SZ-Serie: Kuriose Geschenke:Ein Kochbuch zu viel

Lesezeit: 2 min

Wer gerne am Herd steht, freut sich über Kochbücher. Auf SZ-Autorin Alexandra Leuthner trifft das allerdings nicht zu. (Foto: Alexandra Leuthner)

SZ-Autorin Alexandra Leuthner steht nicht gerne an heißen Töpfen, bekam aber trotzdem jahrelang immer wieder Kochbücher geschenkt.

Von Alexandra Leuthner, Ebersberg

Der eine verschenkt traditionell selbst gestrickte Schafwollpullover - und sorgt damit bei den Empfängern für gemischte Gefühle, die andere wurde als Veganerin schon mal mit einem Metzgerei-Abo bedacht ... Die SZ Ebersberg hat für ihre Serie "Kuriose Geschenke" Menschen aus dem Landkreis Ebersberg nach ihren Erfahrungen mit unerwarteten Gaben gefragt.

Ein tiefer Schacht, in dem alles unwiederbringlich versinkt, zumindest, wenn man es mit ordentlich Schwung hineinwirft. Am Grund ist es richtig finster, gut so. Genau dahinein purzelten sie, die Bücher. Zurück blieben Erleichterung und die Reste einiger fast verrauchter Wolken aus Ärger.

Vorausgegangen war dem späten Besuch auf dem Wertstoffhof eine Serie jahrelanger Missverständnisse. Und, damit nicht das nächste Missverständnis entsteht: Es waren Kochbücher, die den Weg in die Dunkelheit fanden - niemals brächte die Autorin es über sich, irgendeine Art von Belletristik in die Dunkelheit zu stürzen, Bücher sind etwas Heiliges. Und Bücher hatte sie sich gewünscht, solche zum Lesen, nicht zum Kochen, das zum Missverständnis.

SZ-Serie: Kuriose Geschenke
:Ein Geschenk aus dem Jenseits?

Pola Gülberg, SZ-Pflegekolumnistin, hat vergangenes Weihnachten nicht schlecht gestaunt: Da bekam sie ein Präsent von ihrer Oma, die schon vor Jahren gestorben war.

Von Johanna Feckl

Jedenfalls hatte es eine Zeit gegeben, in der zuverlässig an Weihnachten diese Päckchen unter dem Baum lagen, schön verpackt mit Schleife und auf den ersten Blick als Buch zu erkennen. Zumindest anfangs war die Vorfreude groß: yeah, ein Buch! Die Weihnachtsferien vor der Tür, viel Zeit, und jetzt auch noch was Schönes zum Lesen. Das Geschenk, vom immer gleichen Zweig der Verwandtschaft, wurde also erwartungsfroh in die Hand genommen, abgewogen, beäugt. Doch irgendwann stellte sich die ernüchternde Erkenntnis ein, dass auch diesmal wohl wieder keine Geschichten im Paket sein würden, kein "Name der Rose", kein "Geisterhaus" oder etwas Ähnliches, noch nicht einmal Schokolade zum Frühstück.

Stattdessen offenbarte das aufgerissene Papier immer und immer wieder profane Kochanleitungen. Die besten Salate. Kochen mit Curry. Kochen ohne Kalorien. Kochen für Einsteiger (sic!). Kochen wie in Frankreich. Kochen mit Shrimps. Kochen mit und ohne Salz. Ja, sogar ein Nutellakochbuch war dabei. Bis heute ist nicht geklärt, wieso die Schenkenden nicht einfach einen Büchergutschein in ein Kuvert steckten, immerhin hatte die Beschenkte keine Gelegenheit ausgelassen, darauf hinzuweisen, dass sie gerne las, aber kochen nicht ausstehen konnte. Gar nichts wäre besser gewesen als ein Kochbuch, zumal die spätere Zeitungsschreiberin, ohnehin in einer Phase der Orientierungslosigkeit, alles werden wollte, aber sicher keine Hausfrau.

Irgendwann half ein Wutausbruch, es flossen Tränen, der Spuk fand ein Ende. Und die Kochbücher Jahre später zum Wertstoffhof, ebenso wie vermutlich auch mindestens 19 ungeliebte Puppen, die 15 Kindheitsjahre lang hoch oben auf einem Schrank Staub ansetzten. Puppenmutti wollte sie schließlich auch nicht sein.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

SZ PlusAmtsgericht Ebersberg
:"Hier kämpfen keine Schwerverbrecher"

Im Prozess um die Abseilaktion auf der A94 gibt es ein Urteil. Drei der Klimaaktivisten müssen eine Geldstrafe bezahlen, eine weitere muss soziale Dienste leisten. Für die grundsätzlichen Ziele der jungen Menschen bringt der Ebersberger Richter aber durchaus Verständnis auf.

Von Andreas Junkmann

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: