Wird man Vaterstetten schon bald in einem Atemzug nennen mit Cape Canaveral oder Baikonur? Das vielleicht nicht, aber die Großgemeinde, genauer der Ortsteil Parsdorf und noch genauer das Gewerbegebiet nördlich der A94 soll bis 2026 Raumfahrtstandort werden. Anfang Mai gibt das Start-up-Unternehmen Isar Aerospace, das Trägerraketen für Kleinsatelliten baut, bekannt, dass man den Firmensitz von Ottobrunn nach Parsdorf verlegen will.
Das 2018 von drei Studenten der TU München gegründete Unternehmen zählt zu den großen Hoffnungsträgern in der Branche. Seit 2020 arbeitet man in Ottobrunn ähnlich wie in der Automobil- und Flugzeugindustrie an einer Serienfertigung von Trägerraketen. Diese soll in Parsdorf dann richtig anlaufen, nach eigenen Angaben plant Isar Aerospace den Bau von bis zu 40 Trägersystemen pro Jahr, beginnend 2026. Die Firma beschäftigt derzeit etwa 400 Mitarbeiter und gehört mit 330 Millionen Euro zu den am besten finanzierten Raumfahrt-Start-ups in Europa. Auch das Interesse der Nato hat man schon geweckt: Wie die Firma Ende Juni bekanntgibt, habe man einen Zuschuss aus dem „Innovation Fund“ des Verteidigungsbündnisses bekommen.
Für die großen Pläne braucht es natürlich auch viel Platz – da reichen die rund 8000 Quadratmeter nicht mehr aus, welche Isar Aerospace derzeit noch in Ottobrunn nutzt. Im Gewerbegebiet Parsdorf III sind es rund 40 000 Quadratmeter Nutzfläche. Auch die Zahl der Mitarbeiter wird wohl steigen, in dem im Juli genehmigten Bauantrag für die Produktionshalle ist bereits von 500 Beschäftigten am Standort die Rede.
Mit dem Umzug des Raketen-Start-up wird das seit 2020 bestehende Gewerbegebiet nun endgültig zu dem High-Tech-Standort, den man sich in der Gemeinde Vaterstetten immer gewünscht hatte: So ist bereits der mittlerweile chinesische Maschinenbauer Krauss-Maffei von Allach nach Parsdorf umgezogen und der Autobauer BMW hat sein ursprünglich dort geplantes Logistikzentrum um eine Forschungseinrichtung für E-Auto-Batterien erweitert. Ob sich das auch in Gewerbesteuereinnahmen für die Gemeinde niederschlägt, wird sich allerdings erst in einigen Jahren zeigen.



