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Landgericht München:Beziehungsstreit endet im Gefängnis

Ein 39-Jähriger aus dem Landkreis steht in München vor Gericht, weil er seine Frau vergewaltigt haben soll

Von Andreas Salch, Ebersberg/München

Zwölf bis 14 Stunden täglich habe er auf dem Bau geschuftet - das seien 220 bis 240 Stunden im Monat. "Ich hab' das für meine Familie getan", schluchzt der Angeklagte mit tränenerstickter Stimme. Und nun sitzt er auf der Anklagebank der 3. Strafkammer am Landgericht München II. Besonders schwere Vergewaltigung, Körperverletzung und Nötigung legt die Staatsanwaltschaft dem 39-jährigen Bauarbeiter zur Last. Was er zu den Vorwürfen sagt, ist beim Prozessauftakt an diesem Montag jedoch nicht zu erfahren. Auf Antrag der Verteidigung schließt die Kammer die Öffentlichkeit für den Teil der Verhandlung aus, in dem es um die Tat geht. Es kämen dabei auch Dinge aus dem Intimleben ihres Mandanten zur Sprache, so die Anwältin. Bei dem mutmaßlichen Opfer handelt es sich um die 20-jährige Frau des Bauarbeiters.

Als die Vertreterin der Staatsanwaltschaft die Anklage verliest, sitzt der Mann da und starrt die meiste Zeit vor sich hin. Nur manchmal schüttelt er leicht den Kopf. Vor zwei Jahren hatte der 39-Jährige, der im südlichen Landkreis lebt, seine Frau, mit der einen kleinen Sohn hat, geheiratet. Nach dessen Geburt ging die 20-Jährige zurück in ihre Heimat Rumänien. Angeblich kam sie damit ihrer Einweisung in ein psychiatrisches Krankenhaus zuvor. Das behauptet jedenfalls ihr Mann in der Erklärung, die seine Verteidigerin verliest. Anfang März dieses Jahres wollte sie offenbar zurück zu ihrem Mann und einige Tage bei ihm wohnen. Anfang März holte der 39-Jährige sie und den kleinen Sohn in Rumänien mit dem Auto ab. Was der Bauarbeiter angeblich jedoch nicht wusste, war, dass seine Frau inzwischen eine Beziehung mit seinem Neffen eingegangen war.

In den frühen Morgenstunden des 7. März soll der Angeklagte seiner Frau in seiner Wohnung versichert haben, dass er sie liebe und er mit ihr schlafen wolle. Die 20-Jährige soll darauf entgegnet haben, sie wolle nicht und empfinde Ekel vor ihm. Laut Anklage vergewaltigte der 39-Jährige sie daraufhin. Danach soll es zu einem heftigen Streit gekommen sein, der immer mehr eskalierte.

Laut Anklage machte der Bauarbeiter seiner Frau Vorwürfe, dass sie ihn mit seinem Neffen betrüge. Im Laufe dieser Auseinandersetzung soll der 39-Jährige dann in die Küche seiner Zwei-Zimmer-Wohnung gegangen sein und sich ein Küchenmesser mit einer rund 20 Zentimeter langen Klinge geholt haben. Seine Frau muss etwas geahnt haben. Denn sie soll bereits auf den Flur des Mehrfamilienhauses gerannt sein, um zu flüchten. Ihr Mann setzte ihr nach, sprang vom Flur im zweiten Stock über das Geländer auf die Treppe und schnitt so seiner Frau den Weg ab. Anschließend soll er sie am Nacken beziehungsweise am Hals gepackt und zurück in die Wohnung gezogen haben. Als sie im Wohnzimmer auf dem Boden gelegen habe, soll der Angeklagte ihr das Küchenmesser direkt an ihre Wange gehalten und damit gedroht haben, ihr das Gesicht zu zerschneiden "um sie" - so heißt es in der Anklage - "hässlich zu machen, damit auch der Neffe sie nicht mehr mag". Zudem soll der 39-Jährige seiner Frau angedroht habe, er werde ihr die Haare abschneiden und von ihr gefordert haben, seinem Neffen eine Mail zu schreiben, dass sie wieder mit ihm zusammen sei. In dem Augenblick, als die 20-Jährige ihr Handy holte, soll ihr Mann das Küchenmesser auch an das gemeinsame Kind gehalten haben, das in seinem Bettchen schlief.

In der Untersuchungshaft, sagte der Bauarbeiter zu den Richtern, habe er 40 Kilogramm abgenommen, "weil ich nicht verstehe, warum sie mir das antun." Der Prozess dauert an.

© SZ vom 01.09.2020
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