Ebersberger Finanzen:Armer Süden

Die Steuereinnahmen der Landkreiskommunen fallen sehr unterschiedlich aus, doch es gibt einen regionalen Trend. Interessante Erkenntnisse liefert überdies der bayernweite Vergleich.

Von Wieland Bögel, Ebersberg

Die Kommunen des Landkreises sind sehr unterschiedlich, in ihrer Größe, ihrer Struktur - und auch von ihren Einnahmen her betrachtet. Denn, wie eine aktuelle Statistik zeigt, sind diese teilweise erheblich. Laut einer nun vom Planungsverband äußerer Wirtschaftsraum München veröffentlichten Tabelle haben die finanzstärksten Kommunen mehr als das Doppelte zur Verfügung als die schwächsten. Gerechnet wurde hier in Euro pro Einwohner, das Bezugsjahr ist 2019, aktuellere Daten gibt es noch nicht.

Ganz an der Spitze bei den Einkünften steht laut der Statistik die Gemeinde Pliening mit knapp 1700 Euro pro Einwohner, dicht gefolgt von Poing und Oberpframmern. Alle drei liegen damit deutlich über dem Landkreisdurchschnitt von 1316 Euro pro Einwohner. Am anderen Ende der Tabelle liegt Emmering, dort ist die Steuerkraft pro Einwohner mit etwas über 800 Euro weniger als halb so hoch wie in Pliening. Knapp über der Hälfte der Top-Verdienergemeinde liegt Frauenneuharting.

Auffällig ist zum einen, dass bis auf Oberpframmern und Moosach keine der Kommunen mit überdurchschnittlichen Einnahmen im Süden des Landkreises liegt. Umgekehrt sind von den Gemeinden mit unterdurchschnittlichen Einnahmen die allermeisten im Süden und Osten des Landkreises gelegen. Außerdem sind sämtliche der eher städtisch geprägten großen Gemeinden des Nordwesten unter den Kommunen mit überdurchschnittlicher Steuerkraft, darunter die drei einwohnerstärksten, also Vaterstetten, Poing und Markt Schwaben.

Dies dürfte zu einem kleineren Teil daran liegen, dass die Gemeindebürger im Landkreis unterschiedlich viel verdienen. Denn sieht man sich die Zahlen an, fällt auf, dass die Einkommensteuer pro Einwohner zwar eine gewisse Bandbreite aufweist, von 590 Euro pro Einwohner in Frauenneuharting bis zu knapp 950 in Zorneding. Es gibt ein Gefälle zwischen städtischer und ländlicher geprägten Gemeinden. Allerdings ist die Einkommensteuer nicht unbedingt maßgeblich für die Gemeindefinanzen insgesamt: So hat Hohenlinden hier mit rund 700 Euro Steuerkraft pro Einwohner das fünftschlechteste Ergebnis - bei den Einnahmen insgesamt aber das achtbeste Ergebnis aller 21 Landkreiskommunen und liegt auch ein gutes Stück über dem kreisweiten Durchschnitt.

Grund ist eine Einnahmenart, die im Verhältnis noch weit stärker schwankt als die Einkommensteuer: die Gewerbesteuer. So verzeichnet Hohenlinden hier mit knapp 490 Euro pro Einwohner ein deutlich überdurchschnittliches Ergebnis, nur in fünf Landkreiskommunen fällt es besser aus. In Prozent der Gesamteinnahmen ist die Gemeinde im Nordosten sogar Spitzenreiter, 35,5 Prozent des Steueraufkommens stammen aus der Gewerbesteuer.

Auch hier macht sich das Stadt-Land-Gefälle bemerkbar, das außerdem durch ein Nord-Süd-Gefälle verstärkt wird. Die urbaneren Gemeinden verzeichnen fast alle ein überdurchschnittliches Gewerbesteueraufkommen, genauso kleinere Kommunen, die, wie Forstinning, Hohenlinden oder eben Pliening, verkehrsgünstig gelegen sind. Die einzige Ausnahme ist Kirchseeon, wo die Statistik für 2019 das viertschlechteste Gewerbesteuerergebnis pro Einwohner verzeichnete. Was daran liegen dürfte, dass in der Marktgemeinde in den vergangenen Jahren keine größeren Gewerbegebiete entwickelt wurden. Anders als in den drei Bestplatzierten. In Poing ist vor allem das Gewerbegebiet in Grub zu nennen, Oberpframmern hat entlang der Münchner Straße und vor allem in Aich zahlreiche Gewerbeflächen geschaffen und in Pliening-Landsham gibt es nicht nur ein Gewerbegebiet, sondern dort ist auch eines der größten Kiesabbaugebiete der Region.

Im Vergleich zu den übrigen Umlandkreisen und der Landeshauptstadt schneidet Ebersberg bei der Steuerkraft unterdurchschnittlich ab. Der Mittelwert liegt für die Landkreise bei 1781 Euro, für die Region inklusive Stadt München bei 2345 Euro pro Einwohner. Die höchste Steuerkraft verzeichnet der Landkreis München mit 2946 Euro pro Einwohner, mehr als das Doppelte des Ebersberger Ergebnisses. Der Vorsprung ist nahezu ausschließlich der Gewerbesteuer geschuldet, denn hier erzielt München mit 1949 Euro pro Einwohner mehr als das fünffache dessen, was in Ebersberg pro Bewohner eingenommen wird.

Auch im bayernweiten Vergleich sind die Gewerbesteuereinnahmen im Landkreis Ebersberg unterdurchschnittlich: Zwar liegt die Steuerkraft pro Bayer mit 1453 Euro nur knapp über dem Wert des Landkreises, bei der Gewerbesteuer sind es indes bayernweit 647 Euro und damit nahezu doppelt so viel wie in Ebersberg. Dafür liegt der Landkreis bei der Einkommensteuer rund 150 Euro über dem Bayernschnitt.

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