Süddeutsche Zeitung

EBE-Jazz 2021:The Jazz must go on

Die Macher des Ebersberger Festivals haben nicht aufgegeben, sondern planen für den Herbst ein hochwertiges, abwechslungsreiches Programm. Die große Hoffnung ist, dass der swingenden Reigen trotz Pandemie live über die Bühne gehen kann.

Von Anja Blum

Nachdem Live-Kultur so lange nicht möglich war, tourt derzeit als Comeback der "Kultursommer" durch den Landkreis - und sogar für eine Fortsetzung im Herbst ist bereits gesorgt: "EBE-Jazz" is back! Vom 8. bis 17. Oktober geht das internationale Jazzfestival in Ebersberg und Grafing in seine vierte Runde. Zehn aufregende Tage fordern Kultur- und Musikfreunde jeglicher Couleur auf, sich auf Jazz in allen Schattierungen einzulassen. Zu erleben sind hochkarätige Konzerte und zahlreiche weitere Veranstaltungsformate wie Matineen, ein Workshop, ein Jazz-Talk, zwei Filmvorführungen, eine Ausstellung, eine Konzert-Lesung und natürlich wieder "Jazz for Kids". Der Höhepunkt aber wird sicherlich eine Jubiläumsparty zum 50. Geburtstag von Enja-Records, dem renommierten Münchner Plattenlabel für Musik-Enthusiasten.

Wer das nun liest, könnte sich aber fragen: Corona? War da nicht was? Und ja, die Macher des Jazzfestivals haben lange damit gerungen, in diesem Herbst eine neue Auflage zu wagen, schließlich können sie nicht - wie der Kultursommer etwa - auf Open-Air-Veranstaltungen setzen. "Aber wir wollen den Zwei-Jahres-Rhythmus unbedingt beibehalten, deswegen haben wir letztlich beschlossen, nicht aufzugeben und das Festival nicht zu verschieben", erklärt Frank Haschler, Sprecher der Interessengemeinschaft EBE-Jazz. Im schlimmsten Fall hätte es eben nur eine sehr kleine Ausgabe gegeben, oder viele Onlineangebote. Doch momentan sieht es so aus, als könnte der swingende Reigen tatsächlich - mit nur ein paar kleineren Einschränkungen - live über die Bühne gehen. Lediglich drei hybride Abende sind derzeit geplant, so dass, wer möchte, den Jazz auch von Zuhause aus genießen kann.

"Selbstverständlich werden alle Veranstaltungen unter strikter Einhaltung der behördlichen Corona-Regelungen und spezifischen Hygienemaßnahmen stattfinden", schreiben die Veranstalter. Doch was genau das bedeutet, welche Regelungen im Herbst gelten werden, das vermag heute freilich noch keiner zu sagen. Deswegen seien die Planungen für die Ehrenamtlichen der IG EBE-Jazz heuer schon besonders herausfordernd, gesteht Haschler. "Aber das bewährte Team funktioniert wunderbar, wir sind mittlerweile wie eine kleine Firma, in der jeder seine Aufgaben und Kompetenzen hat." Die IG übrigens wurde 2015 von der Musikerinitiative "Jazz Grafing" initiiert, neben ihren Mitgliedern und den beiden aus dem Landkreis stammenden Jazzmusikern Martin Zenker und Josef Ametsbichler gehören ihr auch die örtliche Musikschule sowie der Verein Altes Kino an. All diese Akteure spielen zusammen, um das Festival heuer trotz Pandemie möglich zu machen.

Doch wenn die prognostizierte vierte Welle heftig werden sollte, spült sie den Jazz womöglich schlicht weg. Deswegen musste für die Künstlerverträge eine entsprechend wachsweiche Klausel ersonnen werden. "Aber das war gar nicht so schwierig, denn wir sitzen ja alle im selben Boot", erklärt Haschler. "Jeder will, dass Konzerte stattfinden können, und ist bereit, dafür ein gewisses Risiko auf sich zu nehmen." Doch auch alle möglichen Zwischenstufen des Lockdowns sind denkbar, vor allem die Zahl der erlaubten Gäste ist bislang eine große Unbekannte. "Deswegen haben wir schon diverse Modellrechnungen durchgespielt", sagt Haschler und schnauft tief ein. Momentan sind sechs Locations in Planung: in Ebersberg der Alte Speicher und das Alte Kino, die Galerie des Kunstvereins, der Bürgersaal im Klosterbauhof und das Café Mala sowie in Grafing die Stadtbücherei. Auch das Artesano am Ebersberger Marienplatz steht auf dem Zettel der Festivalmacher, denn dort kamen die Jazzbegeisterten ja stets zu den beliebten Jam-Sessions zusammen. Diese sind auch für 2021 geplant - das Programm und die Technik stehen bereits - doch ob diese spontane Art des Musizierens erneut möglich sein wird, hängt letztlich von den im Herbst geltenden Corona-Bestimmungen ab.

Fest steht hingegen bereits, dass es unter pandemischen Bedingungen einen deutlich erhöhten Personalbedarf geben wird. Am Einlass, bei der Platzzuweisung: Überall werden mehr Servicekräfte gebraucht. Außerdem fällt das bewährte Format der Doppelkonzerte weg. "Wenn wir wieder Vorbands hätten, müssten wir den Alten Speicher dazwischen gut durchlüften und auf der Bühne alles desinfizieren", erklärt Haschler. "Das geht beim besten Willen nicht." Im Gegenzug wolle man den lockereren Ablauf der Abende nutzen, um sowohl mehr Informationen zu den Acts zu geben als auch der Begegnung mit den Künstlern mehr Raum.

Überhaupt: "Wir wollen den Zeitraum so gut wie möglich füllen", verspricht Haschler, momentan sehe die Planung nur einen einzigen Tag Pause vor. Überdies, schwärmt der Grafinger, sei es wieder gelungen, ein sehr abwechslungsreiches Programm zusammenzustellen. Es gebe Jazz in all seinen stilistischen Facetten und Genres, Vokales, Instrumentales, Arrangiertes und Improvisiertes, dargeboten von "Jazz-Legenden, Fixsternen des zeitgenössischen Jazz oder abenteuerlustigen Newcomern". Allerdings - und das wollen die Festivalmacher gar nicht verhehlen - liegt der musikalische Schwerpunkt in diesem Jahr auf europäischen Musikern. In Zeiten von Corona wären Gäste von anderen Kontinenten schlicht ein zu großes Risiko - organisatorisch wie medizinisch. "Die Sicherheit steht für uns ganz oben", betont Haschler. Außerdem hätten die europäischen Musiker ein sehr hohes Niveau, sie stünden nur nicht so sehr im Fokus wie etwa die Stars aus den USA. Das Fazit lautet also: EBE-Jazz 2021 werde sicher anders als sonst - aber keinesfalls schlechter.

Finanziell steht das Festival übrigens laut seinem Sprecher wieder gut da: Die Kreissparkasse hat erneut die Rolle des Hauptsponsors übernommen, hinzu kommen etliche andere Förderer sowie Zuschüsse von quasi allen politischen Ebenen. Landrat Robert Niedergesäß sei auch dieses Jahr mit großer Begeisterung Schirmherr. Der Bayerische Rundfunk wird diesmal zwei Konzerte mit dem Ü-Wagen aufzeichnen.

Die Homepage des Festivals wird ebenso wie seine Facebook-Seite bereits jetzt Zug um Zug aktualisiert. Anfang September möchten die Macher das finale Programm vorstellen, dann soll auch der Vorverkauf starten. "1200 Gäste wären super", sagt Haschler, "dann gäbe es auch wieder T-Shirts mit Logo". Auf die Ausgaben für solche Nice-to-Haves habe man nämlich bislang wegen Corona verzichtet.

Internationales Jazzfestival 2021 in Ebersberg und Grafing, von 8. bis 17. Oktober, alle Infos unter www.ebe-jazz.de.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.5359846
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 23.07.2021
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.