Welt-Aids-Tag:Händeschütteln ist kein Risiko

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Welt-Aids-Tag: Seit 1991 ist die rote Schleife weltweit ein Symbol der Solidarität mit HIV-Infizierten und Aids-Kranken.

Seit 1991 ist die rote Schleife weltweit ein Symbol der Solidarität mit HIV-Infizierten und Aids-Kranken.

(Foto: Oliver Berg/dpa-tmn)

Zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember organisiert das Ebersberger Gesundheitsamt eine Veranstaltung für achte Klassen - seit Corona haben viele Jugendliche falsche Vorstellungen von HIV-Übertragungswegen. Für Erwachsene gibt es die Aids-Beratung mit kostenlosen und anonymen Tests im Gesundheitsamt.

Von Johanna Feckl, Ebersberg

Zum 34. Mal wird an diesem 1. Dezember weltweit der Welt-Aids-Tag begangen. Durch verschiedene Aktionen on- und offline wird auf das diesjährige Motto "Equalize - Ungleichheiten beenden" und die Situation von Aids-Kranken oder HIV-Infizierten aufmerksam gemacht. Auch das Ebersberger Gesundheitsamt widmet sich am Donnerstag der Infektionskrankheit und bietet für Schülerinnen und Schüler der achten Klassen aus dem Landkreis eine Infoveranstaltung mit verschiedenen Mitmachstationen an. Doch Aids und HIV sind nicht nur an diesem Tag ein Thema in Ebersberg.

So besuchen die drei Mitarbeiterinnen der Schwangerenberatung vom Landratsamt seit 15 Jahren regelmäßig Schulklassen und Jugendgruppen, um über das Virus und die Erkrankung aufzuklären - alles auf Anfrage. Gerade seit Corona scheint die Notwendigkeit daran erhöht. Denn Petra Ruch, eine der Pädagoginnen aus dem Team, erzählt, dass viele Jugendliche Händeschütteln, aus demselben Glas Trinken oder Anhusten mit einem hohen Risiko einschätzen, um sich dadurch mit HIV zu infizieren.

Die Jugendlichen schließen von Corona-Übertragungswege auf HIV

"Zwei Jahre wurde den Kindern eingetrichtert, sie sollen das nicht machen, um kein Corona zu bekommen", sagt Ruch. Die Schlussfolgerung vieler Jugendlicher: Covid und Aids sind beides Infektionskrankheiten, also gelten bei beiden auch die gleichen Übertragungswege. Ein Trugschluss: Händeschütteln und Co. stellen kein Risiko für eine HIV-Infektion dar. Das Präventionsteam achtet seitdem sehr darauf, einerseits von Corona-Positiven und andererseits von HIV-Infizierten - und nicht von HIV-Positiven - zu sprechen, um durch die sprachliche Differenzierung die zwei sehr unterschiedlichen Infektionen zu betonen, wie Ruch sagt.

Neben der HIV- und Aids-Präventionsangebote für Jugendliche gibt es die Aids-Beratung des Gesundheitsamts. Dort können sich Ratsuchende hinwenden und einen kostenlosen HIV-Test machen - alles anonym. Übrigens gibt es seit Oktober 2018 in Apotheken oder online auch HIV-Selbsttests zu kaufen. Wichtig ist immer, dass die mögliche Ansteckung mindestens sechs Wochen zurückliegt, damit die Aussagekraft des Testergebnisses so hoch wie möglich ist.

Für die Tests im Gesundheitsamt werden nur Geschlecht, Geburtsmonat und -jahr, die ersten drei Ziffern der Postleitzahl sowie Herkunftsland und das Land des Wohnsitzes erfasst, wie Helia Gebhardt mitteilt, Amtsärztin im Gesundheitsamt, für die Beratungen und Tests ist primär sie zuständig. Die Daten sind notwendig, um die Ergebnisse zuordnen zu können.

Die meisten Ratsuchenden beim Gesundheitsamt wollen auf Nummer Sicher gehen

In diesem Jahr wurden im Gesundheitsamt bislang 33 Tests durchgeführt. Wie viele davon positiv ausgefallen sind, möchte das Gesundheitsamt nicht mitteilen - Gebhardt spricht generell von "Einzelfällen". Meistens nähmen Menschen die Testmöglichkeit in Anspruch, um in einer neuen Partnerschaft auf Nummer Sicher zu gehen, bevor sie die Verhütung mit Kondom einstellen. Frauen kämen ebenso wie Männer, von 18 bis 60 Jahre sei jedes Alter vertreten.

Wie viele HIV-Infizierte es im Landkreis gibt, kann auch das Robert-Koch-Institut (RKI)aufgrund der anonymisierten Daten nicht erfassen, wie die Pressestelle mitteilt. Die Zahl der Neu-Infektionen für 2021 in Bayern schätzt das Institut auf gut 200 Fälle, deutschlandweit spricht das RKI von 1800 Neu-Infektionen. Damit liegt die Zahl so niedrig wie zuletzt vor zwei Jahrzehnten - wobei das RKI ausdrücklich darauf hinweist, dass möglicherweise durch die Corona-Pandemie Testmöglichkeiten weniger wahrgenommen würden und dadurch die tatsächliche Zahl der Neu-Infektionen höher liegen könnte. Insgesamt lebten Ende 2021 um die 90 800 mit HIV-Infizierte in Deutschland.

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