Für die Brauereien im Freistaat war das vergangene Jahr erfolgreich. So zumindest teilte es kürzlich das Statistische Landesamt mit: Nicht nur hatte Bayern im vergangenen Jahr mit 23,8 Millionen Hektolitern den höchsten Bierabsatz aller Bundesländer, die Menge ist laut den Statistikern im Vergleich zu 2023 sogar um 400 000 Hektoliter gestiegen. Dass die Kundschaft im vergangenen Jahr anständig durstig war, bestätigen auch die Brauer aus dem Landkreis Ebersberg – ausschließlich positiv war das Geschäft 2024 indes nicht.
Bei Wildbräu in Grafing ist man durchaus zufrieden mit dem Absatz, sagt Bräu Gregor Schlederer, „es läuft gut“. Das führt der Wildbräu-Chef aber vor allem auf die lokale Verwurzelung zurück, „ich glaube, die kleineren Brauereien stehen eher auf der Gewinnerseite“. Die Statistik des Landesamtes scheint dies zumindest indirekt zu bestätigen. Denn zwar legt auch der Export insgesamt zu, der Anteil an der Gesamtmenge bleibt mit 24,6 Prozent aber in etwa auf Vorjahresniveau. Was folglich bedeutet, dass der höhere Absatz in Summe zum größeren Teil auf eine gestiegene Inlandsnachfrage zurückzuführen ist.

Was etwa bei Wildbräu ohnehin fast die einzige Nachfrage ist: „Wenn wir nach Baden-Württemberg liefern, ist das schon Export“, so Schlederer. Ein bisschen außerhalb der Region liefern die Grafinger allerdings schon auch: Mittlerweile gebe es Wildbräu auch in den als Urlaubszielen beliebten Nachbarländern Österreich und Italien, wenn auch nicht flächendeckend.
Keinen Kommentar zum Bierabsatz gibt es derweil von der zweiten großen Brauerei im Landkreis Ebersberg: Schweiger Bräu aus Markt Schwaben lässt mehrere Anfragen zum Thema unbeantwortet.

Essen und Trinken:„Beim ‚Hellen‘ wird die Weltspitze zwischen München und Salzburg gebraut“
Der Grafinger Martin Blickhan fährt im nächsten Jahr mit dem deutschen Nationalteam zur Weltmeisterschaft der Biersommeliers. Wie das Training abläuft, wann Bier nach Pappe schmeckt und welches überhaupt am besten schmeckt.
Gute Nachrichten kommen dagegen von den Nachbarn in Poing: Bergfeldbräu. Deren Produkt ist noch viel regionaler, als das der Grafinger – was auch daran liegt, dass die Brauerei seit noch nicht einmal fünf Jahren besteht. Seit Dezember 2020 wird das Poinger Bier gebraut und, wie Braumeister und Geschäftsführer Johannes Schimpf sagt, dieses wurde seitdem vor allem „rund um den Schornstein verkauft“, also in Poing und allernächster Umgebung.

Was dem Erfolg keinen Abbruch getan habe, sagt Schimpf – ganz im Gegenteil. Der Absatz der Poinger Brauerei habe nicht nur im vergangenen Jahr, sondern seit der Gründung ständig zugelegt. Mittlerweile findet man das Bergfeld-Bier auch in etwas weiterem Umkreis, es wird mittlerweile sogar im Rhein-Main-Gebiet getrunken. Die stärkere Verbreitung in der Region München sei das Ziel der kommenden Jahre.
Doch auch wenn es Schimpf natürlich sehr freut, dass die Kundschaft offenbar immer mehr auf den Geschmack seines Bieres kommt, gibt es einen nicht ganz kleinen Wermutstropfen: Steigende Umsätze seien nicht gleichbedeutend mit steigendem Gewinn, sagt der Bräu von Poing. Denn auch die Produktionskosten stiegen stetig, „ich verdiene als Person heute genau so viel, wie am ersten Tag“.

Bei der Ebersberger Schlossbrauerei sind im Hinblick auf den Absatz derzeit keine größeren Ausschläge zu vermelden, sagt Martin Otter – was aber vor allem daran liege, dass man im Vergleich zu den anderen Brauereien „ein zartes Pflänzchen“ sei. 2019 wurde Schlossbräu von der Familie des letzten Bräu von Ebersberg gegründet, allerdings bislang ohne eine eigene Brauerei, das Bier wird im Auftrag bei Camba Bavaria gebraut.
Zwar gibt es schon länger die Idee, die alte, 1974 stillgelegte, Brauerei zu reaktivieren und vielleicht mit einer Gastronomie zu versehen. „Aber die Kapazitäten haben wir gerade nicht“, sagt Otter, schließlich seien die Schlossbrauer beruflich anderweitig eingespannt. Das könnte sich aber vielleicht ändern, sollte sich der Absatz-Boom beim Bier auch noch im großen Stil bei Schlossbräu niederschlagen.

