bedeckt München 13°

Landtagswahlen im Kreis Ebersberg:Sarnowski feiert - Trauerstimmung bei der SPD

Strahlende Grüne: Uwe Peters, Ottilie Eberl und Fanny Lindvall freuen sich mit dem Direktkandidaten Thomas von Sarnowski (von links).

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Thomas Huber von der CSU verteidigt sein Direktmandat - verliert aber deutlich. Die SPD erlebt ein Debakel - andere Parteien verbuchen im Kreis Ebersberg Rekorde.

Von Wieland Bögel, Ebersberg

Zum historischen Absturz der Christsozialen bei der Landtagswahl haben auch die Landkreisbürger beigetragen. Nur noch 35,9 Prozent der Ebersberger stimmten am Sonntag für die CSU. Vor fünf Jahren war man mit 49,4 Prozent noch knapp an der absoluten Mehrheit gewesen. Mit einem blauen Auge davongekommen ist der CSU-Abgeordnete Thomas Huber. Zwar verteidigte er sein Direktmandat, der Abwärtssog seiner Partei ließ ihn aber von 46,2 Prozent im Jahr 2013 auf nunmehr nur noch 36,1 Prozent fallen.

Noch härter traf es seine Landtagskollegin von der SPD. Doris Rauscher muss angesichts der schlechten Ergebnisse ihrer Partei um den Wiedereinzug ins Maximilianeum zittern. Die SPD kam im Landkreis Ebersberg auf gerade einmal neun Prozent, 23,9 waren es vor fünf Jahren gewesen. Damit dürfte es für Rauscher trotz Platz drei auf der Oberbayern-Liste unter Umständen eng werden. Immerhin scheinen die Ebersberger die Kandidatin mehr zu mögen als ihre Partei: Rauscher gewann 12,1 Prozent der Erststimmen, was aber deutlich unter ihrem Wert von 19,9 Prozent vor fünf Jahren liegt.

Der Andrang in den Wahllokalen im Landkreis - hier im Gymnasium in Grafing - war enorm.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Genau umgekehrt stellt sich die Lage für den Grünen-Direktkandidaten Thomas von Sarnowski dar. Der Ebersberger trat zwar auf dem wenig aussichtsreichen 20. Platz der Oberbayern-Liste an und erzielte mit 21 Prozent der Erststimmen nur Platz zwei hinter Huber. Je nachdem, wie viele Ausgleichsmandate es für die Ökopartei gibt und wie viele Wähler Sarnowski direkt angekreuzt hatten, könnte es aber für einen Sitz im Landtag reichen. Doch selbst wenn nicht, die Grünen haben auch im Landkreis Grund zum Jubeln: mit 22,3 Prozent erzielten sie ihr bisher bestes Ergebnis bei einer Landtagswahl.

Für die Ebersberger Freien Wähler ist es das beste Ergebnis aller Zeiten

Das beste Ergebnis bei einer Landtagswahl im Kreis Ebersberg gab es für die Freien Wähler mit 9,3 Prozent. Ihr zweitbestes erreichten sie 2008 mit damals 8,1 Prozent, vor fünf Jahren waren es 5,8 Prozent gewesen. Auch bei den Erststimmen konnte Direktkandidat Markus Erhorn, obwohl nicht aus dem Landkreis, mit 8,2 Prozent ein respektables Ergebnis erzielen.

Das gilt auch für den Kandidaten der AfD, der so gut wie gar nicht im Landkreis aufgetreten war. Hilmar Sturm wollten 7,1 Prozent der Landkreisbürger im Maximilianeum sehen, seine Partei sogar 7,5 Prozent. Die AfD trat heuer das erste Mal bei Landtagswahlen an, bei der Bundestagswahl vor einem Jahr kamen die Rechtspopulisten im Landkreis Ebersberg auf 10,3 Prozent. Kein überragendes, aber ein solides Ergebnis gab es für die Liberalen: Nach dem Absturz auf 3,7 Prozent vor fünf Jahren folgte auch die FDP im Landkreis Ebersberg dem landesweiten Trend: 6,7 Prozent waren es am Ende. Spitzenkandidat Alexander Müller kam ebenfalls auf 6,7 Prozent der Erststimmen, Renate Will hatte 2013 4,7 Prozent geholt.

Auszählung Ebersberg

Entsprechend viel hatten die Wahlhelfer zu tun, erst gegen 20.30 Uhr veröffentlichte das Landratsamt erste Ergebnisse aus den Gemeinden.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Regional sind starke Unterschiede zu verzeichnen. Wie bei der Bundestagswahl scheint die CSU in ihren ländlichen Hochburgen zu verlieren. Etwa in Frauenneuharting, wo die CSU vor fünf Jahren ihr bestes Ergebnis mit 65,6 Prozent der Zweitstimmen erzielte. Auch heuer bleibt die CSU dort mit 49,6 deutlich über dem Landkreisschnitt - gleichzeitig wird die Konkurrenz stärker, und zwar von allen Seiten: Die Grünen können ihr Ergebnis von 2013 beinahe vervierfachen und kommen in Frauenneuharting auf 13,6 Prozent, die Freien Wähler verdoppeln sich auf 11,5 Prozent und die AfD kommt bei ihrer ersten Landtagswahl aus dem Stand auf 7,2 Prozent.

Die SPD wird in der einstigen Sozialdemokraten-Hochburg Poing abgewatscht

Doch während es auf dem Land immerhin noch für überdurchschnittliche Mehrheiten für die CSU reicht, ist sie in den Städten nur noch eine Partei unter vielen: In Grafing - immerhin die Heimat des Direktkandidaten - gab es 34,9 Prozent der Zweit- und 37 Prozent der Erststimmen. In Ebersberg 35,5 Prozent der Zweit- und 33,5 Prozent der Erststimmen. Mit Abstand zweitstärkste Kraft, zumindest bei den Zweitstimmen, wurden in der Kreisstadt die Grünen mit 23,2 Prozent. Die SPD kam lediglich auf 10,9 Prozent, 26,3 waren es noch vor fünf Jahren.

Ebersberg rauscher

Doris Rauscher am Sonntagabend nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

In Grafing wird die SPD mit 8,2 Prozent einstellig 24,2 Prozent waren es vor fünf Jahren. Dafür kommen die Grünen auf 27,1 Prozent, 15,5 Punkte mehr als 2013. In Poing, der bisherigen SPD-Hochburg, haben Grüne und Sozialdemokraten die Plätze getauscht: Die SPD stürzt von 27,9 auf 11,6 Prozent, die Grünen schnellen von 7,5 auf 23,6 Prozent der Zweitstimmen. Die CSU verliert in üblichem Maße und fällt von 44,7 auf 31 Prozent, die AfD erreicht aus dem Stand 8,3. In Grafing kommt sie auf 6,5, in Ebersberg sogar auf sieben Prozent.

Das Interesse an der Wahl war diesmal deutlich höher als bei vorangegangenen Urnengängen, die Beteiligung lag im Landkreis Ebersberg bei 77,5 Prozent. Vor fünf Jahren waren es noch 70,8 gewesen, 2008 und 2003 interessierten sich sogar nur 66,4 beziehungsweise 64,6 Prozent der Landkreisbürger dafür, wer ins Maximilianeum einziehen soll.

© SZ vom 15.10.2018/koei

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite