Forstinning:Merkwürdige Zeichen schrecken Anwohner auf

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Ortsschild Gemeinde Forstinning

Das Ortsschild von Forstinning.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

In Forstinning wird vermutet, dass dort eine alte - aber nicht unbedingt gute - Tradition praktiziert wird.

Glosse von Wieland Bögel

Das Böse, man weiß es spätestens seit dem auch schon wieder 36 Jahre alten Lied "Banküberfall" der legendären österreichischen Stimmungskanonen von EAV, das Böse also ist bekanntlich immer und überall. Zum Beispiel in Forstinning, genauer in Schwaberwegen und noch genauer auf dem dortigen Boden. Dortselbst hatten besorgte Anwohner am vergangenen Sonntag höchst Verdächtiges und möglicherweise Bedrohliches bemerkt und der Polizei gemeldet: mehrere sechszackige in den Boden gestanzte oder gefräste Sterne.

Nun gibt es durchaus Gegenden und Gelegenheiten, in welchen das Aufbringen von Sternen auf Böden nicht nur harmlos, sondern sogar ein Grund zu feiern ist, man denke da etwa an den berühmten "Walk of Fame" in Hollywood. Die Schwaberwegener dachten nun aber eher an einen Walk of Crime, konkret an sogenannte Gaunerzinken. Diese sind seit dem Mittelalter überlieferte Symbole, mit denen sich Diebe und sonstige randständige Existenzen über potenzielle Einnahmequellen austauschten. Also etwa wo man Bargeld erschnorren oder notfalls welches klauen kann, aber auch wo man beim Versuch Bekanntschaft mit dem grimmigen Hofhund machen kann.

Dass heutzutage noch Gauner mit Zinken kommunizieren, wird von Fachleuten als eher unwahrscheinlich angesehen, zumindest die klassischen Zeichen spielen wohl keine Rolle mehr. Vermutlich ist diese Tradition auch längst ins Internet abgewandert, vermutlich gibt es dort auf einschlägigen Seiten Gaunerversionen bekannter Ausflugs- und Reiseportale, Bruch-Advisor, Schnorr24 und viele mehr. In dem Zusammenhang ist die Entwarnung, welche die Polizei im Forstinninger Fall gegeben hat, vielleicht auch nur eine vorläufige: Die Sterne auf dem Boden jedenfalls hat das Vermessungsamt aufgebracht, es sind sogenannte Netzpunkte zum Einpassen der Geräte im Koordinatensystem. Ob die daraus resultierende Karte dann aber nicht vielleicht doch missbräuchlich für einen digitalen Gauner-Guide verwendet wird, wer weiß das schon.

Für den Fall, dass es aber vielleicht doch noch Gauner gibt, die mit klassischen Methoden, wie eben den Zinken, arbeiten, könnte es sich lohnen, selbst welche anzubringen, etwa die gezackte Linie für "bissiger Hund", ein leerer Kreis für "hier gibt es nichts" oder, das wäre für Schwaberwegen interessant, eine Art stilisierte Semmel. Die bedeutet nämlich: "Leute rufen Polizei."

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