Jubel, Trubel, Heiterkeit herrscht Mitte März bei den Kirchseeoner Perchten, denn da werden ihre winterlichen Läufe auf Bundesebene geadelt zum Immateriellen Kulturerbe (IKE). Für den Landkreis Ebersberg ist das eine sensationelle Premiere. Bereits zwei Jahre zuvor, im Frühling 2022, war die Freude groß gewesen, denn da wurde das winterliche Brauchtum aus Kirchseeon in die bayerische Kulturerbe-Liste aufgenommen. Die Perchten waren damit Leuchttürmen wie der Landshuter Hochzeit, dem Münchner Viktualienmarkt oder den Passionsspielen von Oberammergau gleichgestellt.
Das aufwendige Bewerbungsverfahren damals war für die Perchten vor allem eine groß angelegte Selbstreflexion. Was zeichnet uns aus? Wo kommen wir her? Und wo wollen wir hin? Haufenweise Fragen wollten beantwortet werden. Doch der Aufwand hatte sich gelohnt, denn im Anschluss wurde das Kirchseeoner Brauchtum von den bayerischen IKE-Verantwortlichen vorgeschlagen für die bundesweite Liste, mit Erfolg. Ausgezeichnet werden „kulturelle Ausdrucksformen, die lebendig sind, von einer Gemeinschaft getragen werden, Identität stiften, spezifisches Wissen und Können umfassen und von Generation zu Generation weitergegeben werden“.
Die Perchten sind, knapp gesagt, schauerliche Glücksbringer, die mit Läufen durch die winterliche Landschaft das neue Jahr einläuten. Getragen wird dieses Kirchseeoner Brauchtum von drei Säulen: dem Verein Perschtenbund Soj, der für die Aufführungen zuständig ist, einer Stiftung, die sich dem Erhalt der Masken und der Wissensvermittlung verschrieben hat, sowie einem eigenen „Maskeum“ als Depot und Lernort.


