Der Grafinger CSU-Kandidat Thomas Huber wird erneut als Erststimmenkandidat für seine Partei in den Landtag einziehen. Soviel steht gegen 20 Uhr fest, als gut die Hälfte alles Wahlbezirke im Landkreis ausgezählt ist. Nervös aber ist der Kandidat, der mit seinen Anhängern im Grafinger Bräustüberl zusammengekommen ist, um den Wahlabend gemeinsam zu verbringen, noch immer. Er prophezeit, dass sich das erst geben werde, wenn das Endergebnis da ist - das nach Stand der Dinge dem Ergebnis bei der Wahl 2018 nicht unähnlich sein dürfte.
Bei seiner zweiten Direktkandidatur für den Landkreis Ebersberg war Huber 2018 nur auf 36,1 Prozent gekommen, nach 46,5 Prozent im Jahr 2013, in dem die CSU 49,5 Prozent der Stimmen geholt hatte.

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Anlass zu Nervosität hatte Huber also allemal, zumal ihm der Kandidat der Grünen, Thomas von Sarnowski, damals mit 21,1 Prozent für bayerische Verhältnisse unerwartet auf den Leib gerückt war. So ist Huber das mulmige Gefühl auch anzumerken, das er diesmal mitgebracht hat, als sich die ersten Vertreter der Landkreis-CSU gegen viertel vor sechs am Sonntagabend in einem Nebenraum des Gasthofs versammeln, der auf Anhieb zu klein für die zu erwartenden Gäste wirkt. Dafür ist der Fernsehbildschirm groß, und als pünktlich um 18 Uhr das Bayerische Fernsehen mit einer ersten Prognose aufwartet, drängt man sich um die Stehtische, sind neben der Bezirkstagskandidatin Walentina Dahms unter anderem auch Grafings Bürgermeister Christian Bauer und Ebersbergs Ex-Bürgermeister Walter Brilmayer zur Unterstützung an Hubers Seite getreten.
Als die AfD als zweitstärkste Kraft prognostiziert wird, werden die Mienen eisig
Die verhaltene Stimmung, die bei der Landkreis-CSU zu spüren ist, als die ersten Prognosen ihre Partei bei 37 Prozent sehen, wird sich im Verlauf des Abends kaum ändern. Vorne liegt man zwar in allen Vorhersagen, aber gemessen an den Hochzeiten der Christsozialen in früheren Jahrzehnten hat der ein oder andere dann doch mehr erwartet. Als gar die AfD als zweitstärkste Kraft prognostiziert wird, werden die Mienen eisig im Raum. "Ich war entsetzt, als ich das gesehen habe", wird Thomas Huber knapp zwei Stunden später sagen - und dabei mit Erleichterung auf den eigenen Landkreis blicken, wo die AfD zu diesem Zeitpunkt an fünfter Stelle steht, noch hinter der SPD und den Freien Wählern. Nur die FDP landet noch ein bisschen weiter hinten, schon bei der ersten Prognose um 18 Uhr wird relativ klar, dass sie nicht erneut in den Landtag einzieht, was in Grafing zumindest für kurze Freudenbekundungen sorgt.
Dann passiert eine Weile gar nichts, bei Brezn, Bier und Gulasch mit Knödeln wartet alles gespannt, bis Thomas Huber junior seinem Vater ein Handy unter die Nase hält. Die ersten Landkreisergebnisse trudeln ein und lassen den Abstand zwischen Grün und Schwarz zunächst kleiner erscheinen, als er am Ende ist, und Thomas Huber sicher sein kann, dass er seinem Hauptkontrahenten von den Grünen, auch diesmal Thomas von Sarnowski, ein weiteres Mal enteilt ist. Etwa 20 Prozent Wählerstimmenanteil liegen zu diesem Zeitpunkt zwischen den beiden, und Huber fühlt sich sicher genug für ein erstes Resümee.
Kritische Anmerkungen habe er vor allem zur Berliner Migrationspolitik erlebt, sagt Thomas Huber
So wie es aktuell aussehe, scheinen die Wähler im Landkreis mit seiner Arbeit in den vergangenen beiden Wahlperioden zufrieden zu sein, ein Eindruck, den er auch im Wahlkampf - einem intensiven Häuserwahlkampf mit viel Unterstützung von der Jungen Union - gehabt habe. Er habe jedenfalls keinerlei Anfeindungen erlebt, "vielleicht zwei oder drei intensivere Gespräche". Aber auch der Vandalismus gegen Wahlplakate sei diesmal zurückgegangen - jedenfalls was CSU-Plakate angeht. Kritische Anmerkungen habe er vor allem zur in Berlin gemachten Migrationspolitik erlebt, "da können wir in Bayern ja wenig steuern". Er glaube, dass in dieser Kritik auch genau der Grund für den Erfolg von Freien Wählern und der AfD liege.
Es mache ihm große Sorgen, hier zwei Parteien zu sehen, die sich - zumindest was den FW-Vorsitzenden Hubert Aiwanger angehe - im gleichen Duktus einer antidemokratischen Sprache bewegen. Von wegen "die Demokratie zurückholen - wenn wir keine Demokratie hätten, würden wir alle nicht hier stehen". Eine Koalition zwischen CSU und Grünen im Land könne er sich dennoch nicht vorstellen, "aktuell zumindest nicht. Vielleicht kommen die Grünen irgendwann darauf, dass sie die Bürgerinnen und Bürger mitnehmen müssen bei ihren Entscheidungen."
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