Kultur in Vaterstetten:Klatschen statt Platschen

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Kultur in Vaterstetten: Bereits im vergangenen Jahr war das Vaterstettener Hallenbad Konzertsaal, das soll nun öfter der Fall sein.

Bereits im vergangenen Jahr war das Vaterstettener Hallenbad Konzertsaal, das soll nun öfter der Fall sein.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Das ehemalige Schulschwimmbad in der Gluckstraße soll zum Veranstaltungsort werden. Einige wichtige Details sind allerdings noch ungeklärt.

Von Wieland Bögel, Vaterstetten

Die Großgemeinde Vaterstetten könnte endlich einen Veranstaltungssaal bekommen - und das nahezu umsonst. Der Finanzausschuss des Gemeinderats beschloss nun einstimmig einen Antrag der CSU, wonach das stillgelegte Schulschwimmbad in der Gluckstraße entsprechend umgenutzt werden soll. Welche Veranstaltungen dort künftig stattfinden könnten, steht aber noch nicht fest, auch gibt es noch einige offene Fragen zur Nutzbarkeit.

Warum man die Kultur ins Hallenbad schicken will, erläuterte Florian Pöhlmann (CSU): "Der Ruf nach einem Bürgersaal ist in Vaterstetten groß." Das ist keine Übertreibung, vor allem gibt es diese Forderung schon lange: Seit mehr als 20 Jahren bemüht sich die Gemeinde um einen Veranstaltungsort, allerdings bislang erfolglos. Dass das ehemalige Schulschwimmbad nun einen solchen Saal ersetzen könne, sei gar nicht die Absicht des Antrags, so Pöhlmann weiter, aber für bestimmte Veranstaltungen könne man es nutzen: Mit überschaubarem Aufwand lasse sich hier eine Kulturstätte für etwa 180 Besucher schaffen.

Rund 10 000 Euro soll der Umbau kosten

Allerdings nur für begrenzte Zeit: Das ehemalige Schulgelände soll in einigen Jahren ein Wohngebiet werden, dann müsste auch das Schwimmbad abgerissen werden. "Natürlich ist es ein Provisorium," sagte Pöhlmann, "wenn das Gebäude nicht mehr verfügbar ist, fällt es eben weg". Trotzdem sollte man den Versuch wagen, schon alleine wegen der sehr geringen Kosten. Laut eigener Kalkulation der Antragsteller bräuchte es dazu nur ein Geländer um das Becken als Absturzsicherung, was etwa 8000 Euro koste. Weitere rund 2500 Euro seien für die Ertüchtigung der bereits vorhandenen Toiletten nötig, außerdem müsste man noch ein paar Schilder für Fluchtwege aufhängen.

Wobei das mit den Fluchtwegen durchaus noch etwas mehr Aufwand mit sich bringen könnte, gab Bauhofleiter Gerd Jansen zu bedenken. So seien gegenwärtig nach den Brandschutzauflagen nur 20 Personen gleichzeitig in dem leeren Schwimmbecken zulässig, da dieses nur über eine schmale Leiter zu betreten und verlassen ist. Das Publikum müsste also oben am Beckenrand sitzen, für eine größere Bestuhlung unten fehlten die vorgeschriebenen Fluchtwege. Laut Bürgermeister Leonhard Spitzauer (CSU) werde man diese Frage prüfen und einen Fluchtwegeplan erstellen, dann entscheide sich, wie viele Besucher zugelassen werden könnten.

Kultur in Vaterstetten: Im Mai vorigen Jahres spielten Ingrid Westermeier und Sunny Howard (von links) im alten Vaterstettener Hallenbad.

Im Mai vorigen Jahres spielten Ingrid Westermeier und Sunny Howard (von links) im alten Vaterstettener Hallenbad.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Dass das alte Hallenbad grundsätzlich für kulturelle Veranstaltungen geeignet ist, bewies es vor knapp eineinhalb Jahren. Damals gab es in der Gemeinde eine Reihe von Streaming-Konzerten, um trotz Corona-Auflagen Kultur zu ermöglichen. Die Premiere der Online-Konzertreihe fand im Hallenbad statt, zu hören waren Geigerin Sunny Howard und Gitarristin Ingrid Westermeier. Auch wenn die Veranstaltung nicht vor Publikum stattfand, fielen die Kritiken sehr gut aus.

Ingrid Westermeier erinnert sich noch gut an den ungewöhnlichen Aufführungsort. Zu Anfang sei sie etwas skeptisch gewesen, was die Akustik angeht, sagt Westermeier, "aber dank der guten Tontechnik war es wunderbar". Wegen der Fliesen im Becken und an den Wänden sei der Ton zwar etwas härter, als man es gewohnt sei, erläutert die Gitarristin, dies lasse sich aber durch die Technik ausgleichen, und die Atmosphäre in der Schwimmhalle sei durchaus etwas Besonderes. Nur eine Einschränkung hat die Musikerin: "Im Winter würde ich es nicht machen", bei dem Konzert im vorvergangenen Mai sei es in dem großen Raum doch einigermaßen kühl gewesen.

Denkbar sind Konzerte, aber auch Ausstellungen könnten in der Schwimmhalle stattfinden

Dies sei auch gar nicht geplant, so Spitzauer nun in der Sitzung. Auf Nachfrage von Cordula Koch (SPD) erklärte er, dass das Veranstaltungs-Bad nicht geheizt und daher eher in den Sommermonaten genutzt werden solle. Und das auch nur selten, sagte der Rathauschef, wohl mit Blick auf die Anwohner: "Da soll jetzt nicht jeden Tag oder auch nur jede Woche Remmidemmi sein." Er rechne damit, dass vielleicht einmal im Vierteljahr eine Veranstaltung im alten Schwimmbad stattfinden werde.

Welche Veranstaltungen denn dort überhaupt stattfinden sollen, wollte Wolfgang Schermann (SPD-Fraktion) wissen. Einen konkreten Plan gebe es dazu noch nicht, so Pöhlmann, er könne sich in der Schwimmhalle aber vieles vorstellen: Neben Konzerten und anderen Aufführungen könnten dort auch beispielsweise Ausstellungen stattfinden. Ohnehin, ergänzte sein Fraktionskollege Josef Schmid, sei das Veranstaltungsbad nicht als Ersatz für Irgendetwas gedacht, sondern lediglich als Ergänzung. Josef Mittermeier (SPD) regte noch an, ähnlich wie bei der Langen Nacht der Musik in Poing auch in Vaterstetten nach Orten zu suchen, an denen einmal im Jahr Konzerte möglich sind.

"Wenn es mit den bescheidenen Mitteln möglich ist, finde ich es eine gute Idee", fasste Klaus Willenberg (FDP) zusammen. Schließlich sei es doch gut, wenn man für eine Veranstaltung nicht immer nach Haar oder Grasbrunn fahren müsse. Das sahen die übrigen Ausschussmitglieder genauso, ohne Gegenstimmen wurde der Umbau des alten Hallenbades beschlossen - allerdings mit einer Einschränkung, wie der Bürgermeister erläuterte: "Wenn es jetzt aber wesentlich teurer wird, müssen wir es uns noch einmal überlegen."

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