
Lasst uns für eine Weile den Blick abwenden von der Realität da draußen und uns anderen Dingen widmen. Eine Einladung, der man nur allzu gerne Folge leisten möchte, in diesen Zeiten vielleicht noch mehr als in anderen, in denen Gespräche über verzweifelte Menschen in Afghanistan oder die Coronapandemie gefühlt an keiner Schwelle enden. Formuliert hat die Einladung der Künstler Peter Troje am Donnerstagvormittag in der Galerie Alte Brennerei im Studio an der Rampe, Hammer, Meterstab und Bleistift als Werkzeug zum Aufhängen seiner neuesten Bilder noch in der Hand. Einem lichtgefluteten Vormittag, wie er nicht schöner hätte sein können, um Trojes - der Form und der Farbe huldigenden - Bildern den rechten Rahmen zu geben.
In seiner vierten Ausstellung hat sich Troje "Landschaften und Dreiecksgeschichten" verschrieben, doch könnte der Titel nur allzu leicht diejenigen in die Irre leiten, die noch nie Bilder des Haarer Malers gesehen haben, der auch Mitglied im Ebersberger Kunstverein ist. Die Geometrie, nicht als Teilbereich der Mathematik sondern als Mittel zur Gestaltung der Fläche ist für Troje, Jahrgang 1939, das Maß aller Dinge. Die klare Kante, in seinem früheren Beruf als Architekt als Arbeitsgrundlage wie Darstellungselement unerlässlich, ist Dreh- und Angelpunkt seiner Bilder, perspektivgebend und die Perspektive verfremdend zugleich. So sind seine Dreiecksgeschichten auf die Fläche gebannte Konstrukte aus geometrischen Formen und alles andere als leidenschaftliche Beziehungskisten - auf den ersten Blick zumindest.

Leidenschaftlich ist Peter Trojes Verhältnis zur Malerei durchaus, wie seine Frau Karen verrät, die den Schaffensprozess ihres Mannes seit Jahrzehnten begleitet, als Beobachterin, wie sie hinzufügt. Schon als Schüler habe er mit Kreide und Stift hantiert, erzählt Troje, und damit seiner Schwester nachgeeifert, die ebenfalls Malerin gewesen sei. Waren es früher Aquarell oder Ölkreide, womit er eher gestische Bilder, abstrahierte Landschaften oder "Allover-Malereien ohne Schwerpunkte" gefertigt habe, ist heute Acryl sein Darstellungsmittel. Heute sind seine Bilder konzentrierte Gestaltungen, in denen er immer wieder versucht, Farben zu reduzieren, monochrom zu arbeiten, wobei gerade diese monochromen Darstellungen eine besondere Tiefe aufweisen. Corona blau und Corona rot hat er zwei große in ihrer Aufteilung identische und in der Farbgebung dem Titel entsprechende Bilder überschrieben. Zwei schwarze Dreiecke unterbrechen jeweils in der Mitte des Bildes die mehrdimensional wirkende Kombination aus Dreiecken in mehreren unterschiedlichen Blau- und Rottönen, bilden gewissermaßen den Ausgangs- und Endpunkt für die Entfaltung der Farben. Schlicht Faltungen hat Troje drei Bilder genannt, in Grautönen, kontrastiert mit Rot und Schwarz vor blauem, weißen, oder rosa Hintergrund, auf denen er die Kanten seiner Formen in schwarzer Farbe sichtbar gemacht hat, was den Körpern Stabilität und Komplexität verleiht, aber auch Transparenz; Origamifiguren ähnlich, die ein zufälliger Windstoß an Ort und Stelle geweht hat.

"Man muss keinen tieferen Sinn sehen", sagt Peter Troje über seine Bilder - vielleicht aber lässt sich doch in ihnen der Versuch erkennen, über die unbedingte Form Struktur in die Welt zu bringen, was vielleicht noch deutlicher wird an seinen Landschaften. "Geometrie ist so eine klärende, eine klare Geschichte", sagt Peter Troje, die Beschäftigung damit gleiche einer inneren Reinigung. Und so wird der Betrachter auch auf den Landschaftsbildern kaum anderes finden als die pure Form. Egal, ob es um eine Sommerliche Landschaft oder ein Gelbes Feld geht. Während Troje zumindest seinem Bergsee eine leicht wellige Uferlinie zugesteht, in der sommerlichen Landschaft eine Auflösung der strikten Linie andeutet, treibt er in Pyramiden am Strom seine Huldigung des Dreiecks auf die Spitze und schafft doch mit diesen auf vier Farben und eine einzige Form reduzierte Darstellung die perfekte Illusion eines Postkartenmotivs. Nur einmal, am fernen Ende einer langen Gerade, die perspektivisch auf ein blaues Gewässer zuläuft, Nordküste heißt das Bild, macht er eine Ausnahme. Die Flaggen von Deutschland, Frankreich und Italien wehen hier und verweisen gewissermaßen zurück in die real existierende Welt.
Die Ausstellung Peter Trojes "Landschaften und Dreiecksgeschichten" wird mit einer Vernissage am Freitag, 3. September, ab 18 Uhr eröffnet und ist am Samstag, 4. und Sonntag, 5. September, von 14 bis 18 Uhr in der Galerie "Alte Brennerei Studio an der Rampe" zu sehen.