Vogelzählung im Landkreis Ausgeflogen

Im Gegensatz zu ihren Artgenossen sind Stare noch recht häufig in den Ebersberger Gärten anzutreffen.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Die Zahl der Vögel geht auch im Ebersberger Raum immer weiter zurück. Mit ein Grund dafür ist die Gartengestaltung

Von Stella Vogl, Ebersberg

Finden Mehlschwalben noch genügend Platz zum Nisten? Und wie gerne macht es sich die Amsel auf den Ebersberger Balkonen bequem? Antworten auf Fragen wie diese hat sich der Landesbund für Vogelschutz bei seiner "Stunde der Gartenvögel" nun erhofft. Doch das Ergebnis fällt ernüchternd aus: Mauersegler scheinen zu einer Rarität geworden zu sein, gerade einmal 33 von ihnen wurden gezählt. Auch Rauchschwalben sind nur noch selten Gäste in Ebersberger Gärten. Amseln, Kohlmeisen oder Mehlschwalben hingegen kommen immer noch recht häufig vor.

Die Stunde der Gartenvögel dient dazu, Vogelbestände im Landkreis zu erfassen um Vergleiche ziehen zu können. Es gehe darum, "Tendenzen festzustellen" und einen Eindruck davon zu gewinnen, "wie sich die Bestände verändern und welche man schützen muss", sagt Richard Straub, Vorsitzender des Landesbundes für Vogelschutz im Landkreis. 162 Teilnehmer aus dem Landkreis haben diesmal im Zeitraum vom 10. bis 19. Mai eine Stunde lang Vögel in ihren Gärten gezählt. 2862 Vögel wurden dabei laut Straub insgesamt registriert.

Er würde sich durchaus noch mehr Freiwillige wünschen, die bei den Zählungen mitmachen. Auch Teilnehmer, die "vielleicht ornithologisch nicht so begeistert sind", seien willkommen, sagt er. "Es wäre wichtig wenn Eltern das mit Kindern machen, damit Kinder da herangeführt werden."

Mit Blick in die 121 erfassten Gärten von Ebersberg fällt die Bilanz eher mau aus. Am häufigsten vertreten sind noch Amsel, Spatz, Kohlmeise und Star. Auch Blaumeisen und Buchfinken wurden noch recht häufig gesehen. Doch generell geht die Zahl der Vögel in den Gärten zurück. Eine der Ursachen ist nach Überzeugung Straubs die Gartengestaltung: "Die Sterilität unserer Gärten ist ein ganz großes Problem." Denn wo früher Wacholder, Holunder und heimische Gräser wuchsen, gedeihen heute neben Steinwiesen vielmehr exotische Pflanzen wie der Bambus. "Dabei geht sehr viel von der Nahrungsgrundlage verloren", beklagt Straub. Er wünscht sich eine Bewusstseinsänderung und mehr Einsatz dafür, Grünflächen natürlicher zu bepflanzen und dadurch Insekten und Vögeln ein Refugium und Nahrung zu bieten. Denn der Bestand der Insekten sorge gewissermaßen auch für den Arterhalt der Vögel: "Wenn es den Insekten gut geht, geht es auch den Vögeln besser", sagt Straub.

Vor allem diejenigen Arten, die zu den "reinen Insektenfressern" zählen, seien inzwischen bedroht. Dazu gehöre beispielsweise der eigentlich "absolut ortstreue" Mauersegler, der nur in knapp zehn Prozent der Gärten gesichtet wurde. Im Vergleich dazu beläuft sich die Anzahl der Amseln auf 356 und die Verbreitung in den Gärten auf gut 94 Prozent.

Noch etwas kritischer als beim Mauersegler sieht es bei den Rauchschwalben aus. Nur 13 von ihnen wurden gesichtet, nur in knapp drei Prozent der Gärten wurde einer dieser Vögel erfasst. Allerdings bauen die Vögel mit dem rostbraunen Kehlfleck und dem Gabelschwanz ihre Nester auch am liebsten in "alten muffigen Kuhställen", wie Straub erläutert. In diesem Fall hat mehr Hygiene in Ställen einen nachteiligen Effekt: Das Nistmaterial zum Bauen der Nester fehlt dann ebenso wie die bevorzugten Luftverhältnisse.

Vor dem Hintergrund, dass sich die Lebensverhältnisse für Vögel drastisch verändert haben, wünscht sich Straub mehr "heimische Obstbäume, Gräser und Blühpflanzen", die helfen, dem Artenschwund vorzubeugen. Da gehört es auch dazu, die Hecke bestenfalls schon im Herbst zurechtzuschneiden, da sie im Frühling und Sommer als geschützte Brutstätte dient und dank ihrer Dichte vor Fressfeinden schützt. So könne man durch "Umdenken und andere Modetrends" im Garten dazu beitragen, dass der Landkreis im nächsten Jahr nicht nur bei Spatzen und Dohlen beliebt ist, sondern auch wieder für Mauersegler und Elstern attraktiv wird.