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Schulen im Landkreis Ebersberg:Labor im Klassenzimmer

Coronavirus - Selbsttests an Schule

An den Schulen gibt es künftig ein neues Morgenritual: Regelmäßig müssen sich die Kinder und Jugendlichen selbst auf Corona testen.

(Foto: Sebastian Gollnow/dpa)

Von diesem Montag an müssen Kinder und Jugendliche regelmäßig einen Coronatest machen. Das ist für die Pädagogen eine Herausforderung, manche Eltern üben Kritik am Prozedere.

Von Barbara Mooser, Ebersberg

Drei Papiertaschentücher, ein Teströhrchen und eine Wäscheklammer - das ist im Max-Mannheimer-Gymnasium Grafing die Grundausstattung für das künftige Morgenritual. Bevor es nämlich um Geografie oder Gedichtinterpretation geht, steht regelmäßig erst einmal ein Test an: Es geht um Coronaviren und die Frage, ob einer der Anwesende welche in sich trägt. Die Klassenzimmer im Landkreis werden also kurzzeitig zu Laboren - das beunruhigt so manche Eltern. Bettina Sudar, deren zwei Kinder das Gymnasium in Grafing besuchen, befürwortet Tests zwar ausdrücklich, aber nicht im Klassenzimmer. Denn beim Abstrich werde die Nase häufig gereizt, so dass der oder die Betreffende niesen müsse: "Was passiert wohl, wenn in einem Klassenzimmer ein infiziertes Kind so niesen muss? Und wie ist sichergestellt, dass das Testmaterial nicht zum Infektionsrisiko wird?", schreibt sie in einem Brief an Landrat Robert Niedergesäß (CSU) und andere Politiker aus dem Landkreis. Ihre Forderung: die Einrichtung von Schnellteststationen speziell für Schüler.

Auch andere Eltern kritisieren die Tests in der Schule: Eine Petition von Diana Mihic, Elternbeiratsvorsitzende der Grundschule an der Karl-Sittler-Straße in Poing an den Kultusminister hat, Stand Sonntagnachmittag, bereits mehr als 25 000 Unterstützer gefunden. Sie fordert, dass die Eltern die Tests bei ihren Kindern daheim ausführen dürfen - nicht nur aus hygienischen Gründen, sondern auch aus Sorge vor Ausgrenzung im Falle eines positiven Ergebnisses.

Letzteres war bei der Vorbereitung der Tests auch die größte Sorge von Nicole Storz, der Schulleiterin des Max-Mannheimer-Gymnasiums, wie sie am Freitag vor dem Ferienende erzählt. Man habe sich genau überlegt, wie man ein positiv getestetes Kind auffangen könne. "Wir werden mit den Kindern besprechen, wie man den Mitschüler unterstützen kann, wie man ihm die Hausaufgaben zukommen lassen könnte, wie wir helfen könnten, dass es ihm gut geht", erläutert Storz. Auch darüber, dass ein Schnelltest auch einmal ein falsch positives Ergebnis zeigen könnte, würden die Kinder und Jugendlichen informiert. Eine "gewisse Nervosität" sei trotz dieses Konzepts immer noch vorhanden, räumt Storz ein. Insgesamt wäre es ihr auch lieber, wenn die Tests daheim stattfinden könnten - freilich könne man dann eben leider nicht sicher sein, dass tatsächlich getestet werde. Allerdings stehen den Eltern, die ihre Kindern nicht im Klassenzimmer testen lassen wollen, auch noch Alternativen offen: Die Kinder dürfen auch dann am Unterricht teilnehmen, wenn sie einen PCR-Test vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden ist, oder wenn sie beispielsweise beim Arzt, einer Apotheke oder einer anderen anerkannten Teststelle einen Schnelltest machen lassen.

Vor den Schulen Schnellteststationen einzurichten, wie es Bettina Sudar in ihrem Brief an die Kreis-Politiker fordert, hält Brigitte Keller, Chefin des Corona-Krisenstabs im Landratsamt, für nicht realisierbar. "Wir können das gar nicht leisten, wir haben nicht das Personal dazu", sagt sie. Es gehe ja schließlich nicht nur um eine Schule, wenn, dann müsste an jeder Schule im Landkreis so ein Testzentrum eingerichtet werden. Doch es gebe ja Alternativen, es entstünden ständig neue Teststationen im Landkreis. "Jede Woche wird das Netz dichter", erläutert sie. Anders als zunächst geplant werde der Landkreis daher nicht an vier Orten im Landkreis selbst Schnelltestzentren aufbauen, es habe sich gezeigt, dass der Markt hier selbst tätig werde. In Parsdorf am Segmüller etwa werde eine Schnellteststation mit einer Kapazität von 3000 Tests am Tag eingerichtet, in Zorneding komme demnächst eine neue Einrichtung für bis zu 1000 Tests am Tag dazu. Gemeinsam mit Vertretern der Gemeinden werde der Landkreis nächste Woche prüfen, wo es eventuell noch Lücken gebe und wie diese geschlossen werden könnten.

Was die Schulen betrifft, rät Keller, zunächst einmal die Erfahrungen der ersten Woche abzuwarten und daraus gegebenenfalls Konsequenzen zu ziehen: "Man muss jetzt erst einmal beobachten, wie es klappt." Ein Großteil der Eltern scheint sich ohnehin mit dem neuen Prozedere einigermaßen abgefunden zu haben: Nicole Storz berichtet nur von einer weiteren Rückmeldung von Eltern, in der die Selbsttests kritisiert werden. Im Landratsamt gingen immer wieder mal kritische Mails unterschiedlichen Inhalts von Eltern ein, sagt Brigitte Keller: "Man kann nichts mehr richtig machen, mal wird uns vorgeworfen, dass die Regeln zu streng sind, mal, dass sie zu locker sind."

Schulleiterin Nicole Storz plagen hingegen noch ganz andere Sorgen: In dieser Woche hat sie noch Schnelltests von Roche, in denen die Testflüssigkeit bereits in den Röhrchen vorhanden ist. Später soll es Tests geben, bei denen die Flüssigkeit erst in die Röhrchen getröpfelt werden muss - Pädagogen werden also erst einmal zu Laborassistenten, bevor sie ihren eigentlichen Job machen dürfen.

© SZ vom 12.04.2021
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