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Im Landkreis:Ebersberger Gemeinden sollen bei Brenner-Zulauf mitreden

Zug auf der Bahnstrecke München - Rosenheim, 2018

Wenn der Brenner-Nordzulauf fertig gestellt ist, werden deutlich mehr Züge den Landkreis Ebersberg - wie hier bei Kirchseeon - passieren.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

In dieser Woche haben die Dialogforen zwischen Deutscher Bahn und den Kommunen begonnen. Man möchte das Mega-Projekt im stetigen Austausch entwickeln - doch zum Lärmschutz bleiben die Aussagen bisher sehr unkonkret.

Von Andreas Junkmann, Ebersberg

"Der Brenner ist zwar ein gutes Stück weg, strahlt aber trotzdem in die Region ab." Das sagt einer, für den der Brenner in den kommenden Jahren ganz nah sein wird - zumindest beruflich gesehen. Franz Lindemair ist Sprecher der Deutschen Bahn im Bereich Großprojekte Süd und als solcher an der Konzeption der Dialogforen zum Aus- und Neubau der Zulaufstrecke durch den Landkreis Ebersberg beteiligt. Zusammen mit Gesamtprojektleiter Matthias Neumaier und dem für die beiden Abschnitte - zwischen Großkarolinenfeld und Grafing, beziehungsweise Grafing und Trudering - verantwortlichen Leiter, Dieter Müller, haben Anfang dieser Woche erste Gespräche in den Gemeinden stattgefunden. Das soll auch der weitere Fahrplan bis zur fertigen Planung der Trasse sein, denn die DB-Vertreter sind sich einig: Das Mega-Projekt soll im stetigen Austausch mit den Betroffenen entwickelt werden.

Die Gespräche seien offen und konstruktiv gewesen, sagt Dieter Müller über die ersten beiden Zusammenkünfte an diesem Montag in Grafing und am Dienstag in Ebersberg. Dabei ging es jeweils um verschiedene Bauabschnitte: Während zwischen Großkarolinenfeld und Grafing eine zusätzliche, etwa 20 Kilometer lange zweigleisige Strecke gebaut werden soll, wird zwischen Grafing und Trudering die bestehende Trasse ausgebaut. Ziel ist es, die Kapazität auf den Gleisen hin zum Brenner-Basistunnel zu steigern, oder wie Matthias Neumaier sagt: "Der Verkehr soll zunehmend von der Straße auf die Schiene verlagert werden."

Zum Lärmschutz soll es weitere Untersuchungen geben

Was sich aus klimatischer Sicht zunächst recht positiv anhört, freut die direkten Anwohner der Trasse eher weniger. Denn mehr Verkehr bedeutet in aller Regel auch mehr Lärm. Das sei auch eines der zentralen Themen in den ersten Gesprächsrunden gewesen, wie die DB-Vertreter am Mittwoch in einer Pressekonferenz sagen. Den Lärmschutz habe man jedenfalls auf dem Schirm - und man sei in der Vergangenheit auch nicht untätig gewesen. Etwa 75 Millionen Euro seien bereits zu diesem Zweck in die Trasse zwischen München und Kiefersfelden geflossen. Ob der von vielen Gemeinden geforderte Lärmschutz nach Neubau-Standard auf der Ausbaustrecke zwischen Grafing und Trudering nötig sei und umgesetzt werde, müssten aber Untersuchungen zeigen.

Bei der Bahn sieht man die Dialogrunden, an denen neben den Bürgermeistern auch Bürgervertreter und regionale Verbände teilnehmen, aber nicht als Beschwerdeforen, vielmehr will man einen konstruktiven Austausch forcieren. Während das Unternehmen über den Baufortschritt informieren und die Leute vor Ort mitnehmen will, sollen diese wiederum ihr Know-how über die örtlichen Gegebenheiten einbringen. Das ist vor allem für den Neubauabschnitt wichtig, bei dem es darum geht, wo genau die zusätzliche Trasse verlaufen soll. Bis zum ersten Quartal 2022 sollen dafür Vorschläge erarbeitet werden, anschließend will man sich auf eine Streckenführung einigen und diese zur parlamentarischen Befassung vorlegen. Ob die Trasse auch wirklich so gebaut wird, entscheidet schließlich der Bund als Auftraggeber.

Geplant sind mehr Züge in geringerem Abstand

Etwas anders stellt sich die Situation zwischen Grafing und Trudering dar. Hier gibt es bereits vier Gleise, auf denen künftig aber mehr Züge als bisher fahren sollen. Wie viele genau, könne man derzeit noch nicht sagen, auch das müssten erst die Untersuchungen zeigen. Ziel sei allerdings eine maximal optimierte Blockverdichtung. Dazu sollen die bestehenden Abstände zwischen den Streckensignalen von derzeit zwischen 1200 und 1500 Meter auf rund 1000 Meter verkleinert werden. Konkret bedeutet das, dass Züge in geringerem Abstand hintereinander die Trasse passieren können. Der S-Bahn-Verkehr dürfe dadurch allerdings nicht beeinträchtigt werden, versprechen die Planer.

Wie sich das darstellen lässt, dürfte ebenfalls noch häufiger Thema in den Dialogforen sein. Die nächsten Gespräche sind für November dieses Jahres angesetzt, in der Zwischenzeit sollen zusammen mit den Kommunen Kriterien entwickelt werden, um die "Belange von Mensch und Natur am besten zu berücksichtigen". Zwar sind die Dialogforen nicht für jedermann zugänglich, die Gesprächsprotokolle werden aber wenige Tage danach auf die Seite www.brennernordzulauf.eu hochgeladen. Man wolle, wie die Planer sagen, schließlich höchstmögliche Transparenz schaffen.

© SZ vom 23.07.2020

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