Ebersberger BRK-Kreisverband:"Das Rote Kreuz ist nicht nur Blaulicht"

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Zuvor war Manfred Barth stellvertretender BRK-Kreisgeschäftsführer in Altötting. (Foto: Peter Hinz-Rosin)

Manfred Barth ist der neue Geschäftsführer des Ebersberger BRK - Vorgängerin Elisabeth Seibl-Kinzlmaier hat sich in den Ruhestand verabschiedet. Über die Pläne des 60-Jährigen für den Wohlfahrtsverband im Landkreis.

Von Johanna Feckl, Ebersberg

Wenn Manfred Barth von seinem beruflichen Weg erzählt, der ihn im vergangenen Jahr zur Ebersberger BRK-Kreisgeschäftsstelle geführt hat, dann klingt das irgendwie sehr stimmig - schließlich nahm alles seinen Anfang beim BRK: Vor gut 40 Jahren, als der heute 60-Jährige den Wehrdienst verweigerte, landete er bei dem Wohlfahrtsverband in Altötting. "Ich bin im Rettungsdienst gefahren", sagt Barth - mit grauem Pulli über dem Hemd und Jeans sitzt er am Besprechungstisch in seinem sehr aufgeräumten Büro in der Ebersberger Geschäftsstelle. Später in seinem Zivildienst arbeitete er auch in der Verwaltung und im Blutspendedienst.

Seit vergangenem Dezember ist er nun der neue Chef des Ebersberger Kreisverbands - die Monate davor von September an hat ihn seine Vorgängerin Elisabeth Seibl-Kinzlmaier eingearbeitet, bevor sie sich in den Ruhestand verabschiedet hat. 21 Jahre lang war sie beim BRK - angefangen hat die gelernte Erzieherin 2002 als Leiterin einer BRK-Kindertagesstätte in Grafing, 2006 wechselte sie in die Position der Sachgebietsleiterin der Kindertagesstätten, 2008 wurde sie Leiterin aller sozialen Bereiche im BRK, 2014 stellvertretende Kreisgeschäftsführerin, zwei Jahre später schließlich Kreisgeschäftsführerin.

Bei Manfred Barth kam nach dem Zivildienst lange Zeit nichts, was mit dem BRK zu tun hat - er wurde Journalist. Zuerst im Rahmen eines Volontariats bei einem lokalen Radiosender, etwas später orientierte er sich innerhalb der Branche um. "Ich wollte lieber fürs Lesen schreiben, und nicht mehr fürs Hören", sagt er. Also begann er 1990 als Redakteur bei einer IT-Zeitschrift, damals noch eine völlig neue Welt, die Erklärbedürftigkeit bei den privaten Anwenderinnen und Anwendern dementsprechend groß.

Mehr als 20 Jahre hat Manfred Barth im Journalismus gearbeitet

Es folgten mehrere Positionen in leitender Funktion im IT-Zeitschriftenbereich sowie einige Umzüge, zuletzt war er mehr als zehn Jahre stellvertretender Chefredakteur bei "Computer Bild" in Hamburg. Dann allerdings wurde ein Gedanke im Kopf des 60-Jährigen immer lauter: "Jetzt will ich nochmal was ganz anderes machen", schildert er seinen Wunsch von damals. Nicht weil ihn seine Arbeit unglücklich gemacht hätte, das ist Barth wichtig zu betonen. Aber nach solch einer langen Zeit in der Branche, da wollte er einfach einen Tapetenwechsel. Und zurück nach Bayern.

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Zusammen mit seiner Frau und den drei Söhnen zog er nach Pleiskirchen im Landkreis Altötting, nach einem kurzen Intermezzo beim Radio stolperte er schließlich über eine Ausschreibung des dortigen BRK-Kreisverbands - er wurde Leiter der Öffentlichkeitsarbeit, dann stellvertretender Geschäftsführer, bis er im Frühjahr 2023 angesprochen wurde, ob er für den bald vakanten Posten in Ebersberg nicht seinen Hut in den Ring werfen wolle. "Mich hat die Herausforderung gereizt", sagt Barth. "Ich dachte mir, dass ich da nochmal was anpacken und vielleicht bewegen kann." Er überzeugte den Vorstand und bekam die Zusage.

Momentan pendelt der 60-Jährige jeden Tag von Pleiskirchen bis nach Ebersberg, jeweils 50 Minuten hin und wieder zurück. Aber das soll nicht so bleiben. "Ich halte es für wichtig, dort zu wohnen, wo ich auch arbeite." Man gehe halt mal aufs Volksfest, treffe dort in einem lockeren Rahmen den Bürgermeister oder andere Menschen und bekomme so viel mehr mit - Dinge, die Barth relevant für seine Arbeit hält. Deshalb zieht er mit seiner Frau voraussichtlich im Frühjahr nach Baldham, die drei Söhne studieren mittlerweile alle in München.

Der 60-Jährige hat schon ein paar Ideen, um den Kreisverband moderat zu vergrößern

Aber ist das jetzt ein Nachteil, dass der Noch-Pleiskirchener bis auf seinen Zivildienst keine eigene Erfahrung in einem sozialen Beruf hat - im Gegensatz zu seiner Vorgängerin Seibl-Kinzlmeier? Nein, sagt Barth. Er sehe seine Aufgabe im strategischen Bereich, das gesamte Team zusammenzuhalten, gemeinsam mit ihm Ideen zu entwickeln und diese dann umzusetzen. Den Fokus auf Personal und Vorstandsmitglieder des Wohlfahrtverbands betont er dabei mehrmals. Die Arbeit funktioniere nur gemeinsam, "ohne die kann ich nichts bewegen".

Das Ebersberger BRK ist in vielen Bereichen tätig, nicht nur im Rettungsdienstwesen - zum Beispiel gibt es eine Wasserwacht. Und die hält unter anderem auch regelmäßig Übungen ab, wie hier in Markt Schwaben, wo ein im Eis eingebrochener Mann von Tauchern und Rettungsschwimmern gerettet wird. (Foto: Peter Hinz-Rosin)

Der Ebersberger BRK-Kreisverband ist ein mittelgroßer - fast 300 hauptamtliche Mitarbeitende, ungefähr 1000 ehrenamtliche. "Der steht gut da, da muss man das Rad nicht neu erfinden", sagt Barth. Ein paar Ideen, wie man den Verband nicht nur in seinem Bestehen sichern, sondern vielleicht sogar moderat ausbauen könnte, hat der 60-Jährige trotzdem, wie er sagt. Was das genau bedeutet, dazu schweigt er noch.

Was er jedoch verrät: Er möchte ein Augenmerk auf Öffentlichkeitsarbeit legen. "Jeder kennt das BRK", sagt er, "die meisten kennen es aber als 'die vom Rettungswagen', und bei der Wasserwacht hört es dann auch schon wieder auf." Das möchte er ändern. "Das Rote Kreuz ist nicht nur Blaulicht." Als Beispiel nennt er neben Wasserwacht und Kindertagesstätten den Bereich der Offenen Behindertenarbeit (OBA), bei dem die Nachfrage aktuell sogar höher sei als vor Corona.

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