Kommentar:Zu viele Fragen offen

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Die Bahn wollte beim Ausbau der Strecke im Landkreissüden die Betroffenen einbeziehen. Das hat offenbar nicht optimal funktioniert, die Kommunikation scheint verbesserungswürdig.

Von Wieland Bögel, Ebersberg

"Drum besser wär's, dass nichts entstünde", lässt Goethe bekanntlich seinen Mephisto philosophieren - fragte man einige Bewohner des südlichen Landkreises, was sie von den Plänen der Bahn halten, würden sie sich wohl ähnlich äußern. Zumindest vor die Wahl gestellt, welche der vor einigen Wochen vorgestellten Trassen gebaut werden soll. Tatsächlich zeichnet sich im Landkreis Ebersberg eine Entwicklung ab, die weiter südlich schon seit ein paar Jahren zu beobachten ist: Nicht nur stößt der Ausbau der Brenner-Strecke auf Widerstand, dieser stößt auch auf großen Rückhalt in der Bevölkerung. Und dabei hatte die Bahn diesmal doch alles besser machen wollen.

Im Landkreis Rosenheim entzündete sich der Protest auch an der Vielzahl der möglichen Trassen, am Ende konnte eigentlich niemand mehr sicher sein, dass durch den eigenen Garten nicht in ein paar Jahren die Güterzüge donnern. Im Landkreis Ebersberg bemühte man sich deshalb darum, erstens die Variantenzahl gering zu halten und zweitens um eine Einbeziehung der vom Neubau möglicherweise Betroffenen. Ersteres ist einigermaßen gelungen, es gibt lediglich vier Grobtrassen, von denen die westlichste eher unwahrscheinlich ist und die beiden östlichen sehr ähnlich sind, dazu noch eine mittlere, die sich am weitesten von den Siedlungen fernhält und an der sich darum vermutlich die finale Version orientieren dürfte.

Der zweite Punkt indes, diese Planung unter Einbeziehung der Anlieger und sonstiger Betroffenen vorzunehmen, hat nicht so gut geklappt. Natürlich: Dass es keine Variante gibt, mit der alle zufrieden sind, war von Anfang an abzusehen. Dass es nun aber ausschließlich Varianten zu geben scheint, mit denen alle unzufrieden sind, lässt auf gewisse Defizite in dem sogenannten Dialogforum schließen - konkret in Bezug auf den vorderen Wortteil. Indiz für einen nicht so ganz rund laufenden Dialog ist etwa der nun von den Teilnehmern aus dem Landkreis formulierte Fragenkatalog: Sechs Seiten, zwölf Oberkategorien und insgesamt 74 Einzelfragen sind darin aufgelistet. Zu allen diesen sei die Bahn eine Antwort schuldig geblieben, bemängeln die Dialogteilnehmer und betonen, man könne erst wieder sinnvoll im Bahn-Forum zusammenarbeiten, wenn sich dies geändert habe.

Eine der wohl interessantesten Fragen findet sich übrigens relativ am Anfang des Kataloges: "Welche Vorgaben vom Auftraggeber würden Sie benötigen, um eine Bestandsvariante umsetzen zu können?" Tatsächlich hatten Bahnvertreter in der Vergangenheit stets betont, letztlich entscheide der Bund als Auftraggeber darüber, was konkret gebaut wird - man kann also gespannt sein: Zum einen auf die Antwort und zum anderen, ob und wie der Auftraggeber darauf reagiert.

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