Süddeutsche Zeitung

Kursabschluss in Pliening:"Feuerwehr soll Spaß machen"

Angehende Jugendleiter lernen an verschiedenen Orten im Landkreis, wie man junge Leute für das Ehrenamt begeistern kann

Von Selina Schaefer, Pliening

Eine ausgelassene, lustige Stimmung herrscht bei der Gruppe, die sich um halb acht vor dem nagelneuen, schwarz-rotem Feuerwehrhaus der Freiwilligen Feuerwehr unmittelbar vor dem Ortsschild Pliening versammelt. Es ist der Abschluss des ersten Lehrgangs zum Jugendleiter - bei der Feuerwehr: Jugendwart - seit eineinhalb Jahren und erst der zweite, der auf Landkreisebene veranstaltet wird. Wie Mathias Weigl berichtet, war die Nachfrage nach dem Lehrgang jedoch "zögerlich".

"Wir brauchen Jugendleiter", sagt der Kreisjugendfeuerwehrwart draußen vor der Fahrzeughalle. Aber die acht Teilnehmer für den eigentlich auf vierzehn Personen ausgelegten Kurs zusammen zu bekommen, war dann doch nicht leicht. Die zwei Frauen und sechs Männer zwischen 19 und 48 Jahren kommen aus den unterschiedlichsten Ecken des Landkreises Ebersberg. Die Organisatoren sind jedenfalls froh, dass sie den Kurs normal in Präsenz abhalten können, denn auch wenn es Online-Stunden gegeben habe, "aber alles online geht nicht", so Weigl.

Jugendwarte sind sowohl Ansprechpartner als auch Ausbilder für den Nachwuchs bei der Jugendfeuerwehr und entsprechen in etwa dem Kommandanten bei den Erwachsenen. Sie betreuen die zwischen Zwölf- und 18-Jährigen, die hier zunächst spielerisch, später auch realitätsnäher das helfende Handwerk vermittelt bekommen. Von den 47 Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis Ebersberg besitzen 27 auch Jugendfeuerwehren. Für die Nachwuchsarbeit sind die Jugendwarte somit von zentraler Bedeutung, denn die "Motivation steht und fällt mit den Jugendleitern", meint Weigl. Stefanie Kaba, 25 Jahre alt und seit drei Jahren bei der Feuerwehr aktiv, erklärt: "Manche leiten auch schon Jugendgruppen und machen diese Qualifikation wegen Corona nachträglich."

Den Aufgaben und der Verantwortung entsprechend umfassend ist auch der Lehrgang. Seit Anfang Juli trafen sich die Teilnehmer mehrmals die Woche abends für insgesamt zehn Unterrichtseinheiten, immer in einem anderen Feuerwehrhaus im Landkreis. Zusätzlich gab es zwei Online-Schulungen und ein Schulungswochenende in Königsdorf. Dabei wurden ihnen nicht nur die Aufgaben eines Jugendwartes und Feuerwehrspezifisches vermittelt, sondern auch über allgemeine Jugendarbeit, rechtliche Aspekte oder auch Prävention sexualisierter Gewalt aufgeklärt. Dazu standen noch Gruppen- und Spielpädagogik, allgemeine Pädagogik sowie Didaktik auf dem Lehrplan.

Letztes Thema heute: Brandschutzerziehung wie sie etwa an Schulen stattfindet. Weigl spricht über das Potenzial, dadurch Interesse bei Kindern zu wecken. Zugleich halte man Kontakt zur Bevölkerung und könne neue Mitglieder für die Jugendfeuerwehr gewinnen. Denn Nachwuchs wird gebraucht. Auch der 21-jährige Daniel Eberle - seit sieben Jahren Feuerwehrler - hofft, dass er mit dem Neugelernten den Jugendlichen Wissen spielerischer vermitteln und sie so für die Feuerwehr begeistern kann: "Wir wollen in Markt Schwaben eine neue Jugendgruppe aufbauen und kamen so in den Kurs." Die Markt Schwabener Feuerwehr habe derzeit nur zwei Jugendliche, das wolle man natürlich vergrößern.

Für Stefanie Kaba ist am Ende klar, dass der Lehrgang im eigenen Landkreis durch den unmittelbaren Bezug besser als an der Feuerwehrschule sei, wo er üblicherweise abgehalten wird. Positiv überrascht habe sie, dass der Lehrgang nicht trocken gewesen sei. "Feuerwehr soll Spaß machen", das habe der Lehrgang schön widergespiegelt. Einig waren sich alle Teilnehmer in der abschließenden Fazitrunde, dass sie sich über den Lehrgang hinaus auch künftig weiter untereinander austauschen wollen. Die Gruppe sei über die vergangenen vier Wochen gut zusammengewachsen, bemerkt auch Weigl. Bevor allerdings die Urkunden in Empfang genommen werden, lässt man schon vorher den erfolgreich abgeschlossenen Lehrgang bei einem gemeinsamen Essen im gemütlichen Stüberl ausklingen.

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SZ vom 03.08.2021
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