmen für die Windräder im Forst stimmen. Es ist unsere Chance, den Klimawandel zu verlangsamen und die Erneuerbaren Energien deutlich auszubauen. Mich erschreckt es, davon zu lesen, dass wir von einer starken Erhöhung der Durchschnittstemperatur ausgehen müssen. Eine Erhöhung um 4,8 Grad bis zum Jahr 2100, wie das Bayerische Landesamt für Umweltschutz prognostiziert, bei einem "weiter so", bedingt durch den Klimawandel. 2100 erscheint noch unendlich weit weg, vermutlich werden wir alle das dann nicht mehr erleben. Vermutlich auch unsere Kinder nicht mehr. Aber ist das wirklich ein Argument? Wollen wir nicht alles dafür tun, dass unser Wald und unsere Umwelt für unsere Kinder und Kindeskinder noch erlebbar sein werden? Ein "immer weiter so, wie bis jetzt" und ein "gerne Windräder, aber nicht hier" oder "natürlich müssen wir alle Strom sparen, aber ich möchte mich dabei nicht einschränken" wird eben leider nicht gehen.

Lasst uns also zügig den Weg gehen, und eine kleine Fläche im Forst für die Windräder abtreten und nach Lösungen suchen, die es uns ermöglichen, Windräder auch näher an Wohnbebauung zu errichten, also die 10-H-Regelung ändern. Dann arbeiten wir mit der Zeit, für den Wald und für unsere Kinder und Kindeskinder. Tina Moder, Kirchseeon

Fakten sprechen für das Projekt

Daten und Fakten sind widerspruchsfrei und erlauben nur eine Interpretation. Es ist in der Demokratie zwar zulässig, der Meinung zu sein, dass die Erde eine Scheibe ist, Fakt ist allerdings, dass sie eine Kugel ist. Die von der Energieagentur Ebersberg-München in Zusammenarbeit mit der unteren Naturschutzbehörde aufgebaute umfangreiche Informationsplattform zum Windprojekt im Ebersberger Forst wird oft als einseitig informierend und unseriös agierend diffamiert. Jedoch liefert sie eine Menge von unumstößlichen Daten, Fakten und Informationen. Die Energieagentur hat hier kein sogenanntes "Faktenmonopol". Es werden viele seriöse Quellen genannt. Eine vernünftige Meinungsbildung ist nur mit Kenntnis möglichst vieler seriöser Daten und Fakten möglich. Zur Meinungsbildung sehr hilfreich sind die Video-Aufzeichnungen der "Exkursion vom Sofa aus", in der die beiden Bürgermeister der Gemeinden Berg (Starnberger See) und Fuchstal (Landkreis Landsberg am Lech) ihre Windprojekte, die dem Projekt im Ebersberger Forst sehr ähnlich sind, präsentieren und sich den Fragen unserer Bürgerinnen und Bürger stellen. Diese Bürgermeister sprechen über etwas Reales, was sie in ihren Gemeinden bereits umgesetzt haben. Sie sprechen also nicht wie viele Windkraftgegner von einem Hörensagen, oftmals in diese Gruppen hineingetragene Meinungen von Wanderpredigern, die regelmäßig nicht in den betroffenen Gemeinden leben, aber von Gemeinde zu Gemeinde "ziehen", wenn es darum geht, Stimmung gegen Projekte der Erneuerbaren Energien (EE) zu entfachen.

Sie kolportieren zum Beispiel, dass EE nur deswegen existieren können, weil sie durch die EEG-Umlage subventioniert werden. Das stimmt nicht: In konventionelle Energien fließen jährlich etwa 46 Milliarden Euro Subventionen, in erneuerbare Energien etwa 26 Milliarden Euro (EEG), also deutlich weniger. Neue Wind- und Solaranlagen haben auf die EEG-Umlage so gut wie keinen Einfluss mehr. Die Stromgestehungskosten sind mittlerweile selbst zu abgeschriebenen konventionellen Kraftwerken konkurrenzfähig.

Übergangsweise werden wir noch wenige fossile Kraftwerke als Reserve halten müssen, die aber nur dann CO₂ und Kosten produzieren, wenn sie tatsächlich laufen müssen. Es gibt genügend Speicherlösungen. Die müssen jetzt Stück für Stück in den Einsatz gebracht werden. Laut Fraunhofer-Institut sind Speicher erst ab einem Anteil von 70 bis 80 Prozent Erneuerbarer unumgänglich. Mit unserer Beteiligung vor Ort leisten wir unseren Anteil in Hinsicht auf die globale Verantwortung. Das hat definitiv nichts mit Provinzialität zu tun. Tommy Jürgensen, Vaterstetten

Irreführende Behauptungen

Immer wieder hört man von Windkraftgegnern die Behauptung, dass durch die fünf Windräder im Ebersberger Forst seltene Vögel wie Schwarzstorch, Uhu und Seeadler gefährdet seien. Tatsache ist: Sie sind im Ebersberger Forst noch seltener als selten. Es gibt sie nämlich hier gar nicht.

Woher kommt es dann, dass solche Behauptungen aufgestellt werden? Die "Bundesinitiative Vernunftkraft e. V." ist Dachverband bundesweit agierender Anti-Windkraft-Initiativen. Dazu gehört auch zum Beispiel der "Verein Landschaftspflege und Artenschutz Bayern e.V.". Ein wunderschöner Name für einen Verein von Leugnern des Klimawandels, Energiewendegegnern und Kohle- und Kernkraftwerkverfechtern. Ziel des Verbandes ist, Planungen von Windkraftanlagen bundesweit zu torpedieren, unter anderem, indem er Gegner der Windenergie mit Argumenten aus der Schublade füttert, eine bundesweite Blaupause. Hierzu gehört generell Infraschall, Grundwassergefährdung und die Gefährdung von Vögeln wie eben Schwarzstorch, Uhu und Seeadler. Wie kommt es nur, dass man da einen Zusammenhang zu unseren Ebersberger Windkraftgegnern wittert? Sollte mal ein oben genannter Vogel im Forst gesichtet werden, käme dies einer Sensation gleich. Bitte dann unverzüglich melden! Ilke Ackstaller, Kreisrätin, Ebersberg

Von der Jugend lernen

Ich wünsche mir, dass wir alle ein bisschen auf unsere Kinder hören. Von ihrer Neugierde, Ehrlichkeit, Freude, Unbeschwertheit, Begeisterung und Offenheit lernen. Auf ein knallbuntes Windrad pusten und es dreht sich - Juhu! Freuen wir uns doch, dass es unserer Ingenieurskunst gelungen ist, Windräder zu konstruieren, die sich auch bei uns so gut drehen, dass wir saubere, günstige und sichere Energie daraus gewinnen können und wir auf Atom-und Kohlestrom verzichten können. Dass wir energieunabhängig von diktatorisch regierten Ländern sein könnten und so auch den Frieden bewahren können. Dass wir unsere Natur schützen und unseren Wohlstand bewahren können. Dass wir uns selbst finanziell daran beteiligen können und die Wertschöpfung vor Ort bleibt. Dass es innovative und zukunftsweisende Ideen in diesem Land gibt. Lassen wir uns nicht von denjenigen die miese Stimmung anhängen, die ewig alles madig machen und uns falsche "gefühlte" Wahrheiten präsentieren, statt auf wissenschaftliche Fakten einzugehen.

Letzte Woche sprach das Bundesverfassungsgericht ein bahnbrechendes Urteil im Interesse unserer Kinder und Enkelkinder: Wirkungsvolle Maßnahmen für den Klimaschutz müssen jetzt ergriffen werden und nicht auf später verschoben werden. Zitat aus dem Urteil: "Aus dem Gebot der Verhältnismäßigkeit folgt, dass nicht einer Generation (Anm. dieser Generation) zugestanden werden darf, unter vergleichsweise milder Reduktionslast große Teile des CO₂-Budgets zu verbrauchen, wenn damit zugleich den nachfolgenden Generationen eine radikale Reduktionslast überlassen und deren Leben schwerwiegenden Freiheitseinbußen ausgesetzt würde." Die Kinder sind unsere Zukunft. Sie werden uns später nicht fragen, warum wir Windräder gebaut haben. Sie werden uns fragen, warum wir sie nicht schon früher gebaut haben. Waltraud Gruber, Grünen-Kreisrätin, Aßling

Hinweis

Leserbriefe stellen keine redaktionelle Meinungsäußerung dar, dürfen gekürzt und digital publiziert werden unter Angabe von Name und Wohnort. Briefe ohne Nennung des vollen Namens werden nicht veröffentlicht. Bitte geben Sie für Rückfragen immer Adresse und Telefonnummer an.

© SZ vom 10.05.2021
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