Verkehr in Vaterstetten:Zustimmung trotz Zweifeln

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Verkehr in Vaterstetten: Der Weg südlich der Bahnstrecke, hier beim Baldhamer Bahnhof, soll für schnelles Radeln ausgebaut werden - das gefällt nicht allen.

Der Weg südlich der Bahnstrecke, hier beim Baldhamer Bahnhof, soll für schnelles Radeln ausgebaut werden - das gefällt nicht allen.

(Foto: Christian Endt)

Den geplanten "schnellen Radweg" an der Bahn sehen die meisten Vaterstettener Gemeinderatsmitglieder kritisch - die Planungen werden trotzdem fortgesetzt, weil es eventuell Fördergeld gibt.

Von Wieland Bögel, Vaterstetten

Die Großgemeinde setzt die Bemühungen um einen Radweg entlang der Bahn fort - trotz erheblicher Zweifel aus den Reihen der Politik. Am Dienstag beschloss der zuständige Ausschuss des Gemeinderates, die Planungsleistungen für den rund drei Kilometer langen Abschnitt zu vergeben, Kostenpunkt 170 000 Euro. Die Baukosten dürften sich auf ein Vielfaches belaufen, einer Schätzung aus diesem Frühjahr zufolge, ist mit etwa 3,5 Millionen Euro zu rechnen.

Die Ertüchtigung des Weges südlich der Bahnstrecke ist Teil eines gemeinde- und landkreisübergreifenden Vorhabens namens "schneller Radweg". Die Idee dahinter ist, nachdem der Bau der Schnellradwege zwischen München und dem Umland nicht so richtig voran kommt, vorhandene Wege zwischen Landeshauptstadt und Landkreisen auszubauen. Aufgebracht hatten den Vorschlag im vergangenen Jahr mehrere Ortsverbände der Grünen im Münchner Osten. Wie zuvor schon die Nachbarn in Haar hatte auch Vaterstetten daraufhin untersuchen lassen, ob und wie sich der ungeteerte Bahn-Wirtschaftsweg zu einem Radweg ertüchtigen lassen kann.

Für Ausbau und Planung locken üppige Fördergelder von bis zu 80 Prozent der Kosten

Dass es funktionieren könnte, ergab dann die im Mai vorgestellte Machbarkeitsstudie des Büros Wipfler Plan. Dass es aufwendig und teuer wird auch. Denn der jetzige Kiesweg müsste dazu nicht nur asphaltiert, sondern auch verbreitert werden, eine Beleuchtung soll es ebenfalls geben und über die Möschenfelder Straße soll eine Brücke gebaut werden - alleine diese macht laut den Planern schon gut ein Drittel der Gesamtkosten aus. Diese seien aber nur zu 20 Prozent von der Gemeinde selbst zu tragen, der größte Teil soll aus einem Förderprogramm des Freistaates kommen.

Schon damals gab es im Gremium einige Vorbehalte und Zweifel an dem Projekt. Seitens der SPD gab es etwa die Sorge, dass der Weg nach dem Ausbau nicht mehr von Fußgängern genutzt werden könnte. Außerdem wurde bemängelt, dass der neue, verbesserte Radweg für die Radler in der Gemeinde wenig Nutzen brächte, da dieser zu wenige Verbindungen in die Wohngebiete habe. Für Pendler von und nach München halte man ohnehin einen Ausbau der Radwege an der B 304 für sinnvoller.

Diese Kritik wiederholte nun auch SPD-Fraktionschef Josef Mittermeier, man halte die B 304 als Pendlerstrecke für deutlich besser geeignet. Außerdem regte er an, zu prüfen, ob man den Weg an der Bahn unbedingt teeren müsste. David Göhler (Grüne) favorisierte dagegen ausdrücklich den Ausbau des Bahnweges. Dieser sei "da, wo die Leute wohnen", im Gegensatz zur Bundesstraße am Ortsrand.

Der Weg soll auch nach dem Ausbau weiterhin für Fußgänger benutzbar sein

Mehrere Redner mahnten noch einmal Rücksicht auf die Fußgänger an. Er sei selbst öfter auf dem Weg unterwegs, sagte Günter Lenz (SPD)"da ist immer was los". Ähnlich äußerte sich Albert Wirth (CSU): "Der Weg wird stark frequentiert, es ist wichtig, dass man die Fußgänger nicht vergisst." Auch bei Spaziergängern mit Hund sei der Weg sehr beliebt. Nach seinem Eindruck, so Klaus Willenberg (FDP), werde der Weg derzeit überhaupt eher von Fußgängern als von Radlern genutzt.

Trotz der Bedenken werde seine Fraktion aber für die Vergabe der Planungen stimmen, so Mittermeier, dafür plädierte auch Bürgermeister Leonhard Spitzauer (CSU). Man werde sich mit den Planern, wenn diese feststehen, noch einmal besprechen, wie sich die Gemeinde den Ausbau des Weges konkret vorstelle.

Ob dieser Ausbau überhaupt möglich ist, liegt letztlich an der Deutschen Bahn, welcher der Weg gehört. Auf Nachfrage von Göhler, ob es hier bereits Gespräche zwischen Bahn und Gemeinde gegeben hatte, erklärte Bauamtsleiterin Brigitte Littke, dies könne man erst tun, wenn es eine fertige Planung für den Weg gebe - auch darum sei diese wichtig. Aber auch wegen der Fördermittel: "Es wäre schade, wenn wir den Topf vorbeigehen lassen", so die Bauamtsleiterin. Der Meinung waren letztlich die meisten Mitglieder des Ausschusses und stimmten der Vergabe zu.

Mit einer Ausnahme: Klare Ablehnung und letztlich die einzige Gegenstimme kam vom Dritten Bürgermeister Roland Meier (FW). Man habe das Thema in der Fraktion ausgiebig diskutiert und sich dagegen entschieden, weil es zulasten wichtigerer Radweg-Projekte gehe.

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