Einen kleinen Einblick in sein anarchisch-kritisches Schaffen gibt Mike "Spike" Froidl, der im vergangenen Jahr beim Ebersberger Kunstverein zu Gast war, nun in Grafing. "Ein Privatier hat seine Ex-Werkstatt zur Galerie erklärt, um etwas Kultur in sein Städtchen zu bringen", erklärt der Berliner Künstler - und diese Gelegenheit, vermittelt von Künstlerfreund Thomas Hager, habe er gerne genutzt. Im "Kunstraum Werkstatt 18", der ehemaligen Radwerkstatt am Marktplatz 18, zeigt Froidl unter dem Titel "Masked Chaos!" Malerei, Grafik und Film. Vernissage ist am Samstag, 2. Oktober, um 19 Uhr.
Froidl lebt als klassischer Punk in Berlin, inklusiver allerhand subversiver Aktionen, etwa gegen die Gentrifizierung, seine Kreativität hat stets eine gesellschaftlich-politische Botschaft, ist eine "Stellungnahme zu den Ungeheuerlichkeiten der Welt". Geboren wurde Froidl 1964 in Regen im Bayerischen Wald, ab 1970 wuchs er in München auf, wo er später an der Kunstakademie Meisterschüler des großen Robin Page war, genannt "Bluebeard". Tatsächlich trug der Professor seinen weißen Bart blau - ein Werk von Spike Froidl. Page war eine Ikone der Kunstrichtung Fluxus, bei der es nur auf die schöpferische Idee ankommt, nicht auf der Kunstwerk, das als bürgerlicher Fetisch gilt. Mike Froidl ist dem Fluxus bis heute verpflichtet, hinzu kommt bei ihm allerdings noch ein anderes Genre, denn parallel zur Akademie studierte er bei einem japanischen Zenmönch die Kunst der fernöstlichen Kalligrafie.
In Grafing zeigt Froidl unter anderem - passend zum Tag der Deutschen Einheit - seinen neuen Film "Preußen First! Bismarcks Imperium", der erzählt, "wie das deutsche Reich widerwillig entstand und unter anderem Bayern über den Tisch gezogen und einverleibt wurde". Dazu muss man wissen: Krieg ist eines der Themen, denen sich der gerne seriell arbeitende Künstler immer wieder widmet, die Pickelhaube ein wiederkehrendes Motiv. "Wenn man als Niederbayer bei den Preußen lebt, kommt man daran ja fast nicht vorbei", sagt Froidl und lacht. Zur Finissage am Samstag, 30. Oktober, um 19 Uhr läuft dann der zum Reformationstag passenden Film "Luther fuck off - ein rücksichtsloser Kriegszug gegen Menschenrechte, Hexen, Täufer, Behinderte und Juden". Zwischendrin können mit dem "Werkstatt-Galeristen" Reinhardt Riederer unter (0162) 634 93 84 Besichtigungstermine vereinbart werden (Anrufzeit täglich zwischen 12 und 20 Uhr).
