Lebendige Tradition Blick hinter die Maske

Nicht alle Bewohner des "Maskeums" sind wilde Zottelschrate, neben den "Schiachperchten" gibt es auch die "Schönperchten".

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Beim Tag der offenen Tür im entstehenden "Maskeum" wird die Vision der Kirchseeoner Perchten für ihr eigenes Museum deutlich

Von Amelie Hörger

Vorbei an langen spitzen Zähnen, hinein in den Schlund einer verzogenen Fratze: Das ist die Vision für den Eingang des Museums der Kirchseeoner Perchten, das 2020 seine Pforten oder in diesem speziellen Fall wohl eher sein Maul öffnen wird. Das Ziel sei es, mit dem "Maskeum", wie die fertigen Ausstellungsräume heißen werden, die Tradition der Perchten lebendig zu zeigen und auch "Menschen aus der großen Stadt in den Münchner Osten zu locken", erklärt Rainer Eglseder, Chef des dazugehörigen Fördervereins und Projektleiter.

Frau Percht steht im Zentrum des Perchtentreibens.

(Foto: Christian Endt)

Bis man jedoch die einzigartige Tradition in den Räumen der Kirchseeoner Mittelschule leibhaftig erleben kann, ist noch einiges zu tun. Bei einem Tag der offenen Tür konnte man sich aber schon einmal vom Stand des Projektes überzeugen und bekam dabei ein ganz besonderes Schmankerl zu Gesicht: Das Depot. Denn das Herzstück des "Maskeums" ist bereits fertig, wird aber während des normalen Museumsbetriebs für Besucher nicht zugänglich sein.

"Dafür haben wir eigentlich den ganzen Aufwand betrieben", erläutert Eglseder, während er die schweren Türen öffnet, die in das Heiligtum führen. Beinahe hat man das Gefühl in den Hochsicherheitstresor einer Bank zu treten. Der Raum ist gefüllt mit hohen grauen Rollregalen. Das spart den so arg benötigten Platz. An den Türen kleben pinke Notizzettel und Eglseder erklärt: "Wir sind gerade noch dabei alles zu kategorisieren."

Wilde Gesellen füllen bereits einige Regale im "Maskeum".

(Foto: Christian Endt)

Denn die Masken, Gemälde und anderen Schätze der Sammlung sind erst vor kurzem aus den alten beengten Räumlichkeiten im Rathaus in ihr neues Zuhause umgezogen. Nicht gebührend vor Temperaturschwankungen geschützt, wurden sie dort jahrelang aufbewahrt. Ein Zustand, der für alle Beteiligten nur schwer zu ertragen war. Nun bieten die 80 Quadratmeter Lagerfläche nicht nur dem aktuellen Bestand einen sicheren Platz, in den Regalen ist überdies noch genügend freier Raum für Funde aus aller Welt oder neu Geschnitztes. Ein Umstand über den sich Rainer Eglseder freut. "Ich will schon so 30 bis 35 Prozent Reserve haben", betont er.

Rainer Eglseder, Johanna Killi und ihre Mitstreiter bauen derzeit in Kirchseeon das "Maskeum" auf.

(Foto: Christian Endt)

Geht man einen Raum weiter, wird klarer, warum das "Maskeum" erst 2020 fertig gestellt wird. Der Hauptraum gleicht mit übereinander gestapelten Umzugskisten und provisorischen Holzregalen auf denen vereinzelt Masken zur Schau gestellt werden, noch einer Baustelle. Dennoch lässt sich das Grundkonzept des Museums angesichts der Wände, Decken und Rohre erahnen. Alles ist bereits in einem tiefen Dunkelblau gestrichen, das an den Nachthimmel erinnert, unter dem die Perchten ihre Tänze aufführen. Mit einer professionellen Beleuchtung kämen so die Masken viel besser zu Geltung, erklärt Eglseder.

Trotz eines professionellen Ausstellers, der mit dem Projekt betraut wurde, hatten Förderverein und Stiftung alle Möglichkeiten der Mitgestaltung. Ein Gremium aus acht Personen hat mit teils provisorischen Skizzen das Museum geplant. In einer Ecke des Hauptraums soll zum Beispiel eine große begehbare Maske stehen, in welcher der Besucher an Multimediastationen mehr über Perchten erfahren kann.

Was von den ambitionierten Visionen des Gremiums am Ende umgesetzt werden kann, hängt von den finanziellen Mitteln ab, die dem Förderverein zur Verfügung stehen. Wie viel Geld genau das Museum noch benötigt, kann Eglseder noch nicht sagen, betont jedoch, dass trotz eines Zuschusses von der Gemeinde, Spenden aus der Bevölkerung einen großen Beitrag für das "Maskeum" leisten würden.

Einige Perchten haben das Maskeum bereits verlassen, denn es ist wieder Saison und den wilden Gesellen aus Kirchseeon kann man in den nächsten Wochen an vielen Orten im Landkreis begegnen.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Sollte das Geld am Ende für alle geplanten Ideen reichen, können sich Museumsbesucher auch auf einen echten Perchtentanz freuen, der in der Mitte des Raumes auf einer Bühne nachgestellt wird. Dort finden auch die Maske der "Frau Percht" - die berühmte Sagengestalt ist wohl von der germanischen Göttin Frigg abgeleitet - sowie weitere Originale des Kirchseeoner Perchten-Vaters Hans Reupold, ihren Platz. "Diese Masken werden wohl nie im Depot hängen", sagt Eglseder lachend. Die restlichen Stücke sollen nach dem Rotationsprinzip immer wieder mit anderen Werken aus dem Depot ausgestellt werden. Schließlich sei das Ziel, "die Leute immer wieder herzulocken", erklärt Eglseder. Noch ist er sehr optimistisch, sowohl finanziell als auch zeitlich alles auf die Reihe zu bekommen, bis jetzt laufe alles nach Plan. Der Wunsch nach einer modernen Lagerfläche ist ja bereits erfüllt - auch wenn das Depot bisher recht leer aussieht. Warum das so ist, erklärt Eglseder: "Jetzt ist wieder Saison. Ich musste die Masken alle zum Laufen rausgeben."