Projekt in PoingUnterwegs im „Bus mit Füßen“

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Dank der Lotsen kann die Gruppe sicher die Straße überqueren.
Dank der Lotsen kann die Gruppe sicher die Straße überqueren. Christian Endt

Seit drei Jahren gibt es in Poing das Projekt, bei dem Eltern ihre Kinder in festen Gruppen zur Schule bringen. So lernen sie auf sichere Art den Schulweg kennen und können ihn nach und nach auch selbständig bewältigen.

Von Nora Schulte, Poing

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Pünktlich um halb acht steht an der Fischersiedlung in Poing eine kleine Gruppe bereit. Drei Erstklässler haben sich hier mit ihren Eltern, zwei auch mit ihren jüngeren Geschwistern im Kinderwagen, versammelt. Mit dabei sind heute außerdem Bürgermeister Thomas Stark und Kerstin Bandow aus der Poinger Gemeindeverwaltung. Ausgestattet mit ihren Schulranzen und eingepackt in Jacken und Mützen treten die Kinder mit ihrer Begleitung den Schulweg an.

Der führt zunächst an die Neufarner Straße, an der bereits ehrenamtliche Lotsen stehen. Sie tragen gelbe Warnwesten und geleiten die Kinder sicher über die Straße. Insgesamt dauert der kurze Fußweg maximal zehn Minuten. Den Weg kennt auch der fünfjährige Titus genau, der zielsicher vorausläuft und die Gruppe durch eine schmale Seitenstraße führt. Dann muss noch zweimal abgebogen werden und schon steht die Gruppe vor dem modernen Gebäude der Grundschule an der Karl-Sittler-Straße. Hier herrscht bereits reges Treiben, Eltern werden verabschiedet und die jungen Schüler laufen durch den Haupteingang in das Schulhaus.

So beginnt in Poing für einen Teil der Grundschüler jeder Morgen, seit es das Projekt „Bus mit Füßen“ gibt. Vor drei Jahren hat die stellvertretende Elternbeiratsvorsitzende Caroline Ottomeyer das Projekt in Kooperation mit dem Verein „Green City“ initiiert, dessen Mitglieder München und das Umland lebenswerter und zukunftsfähiger gestalten möchten. Die Mütter und Väter werden zu Beginn jedes Schuljahres durch den Elternbeirat über die Aktion informiert. Nun treffen sich die Kinder aus der Nachbarschaft täglich und spazieren gemeinsam – zunächst begleitet von einem oder mehreren Erwachsenen – zu ihrer Grundschule. In den ersten Wochen wird jedes Kind noch von den Eltern begleitet, demnächst wollen sich die Erwachsenen aber auf den Schulwegen abwechseln und gegenseitig entlasten. Sobald die Grundschüler sich sicher im Straßenverkehr zurechtfinden, sollen sie dann alleine loslaufen, berichtet Ottomeyer. „Das dauert ungefähr ein halbes Jahr.“

Gemeinsam treten die Erstklässler jeden Morgen den Schulweg an

Jetzt noch, knapp drei Wochen nach Schulbeginn, sind es auf dem Weg vor allem die Erwachsenen, die viel miteinander im Gespräch sind. Die Kinder bleiben eher für sich oder in der Nähe der Eltern. Worüber Titus so mit seinen Mitschülern spricht? „Über gar nichts“, sagt er. „Das liegt sicherlich auch am Alter“, sagt Ottomeyer und lacht, „aktuell ist auf der Schule ja noch alles neu“. In den vergangenen Jahren sollen jedenfalls schon einige Familienfreundschaften geschlossen worden sein.

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„Für uns ist dieses Projekt sehr hilfreich“, berichtet auch Britta Roser. Sie ist mit ihrer Familie erst kürzlich in die Siedlung gezogen und konnte bereits einige Kontakte während des Schulwegs knüpfen. Gleich bringt sie gemeinsam mit einer anderen Mutter noch die jüngeren Geschwister zweier Erstklässler in die Krippe. „Die ist hier gleich um die Ecke“, erklärt sie. Besonders wenn es im Winter morgens noch dunkel und ein Teil der Strecke unbeleuchtet ist, wissen die Eltern ihre Grundschüler in der Gruppe sicherer aufgehoben. Nach dem Unterricht müssen die Kinder dann jedoch einzeln nach Hause finden, da viele zunächst in Nachmittagsbetreuungen untergebracht sind.

Der gemeinsame Schulweg ermöglicht einen aktiven Start in den Tag

Thomas Stark, Poings Bürgermeister, zeigt sich glücklich über das Projekt. Für ihn stehen drei zentrale Aspekte im Vordergrund. Die Kinder werden zur Selbstständigkeit ermutigt, sie lernen das richtige Verhalten im Straßenverkehr und vermeiden weiteren Bringverkehr durch die Eltern. „Man sieht es ja gerade“, bemerkt er und deutet auf die Straße vor der Grundschule, auf der sich einige Autotüren öffnen und Kinder aussteigen. Zudem ermöglicht der gemeinsame Schulweg einen aktiven Start in den Tag an der frischen Luft. „Vielen Dank an den Elternbeirat für die Organisation“, sagt Stark, „dieses Projekt möchte ich ungern aufgeben.“

Anzutreffen sind an diesem Tag neben dem Bürgermeister auch einige Mitglieder des Gemeinderats Poing, die gemeinsam mit einer weiteren Gruppe von der Wildparkstraße aus zur Schule gelaufen sind. Den gemeinsamen Spaziergang von Gemeinderäten, Eltern und Kindern haben Christina Landgraf (Bündnis 90/ Die Grünen) und Caroline Ottomeyer organisiert, um der Aktion etwas mehr Öffentlichkeit zu verschaffen und sie zu bewerben. In München sei das Projekt zumindest sehr nachgefragt, berichtet Ottomeyer. Dort seien die Schulwege jedoch auch meist herausfordernder. Die Kinder in Poing hingegen haben es zu ihren Klassenzimmern oft gar nicht so weit.

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