Kommunalpolitik im Landkreis Ebersberg:Trauer um Wilfried Seidelmann

Lesezeit: 2 min

Kommunalpolitik im Landkreis Ebersberg: Wilfried Seidelmann, langjähriger Kreisvorsitzender der Freien Wähler und Kreisrat, ist gestorben.

Wilfried Seidelmann, langjähriger Kreisvorsitzender der Freien Wähler und Kreisrat, ist gestorben.

(Foto: Renate Schmidt)

Der Kreisvorsitzende der Freien Wähler stirbt überraschend mit 69 Jahren.

Von Wieland Bögel, Ebersberg/Kirchseeon

Die Politik im Landkreis Ebersberg verliert einen ihrer engagiertesten Protagonisten: Wilfried Seidelmann, Kreisvorsitzender der Freien Wähler und deren Fraktionschef im Kreistag ist am Wochenende überraschend gestorben, er wurde 69 Jahre alt.

Viele Menschen dürften Wilfried Seidelmann vor allem als Mediziner kennen, seit 1986 betrieb er zusammen mit seiner Frau eine internistische Praxis in Kirchseeon. Zehn Jahre danach übernahm er den stellvertretenden Landesvorsitz der vertragsärztlichen Vereinigung in Bayern. Im gleichen Jahr wurde er auch Vorsitzender des Heimatkunde-Vereins in der Gemeinde Kirchseeon. Dort war Wilfried Seidelmann Mitinitiator des 2002 zum ersten Mal abgehaltenen interkonfessionellen Friedensgebetes, mittlerweile eine Traditionsveranstaltung in der Marktgemeinde. Die Sehnsucht nach Frieden, so sagte es Seidelmann einmal, sei in allen Religionen stark, das gemeinsame Gebet könne eine Brücke sein.

In die Politik ging Wilfried Seidelmann erst spät

Die Entscheidung, Politik zu machen, traf Wilfried Seidelmann vergleichsweise spät. Der gebürtige Augsburger und Vater von fünf Kindern ging schon auf die 50 zu, als er für den Ortsverband der UWG seiner Heimatstadt Ebersberg für den Stadtrat kandidierte. Für einen Sitz im Gremium hat es damals zwar nicht gereicht, der Politik blieb Seidelmann indes treu: Ein Jahr später ließ er sich vom Kreisverband der Freien Wähler als Direktkandidat für den Bezirkstag aufstellen.

Den Einzug in das oberste Kommunalparlament des Freistaates schaffte Seidelmann zwar nicht, doch knapp drei Jahre nach der verlorenen Wahl wurde Wilfried Seidelmann zum stellvertretenden FW-Kreisvorsitzenden gewählt. Auch für den Ebersberger Stadtrat bewarb er sich erneut, doch mit Listenplatz 15 war dies auch 2008 kein aussichtsreiches Unterfangen, genau wie die erneute Bezirkstagskandidatur im selben Jahr.

Im Kreisverband dagegen ging es 2008 für Seidelmann aufwärts: Nach dem Rücktritt des langjährigen Kreisvorsitzenden Wolfgang Schermann rückte sein Stellvertreter nach. Bei der vorgezogenen Landratswahl 2013 überließ der Vorsitzende dann zwar dem damaligen Ebersberger Zweiten Bürgermeister Toni Ried die FW-Spitzenkandidatur - ein Jahr darauf klappte es dann aber mit einem politischen Mandat für Wilfried Seidelmann, er zog in den Ebersberger Kreistag ein.

Er warnte vor medizinischer Unterversorgung

Den Mediziner merkte man dem Kreisrat durchaus an, besonders Themen aus dem Bereich Gesundheit machte Wilfried Seidelmann im Gremium zu den seinen. Etwa wenn es um die Zukunft und Ausstattung der Kreisklinik ging oder um Fragen der medizinischen Versorgung im Allgemeinen. Dass bei letzterer einiges im Argen liege, war gewissermaßen das ceterum censeo Seidelmanns: Auch nach seinem Ruhestand als Arzt wurde er nie müde, auf die Risiken und Nebenwirkungen der hohen Arbeitsbelastung der Mediziner hinzuweisen, für die er eine Unterversorgung mit Arztpraxen verantwortlich machte.

Gesundheitsprobleme befürchtet er zuletzt auch, als in Kirchseeon neue Pläne für das ehemalige Bahnschwellenwerk vorgestellt wurden. Als Mediziner könne er nur davor warnen, sich hier von wirtschaftlichen Interessen leiten zu lassen und an einer Aufbereitung des mit hochgiftigen Substanzen belasteten Erdreichs zu sparen, sagte Wilfried Seidelmann in einem seiner letzten Gespräche mit der SZ. Gebe es entsprechende Bestrebungen, werde er sich "vehement dagegenstemmen." Eine Aufgabe, die nun andere übernehmen müssen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema