Demografie im Kreis Ebersberg:So viele Neubürger wie noch nie

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Demografie im Kreis Ebersberg: Auch im Landkreis Ebersberg fahren inzwischen viele Autos mit ukrainischen Kennzeichen.

Auch im Landkreis Ebersberg fahren inzwischen viele Autos mit ukrainischen Kennzeichen.

(Foto: Christian Endt)

Die Zuzugsquote in den Landkreis Ebersberg fällt im ersten Quartal 2022 so hoch aus wie sonst im ganzen Jahr. Das liegt auch am Krieg in der Ukraine.

Von Wieland Bögel, Ebersberg

Der Landkreis Ebersberg ist bekannt für sein schnelles Bevölkerungswachstum, aber so schnell wie in den ersten Monaten dieses Jahres ist die Zahl der Menschen mit einem Wohnsitz zwischen Anzing und Aßling noch nie gewachsen: Zwischen Anfang Januar und Ende März zogen 1373 Personen mehr in den Landkreis, als von hier weggezogen sind.

Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2021 betrug der sogenannte Wanderungssaldo nur 376 Personen, was aber auch ein coronabedingt selten niedriger Wert ist. Aber auch im zuzugsstärksten Jahr der jüngeren Vergangenheit, das war 2017, wohnten zum Jahresende gerade einmal 1639 mehr Menschen im Landkreis als zu Jahresbeginn. Im letzten Jahr vor der Pandemie lag der Saldo noch bei insgesamt 1483 Personen, also 110 mehr, als es alleine in den ersten drei Monaten in den Landkreis Ebersberg zog.

In Bayern wohnen mehr Leute als je zuvor

Diese Zahlen hat nun das Bayerische Landesamt für Statistik veröffentlicht, und Ebersberg ist mit diesem Trend kein Einzelfall. Im gesamten Freistaat hat es demnach zu Jahresbeginn den größten Bevölkerungszuwachs gegeben, seit dieser quartalsweise erfasst wird; dies tut die Behörde seit 1971. In Bayern wohnen demnach aktuell 13,27 Millionen Menschen und damit 92 738 Personen mehr als noch zu Jahresbeginn.

Die Fachleute führen diesen Anstieg vor allem auf die Flüchtlinge aus der Ukraine zurück. Dies legen auch die Zahlen der jeweiligen Kalenderwochen nahe. So lag das Zuzugssaldo alleine in den Wochen acht bis zwölf, also kurz nach Kriegsbeginn bei 82 000 Personen. Dies entspricht auch der Entwicklung im Landkreis Ebersberg. Demnach zogen im Januar noch 117 Menschen mehr in den Landkreis als von hier fort, im Februar waren es sogar nur 62, beides im langjährigen Vergleich eher unterdurchschnittliche Werte. Im März alleine zogen dagegen 1194 mehr Leute zu als weg, was diesen Monat zum zuzugsstärksten der vergangenen Jahre macht.

Der Landkreis hat so viele Einwohner wie nie

Mittel- bis langfristig dürfte sich der Zuzug indes wieder auf die Werte der Vorjahre einpendeln. Ein Indiz dafür ist der bayernweite Wert für den Monat März. Lag der Saldo in der letzten Februarwoche noch bei 2615 Personen, stieg er in der ersten Märzwoche auf 15 766, in der zweiten noch einmal deutlich auf 27 395, um dann ab Woche drei wieder auf 23 689 und in Woche vier auf 14 898 Personen zu sinken. Zwar gibt es für die Landkreise und kreisfreien Städte keine wöchentlichen Zahlen, allerdings gehen die Erfahrungen im Landkreis in eine ähnliche Richtung. So registriert man im Landratsamt bereits seit April einen deutlichen Rückgang bei den Neuankömmlingen aus der Ukraine. Auch in absoluten Zahlen leben etwas weniger Kriegsflüchtlinge im Landkreis; Mitte Juli waren es laut Landratsamt 1830 Personen, gut 200 weniger als noch in den Wochen unmittelbar nach Kriegsbeginn.

Dennoch hat der Zuzug dazu geführt, dass im Landkreis Ebersberg aktuell so viele Menschen wohnen wie noch nie. Für Ende März dieses Jahres ermittelt das Statistische Landesamt einen Wert von 145 800 Personen. Fünf Jahre zuvor wohnten im Landkreis noch 139 500 Menschen, 2012 waren es sogar erst knapp 130 000. Die jüngsten Prognosen, die allerdings noch aus der Zeit vor dem Krieg in der Ukraine stammen, erwarten bis Ende des kommenden Jahrzehnts einen Wert von knapp 159000. Gut möglich, dass die aktuellen Entwicklungen die Einwohnerzahlen für den Landkreis Ebersberg auch langfristig noch einmal deutlich nach oben verschieben werden.

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