bedeckt München 16°

Energiewende in Zorneding:So weit die Kabel leiten

E.ON macht Solaranlagen fit fürs Laden von Elektroautos

Noch gibt es bei elektrobetriebenen Fahrzeugen viele Hürden. Etwa wie man das Auto mit eigenem Ökostrom laden kann, wenn dieses nicht in unmittelbarer Nähe zum Haus steht. Vor diesem Problem stehen nun einige Bürger in Zorneding.

(Foto: EON/E.ON Energie Deutschland GmbH/obs)

Anders als etwa Vaterstetten, verbietet es Zorneding Hausbesitzern, Stromtrassen über öffentlichen Grund zu legen. Fahrer von Elektroautos, deren Stellplatz zu weit von der heimischen PV-Anlage entfernt ist, müssen somit das normale Netz anzapfen.

Von Andreas Junkmann, Zorneding

Wer eine Photovoltaikanlage auf dem Hausdach installiert und ein Elektroauto in seiner Gargare stehen hat, der macht in Sachen Klimaschutz schon viel richtig. Blöd nur, wenn der heimische Parkplatz so weit vom Gebäude entfernt ist, dass der selbst produzierte Ökostrom über öffentlichen Grund fließen müsste, um den Akku des E-Mobils zu erreichen. Dieses Problem ließe sich zwar durch eine zusätzliche Leitung lösen, eine solche aber will zumindest die Gemeinde Zorneding nicht in ihrem ortseigenen Erdreich verlegt haben. Das hat der Bauausschuss in seiner jüngsten Sitzung beschlossen. E-Autobesitzern, die sich in eben dieser Bredouille befinden, bleibt somit nichts anderes übrig, als den normalen Strom aus dem öffentlichen Netz abzuzapfen.

Dass das irgendwie unsinnig erscheint, weil doch die PV-Anlage auf dem Dach ohnehin Energie liefert, hat man sich bei den Gemeinderatsfraktionen von SPD und Grüne offenbar auch gedacht. Jedenfalls haben die beiden Parteien einen gemeinsamen Antrag gestellt, mit dem die Rathausverwaltung beauftragt werden soll, einen "Gestattungsvertrag für die Genehmigung der Verlegung privater Stromkabel auf öffentlichen Wegen im Gemeindegebiet auszuarbeiten". Das Interesse an so einer "praktikablen und preiswerten Lösung" sei groß, heißt es in dem Schreiben der Fraktionen. Besonders aus dem Bereich Daxenberg habe es immer wieder entsprechende Anfragen von Bürgern gegeben, die gerne ihren selbst produzierten Strom für ihr E-Auto nutzen würden.

Ihnen das zu ermöglichen, dafür plädierte Bianka Poschenrieder (SPD) nun im Bauausschuss - auch vor dem Hintergrund, dass die Nachbargemeinde Vaterstetten bereits einen entsprechenden Beschluss gefasst hat. "Wenn die das hinbekommen, dann wir doch erst recht", sagte Poschenrieder, die an das selbst gesteckte Ziel des Landkreises erinnerte, bis zum Jahr 2030 energieautark zu sein.

Dieses dürfte zwar auch im Zornedinger Rathaus bekannt sein, dennoch befürchtet man dort einen unverhältnismäßig hohen Aufwand durch die neuen Stromtrassen - sowohl für die Hausbesitzer, als auch für die Verwaltung. Erstere müssten sich selbst um die Spartenauskunft kümmern, also prüfen, ob an der gewünschten Stelle bereits Leitungen verlaufen, heißt es in der Stellungnahme der Verwaltung. Auf die Gemeinde würden dagegen höhere Kosten beim Straßenunterhalt zukommen. Außerdem sollten die Trassen für den allgemeinen Netzausbau freigehalten und nicht durch private Leitungen blockiert werden, wie André Younes vom Bauamt sagte, der auch Auswirkungen auf eine mögliche Fernwärme-Erschließung am Daxenberg befürchtete: "Jede Leitung, die zusätzlich drinliegt, macht uns Schwierigkeiten."

Denn diese müssten auch regelmäßig abgenommen und kontrolliert werden, wie Bürgermeister Piet Mayr (CSU) ergänzte. "Das ist eine große Belastung für die Gemeinde." Das allerdings zweifelte Helmut Obermaier (Grüne) an, der sagte, dass davon eh nur recht wenige Hausbesitzer betroffen seien. In Vaterstetten jedenfalls sei der Beschluss ohne Gegenstimme abgesegnet worden. "Dort sieht man die Problematik anscheinend nicht", so Obermaier.

Eine solche erkannte Peter Pernsteiner (FDP) auch noch an anderer Stelle, nämlich bis zu welcher Länge man solche privaten Kabel genehmigen solle. "Ich habe Bedenken, dass das koordiniert ablaufen kann", so Pernsteiner. Keine Kritik, dafür einen Lösungsvorschlag hatte schließlich Martin Lenz (Freie Wähler) parat: Er fragte, ob es nicht möglich sei, die PV-Einspeisung mit dem Strom aus dem normalen Netz zu verrechnen. Dadurch könne man sich zusätzliche Leitungen sparen und Besitzer von PV-Anlagen würden trotzdem profitieren. Ob das ginge, konnte in der Sitzung nicht abschließend geklärt werden. Wohl aber, dass die Gemeinde keine privaten Leitungen auf ihrem Grund haben will. Der Antrag von Grünen und SPD wurde mit drei zu sechs Stimmen abgelehnt.

© SZ vom 26.03.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema