Ende Juli findet in der Kreisstadt eine Veranstaltung statt, auf die sich viele in der Region gefreut haben: Ebersbergs erster Christopher Street Day. Am 27. Juli gibt es nicht nur ein buntes Bühnenprogramm, um für queere Rechte und eine offene Gesellschaft einzutreten, sondern es zieht sogar eine Parade mit mehr als 400 Menschen durch die Innenstadt. „Einfach machen, nicht so viel drüber nachdenken!“, lautet dabei der Tipp von Dragqueen Vicky Voyage, die in strammem Tempo in der ersten Reihe im gelben Spitzenkleid, Sonnenhut und grünen Samtstiefeln mit schwindelerregend hohen Absätzen mitläuft – und das bei sengender Sonne an jenem Samstagnachmittag.
Unabhängig voneinander hatten mehrere Leute im Landkreis die Idee, über den Kreisjugendring finden sie zusammen und bilden zunächst ein Team aus ungefähr 20 Engagierten, alle zwischen 15 und 35 Jahre alt. Als es dann so weit ist, besteht die Orga-Gruppe aus gut 30 Köpfen.

Obwohl das Team viel positiven Zuspruch für das Vorhaben bekommt, gibt es auch queerfeindliche und bedrohliche Anfeindungen im Vorfeld. So erzählt Leonie Huber, dass beim Verteilen der Flyer ein männlicher Teenager einen der Zettel genommen hat, ihn vor ihren Augen zerrissen, zu Boden geworfen und draufgespuckt hat. „Genau solche Kommentare haben mich bestärkt, dass wir genau das Richtige tun“, sagt der offizielle Veranstalter Arian Kunze, der neben seinem Politikstudium mittlerweile politischer Geschäftsführer der Grünen Jugend Bayern ist.
Doch überwogen haben die zustimmenden Reaktionen. So erzählt Kunze von einem Social-Media-Kommentar, in dem jemand wissen will, wo Ebersberg genau liegt, und dann in etwa schreibt: „1,5 Stunden Fahrtzeit – wir kommen!“ Und Leonie Huber berichtet von einem Mann um die 50, der in einem Imbiss sitzt, in dem sie gerade Flyer auslegte, und der daraufhin mit Freude ruft: „Endlich gibt’s sowas in Ebersberg!“

LGBTQ:„Hey, wir sind hier!“
Mehr als 400 Menschen feiern beim ersten Christopher Street Day in Ebersberg ein buntes Fest. Sie wollen zeigen, dass Diversität auch auf dem Land gelebt wird.
Neben der Münchner Dragqueen Vicky Voyage sind noch viele weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die Ebersberger Innenstadt gekommen – queere Menschen, aber auch jene, die sich solidarisch zeigen, sogenannte Allies. Zu sehen ist vor allem eines: bunt. Bunte Flaggen, bunt angemalte Gesichter, bunte Ketten – überall sind die typischen Regenbogenfarben der Community zu erkennen. Nur bei einer kleinen Delegation des „Münchner Löwen Clubs“ nicht, nach eigenen Angaben einer der größten schwulen Fetischvereine Europas. Die Männer kommen stattdessen in Lack und Leder – und wirken bei Temperaturen jenseits der 30 Grad trotzdem gelassen.

„Es war einfach großartig, so viele Leute, so eine geile Stimmung, ich finde gerade keine Worte“, lautet das Urteil von Arian Kunze. Bei der Polizei schließt man sich der positiven Bilanz an. „Es war eine sehr gelungene Veranstaltung, es hat alles bestens funktioniert, alle Auflagen wurden eingehalten“, sagt Einsatzleiter Stephan Raab. „Wenn alle Veranstaltungen so wären, könnten wir zufrieden sein.“ Wie gut, dass es auch 2025 wieder einen Ebersberger CSD geben soll.

