EU-Wahlen am 9. JuniWie der Landkreis Ebersberg wählt

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Bei dieser Europawahl wird es im Wahllokal der Anni-Pickert-Schule in Poing vermutlich mehr zugehen als bei der vergangenen Wahl 2019: Das Landratsamt rechnet mit einem leichten Anstieg der Wahlbeteiligung.
Bei dieser Europawahl wird es im Wahllokal der Anni-Pickert-Schule in Poing vermutlich mehr zugehen als bei der vergangenen Wahl 2019: Das Landratsamt rechnet mit einem leichten Anstieg der Wahlbeteiligung. Peter Hinz-Rosin

Bei der Europawahl am 9. Juni dürfen zum ersten Mal auch 16- und 17-Jährige abstimmen – es gibt also mehr Wahlberechtigte. Gleichzeitig sagen Prognosen vorher, dass rechtspopulistische Parteien erstarken werden. Besteht zwischen beiden Entwicklungen ein Zusammenhang?

Von Merlin Wassermann, Ebersberg

Rund 350 Millionen Menschen sind dazu aufgerufen, am Sonntag ein neues EU-Parlament zu wählen. Dabei wird sich zeigen, ob sich der europaweite Trend des Erstarkens rechtspopulistischer Parteien in den Mitgliedstaaten – wie etwa in Deutschland das der AfD – weiter fortsetzt. Eine Wahlprognose der Denkfabrik European Council on Foreign Relations (ECFR) deutet jedenfalls darauf hin.

Im Landkreis Ebersberg gibt es dieses Jahr 111 000 Wahlberechtigte, wie das Landratsamt Ebersberg mitteilt. Das sind etwa 1000 mehr als noch bei der vorherigen EU-Wahl im Jahr 2019. Ein Grund für diese Zunahme ist die wachsende Bevölkerungszahl im Landkreis. Ein weiterer: Der Bundestag hat im Jahr 2022 das Wahlalter für die Europawahl von 18 auf 16 Jahre gesenkt. Damit wird die Zahl der Wahlberechtigten deutschlandweit um etwa 2,3 Prozent steigen. Wie groß der Prozentsatz der 16- und 17-Jährigen aus allen Gemeinden an den Wahlberechtigten im Landkreis Ebersberg ist, wird vom Landratsamt nicht erfasst.

Das Landratsamt erwartet einen leichten Anstieg der Wahlbeteiligung, viele wählen per Briefwahl

Schon jetzt haben viele Menschen ihre Stimme per Briefwahl abgegeben, die als Indikator für die endgültige Wahlbeteiligung gilt. In der Stadt Ebersberg sind es 3411 Personen (Stand: 3. Juni), wie Geschäftsleiter Erik Ipsen berichtet. Bei 8905 Wahlberechtigten entspricht das 38,01 Prozent – ein hoher Anteil. „Seit dem Jahr 2020 ist die Zahl der Briefwähler auffällig stark“, erklärt Ipsen weiter. Das bestätigt auch Melanie Riedmann von der Gemeinde Zorneding. Dort haben 41 Prozent von 7030 wahlberechtigten Bürgern Briefwahl beantragt – ein Zuwachs von fünf Prozent im Vergleich zur vergangenen Wahl. 173 Wahlberechtigte sind in Zorneding jünger als 18 Jahre, das sind 2,5 Prozent.

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Das Landratsamt Ebersberg geht von einer leichten Steigerung der Wahlbeteiligung aus. Erik Ipsen vermutet, wie er sagt, dass in der Stadt Ebersberg etwa wieder 70 Prozent wählen gehen werden, ähnlich wie im Jahr 2019. Hinzukommen jedoch dieses Mal 238 Ebersberger, die 16 oder 17 Jahre sind – 2,7 Prozent aller Wahlberechtigten in der Kreisstadt.

Die Zahlen aus anderen Gemeinden sehen ähnlich aus. In Markt Schwaben etwa gibt es 8830 Wahlberechtigte, 121 davon sind unter 18 Jahre alt – sie machen also nur in etwa 1,4 Prozent der Wähler aus. 3292 Wähler haben hier bereits die Briefwahl beantragt, 37,3 Prozent also. In Grafing wiederum sind 10 460 Personen zur Wahl aufgerufen, 224 davon oder 2,41 Prozent sind unter 18. 4415 Personen und damit 42,2 Prozent haben die Briefwahl beantragt. In Vaterstetten schließlich, der größten Gemeinde im Landkreis, gibt es 17 853 Wahlberechtigte, von denen 508 oder 2,8 Prozent unter 18 Jahre sind. Hier haben ebenfalls etwa 42 Prozent, nämlich 7476 Personen, Briefwahl beantragt.

Laut Prognosen legen CSU, AfD und Freie Wähler zu, SPD und Grüne verlieren

Doch wen wählen die Bürgerinnen und Bürger des Landkreises voraussichtlich? Auch wenn 34 Parteien zur Wahl stehen, werden die meisten Wähler sich für eine der großen entscheiden. Laut einer BR-Umfrage, die Anfang Mai veröffentlicht wurde, würden im Freistaat 43 Prozent für die CSU stimmen, 13 Prozent für die Grünen, acht Prozent für die SPD, 13 Prozent für die AfD, neun Prozent für die Freien Wähler und drei Prozent für das neu gegründete Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW).

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CSU, AfD, Freie Wähler und BSW würden laut dieser Prognose Stimmen gewinnen, Grüne und SPD Stimmen verlieren. Folgt der Landkreis Ebersberg diesem Trend, würde sich der Abwärtstrend der SPD weiter fortsetzen. Bereits 2019 hatten die Sozialdemokraten mit 8,6 Prozent ein historisch schlechtes Ergebnis eingefahren. Die Grünen hatten hingegen ein Rekordergebnis eingefahren: 22,8 Prozent der Wahlberechtigten stimmten für die Ökopartei. Nun müssen sie sich der Umfrage zufolge auf Einbußen gefasst machen.

Freuen im Landkreis werden sich vermutlich die Christdemokraten. Nachdem sie 2014 noch ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Europawahl überhaupt eingeholt hatten, 38,14 Prozent, konnten sie es fünf Jahre später leicht verbessern auf 39 Prozent. Die AfD hatte von 2014 auf 2019 noch Stimmen verloren – sie rutschte von 8,7 auf 7 Prozent. Nun wird ihr wieder ein Zuwachs prognostiziert, der womöglich stark ausfällt. Und auch die Freien Wähler, die 2019 4,8 Prozent erreicht hatten, könnten wieder wachsen.

Junge Wähler könnten mehr als im Durchschnitt rechtspopulistisch wählen

Es gibt verschiedene Studien, die einen Rechtsruck bei der jüngeren Generation prognostizieren. Laut einer Forsa-Umfrage würden 14 Prozent der unter 30-Jährigen die AfD wählen. Bei der Befragung „Jugend in Deutschland 2024“ im Mai gaben sogar 22 Prozent der 14- bis 29-Jährigen an, für Parteien rechts außen zu stimmen. Allerdings lässt sich hierbei ein Gender-Voting-Gap beobachten: Junge Männer wählen überdurchschnittlich oft rechte Parteien wie die AfD, junge Frauen wiederum entscheiden sich häufiger für linke und grüne Parteien.

Sicher wird sich erst im Laufe des Sonntagabends etwas über den Wahlausgang im Landkreis sagen lassen. Das Landratsamt rechnet damit, erste Ergebnisse um 21 Uhr verkünden zu können.

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