Landwirtschaft in Vaterstetten:Der Weg zum Bier

Die Familie Stockmayr aus Baldham hat sich auf Braugerste spezialisiert - und das mit ziemlich großem Erfolg. Inzwischen hat der Bauernhof unzählige Preise für sein Erzeugnis gewonnen. Über die lange Reise eines kleinen Korns

Von Marie Schmidt, Vaterstetten

Braugerste - Preis für Martin Stockmayr

Martin Stockmayr und seine Braugerste: Die kleinen Körner müssen einen langen Weg hinter sich bringen, ehe sie irgendwann zu Bier verarbeitet werden können. Eine der Stationen ist die Lagerung in Silos, von denen es am Stockmayr-Hof acht Stück gibt.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Auch hier ist der Herbst bereits angekommen. Der große Kastanienbaum neben der kleinen Kapelle wirft seine Früchte und Blätter auf den Boden. Die Kapelle selbst ist mit einem Erntedankkorb versehen und der Mais kann schon bald geerntet werden. Auf dem Stockmayr Hof in Baldham neigt sich der Sommer dem Ende zu. Es wird schon fleißig gearbeitet an diesem Morgen. Aus dem ehemaligen Stall, in dem zeitweise 300 Tiere untergebracht waren, hört man jetzt Maschinen und Menschen, die auf Hochtouren arbeiten. Der Hof, der jetzt nur noch Ackerbau betreibt, hat in seinen 1000 Jahren viel durchlebt. Von der Kartoffel zum Vieh zur Braugerste. Mit dieser kennt sich nicht nur Hans Stockmayr junior, sondern auch der Senior bestens aus. Die Vitrine mit den unzähligen Preisen für die beste Braugerste im Landkreis säumt den Gang des Wohnhauses.

Der Braugerstenanbau in dieser Region ist ausgeprägt. "Einer der besten Standorte Deutschlands ist hier", sagt Stockmayr junior. Durch die schwachen Böden lässt sich ohnehin nicht viel anderes anbauen, der nicht so anspruchsvollen Braugerste jedoch gefällt es. Die Qualität der Böden wird in Bodenpunkten gemessen, wie der Landwirt erklärt. 100 Bodenpunkte bekommt ein sehr starker Boden, die Böden seiner Felder erreichen zwischen 30 und 40 Punkte. Sie bestehen aus einer 15 bis 20 Zentimeter dicken Humusschicht, darunter kommt nur noch Kies. Daher werden die Stockmayrfelder zu 25 Prozent mit Mais, zu weiteren 25 Prozent mit Winterraps und zu den restlichen 50 Prozent ausschließlich mit der unkomplizierten Braugerste bewirtschaftet. Diese kann im März geerntet werden, wie Stockmayr junior erklärt. Zunächst wird sie gewogen, danach durchläuft jedes einzelne Korn eine lange Reise: nach der Reinigung und Messung ihrer Werte wird die Braugerste in Silos auf zehn Grad runtergekühlt, um Schädlinge zu bekämpfen. Außerdem wird sie ausreichend belüftet, ihr Lager sollte also möglichst atmungsaktiv gestaltet sein.

Nachdem die Körner gesiebt worden sind - über 90 Prozent müssen eine Größe von 2,5 Millimetern haben - werden noch einmal einige Messungen durchgeführt. So muss der Wassergehalt 14 Prozent betragen, die Eiweißwerte sollen möglichst niedrig sein, am Besten zwischen neun bis elf Prozent und die Form sollte möglichst voll und nicht flach sein. Diese Werte sind für den Weiterverkauf sehr wichtig. Besonders die Mälzer achten auf die Größe, denn diese kann auch ein Indiz für die Keimfähigkeit sein. Später werden die Samen keimen und aus diesen wird in der Mälzerei dann Malz hergestellt.

Braugerste - Preis für Martin Stockmayr

Viel Platz ist nicht mehr in der Vitrine der Stockmayrs, schließlich räumt die Familie regelmäßig Preise für ihr Erzeugnis ab.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

All das wird auch bei verschiedenen Braugerstenschauen gemessen und bewertet. Die Stockmayrs sahnen regelmäßig ab. Bei der jüngsten Braugerstenschau in Moosach 2021 erhielt Hans Stockmayr jr. den Preis des Gesamtsiegers. Stolz kann er jetzt den Bierkrug mit Deckel vorzeigen. Denn nur der erste Platz erhält einen Deckel zu seinem Steinkrug. Laut der Urkunde, die die Qualität festhält, hat Stockmayr jr. dieses Jahr nämlich 35 Punkte erreichen können: in jeder Kategorie die Höchstpunktzahl. Wenn seine selbstgemessenen Werte gut sind, macht er einfach mit, sagt er. "Aber das ist Glückssache und immer verschieden." Auf die meisten Werte hat der Landwirt nämlich keinen Einfluss und ihr Ergebnis zeigt sich erst, wenn sie bereits bei der Schau sind. Anfang nächsten Jahres wird er die Braugerste an einen Händler verkaufen, welcher sie dann wieder weiterverkaufen kann. Der Kurs der Preise ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich.

Zwischen Tradition und Gesetz werden die Pflanzen hier liebevoll behütet: der Pflanzenschutz hat höchste Priorität. Um Blattkrankheiten vorbeugen zu können, sind spezielle Mittel nötig. Da Krankheiten besonders den Eiweißgehalt verändern können, müssen die Pflanzen stets gesund sein. Ob auch wirklich nur die zugelassenen Mittel verwendet werden, wird regelmäßig kontrolliert. Üblich sind sogenannte Fungizidbehandlungen. Doch nicht nur für die Pflanzen braucht man einen Nachweis. Auch die Lager- und Felderanerkennung ist wichtig, um legalen Ackerbau betreiben zu können. Die Silos, die bis zu 120 Tonnen fassen, werden also ständig überprüft und getestet.

Im Moment ist die Sorte "Accordine" auf den Feldern rund um den Hof auf dem Markt noch beliebt. Das kann sich jedoch ganz schnell ändern, die Art wird regelmäßig gewechselt. Wenn eine Sorte nicht mehr gefordert wird, muss flexibel gewechselt werden Die letzte Sorte konnten die Stockmayrs zehn Jahre auf ihren Feldern behalten. Doch auch das sei Glückssache und unvorhersehbar. Entweder man hat Glück und der Typ Braugerste, den man anpflanzt, wird im nächsten Jahr gewollt oder nicht. "Accordine" wird im Sortiment wohl noch ein paar Jahre bestehen bleiben, dann kann sie abgelöst werden. Die neue Braugerste wird dann wesentliche Merkmalsunterschiede benötigen, sonst wird sie nicht als neue Sorte anerkannt. Um sich darüber Gedanken zu machen, haben die Stockmayrs und ihre Mitarbeiter aber noch Zeit. Jetzt ist erst einmal der Mais an der Reihe.

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