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Landkreis Ebersberg:Hilfe für Künstler in Not

Sonja Tittmann
Präsidentin Lions Club Ebersberg

Sonja Tittmann, Präsidentin des Lions Clubs Ebersberg, will weiter Spenden für die Kultur sammeln.

(Foto: Privat)

Lions Club gewährt einen kleinen Zuschuss. Präsidentin Sonja Tittmann aus Steinhöring erklärt, wie und warum.

Interview von Anja Blum, Ebersberg

Viel wird derzeit geschimpft und geklagt über die staatlichen Unterstützungen für all jene, denen die Pandemie finanziell empfindlich zusetzt, zum Beispiel Menschen aus der Kulturbranche. Zu bürokratisch und lebensfremd seien die Programme, die Auszahlung erfolge nur schleppend. Einen zumindest kleinen Lichtblick bietet da der Ebersberger Lions Club: Er stellt nun den Betroffenen der Veranstaltungsszene im Landkreis eine Spende in Aussicht. Man wolle "die Notsituation lindern helfen", heißt es auf der Homepage. Wie diese "Hilfe für die Kultur" funktionieren soll, erklärt Club-Präsidentin Sonja Tittmann aus Steinhöring.

SZ: Frau Tittmann, wann und wie kam es zu der Idee, mit dem Lions Club die Kulturszene zu unterstützen?

Sonja Tittmann: Das war schon im Mai 2020, im ersten Lockdown also. Wir hatten eine Veranstaltung mit der Grafinger Artistikgruppe "Movimento" geplant, die der ehemalige Schulleiter Harald Parigger vermittelt hatte. Da wollten wir eigentlich Spenden sammeln. Aber dann kam die Pandemie - und das Thema Kultur lag quasi schon auf dem Tisch. So ist dieses Förderprogramm entstanden.

Und dann? Haben Musiker, Schauspieler und Co. Ihnen die Bude eingerannt?

Nein, bislang nicht, aber wir haben das Projekt auch noch nicht groß beworben. Bisher hat sich daher erst eine Handvoll Betroffener bei uns gemeldet.

Mit Erfolg?

Ja, die haben alle Unterstützung bekommen.

Wie genau sieht diese aus - und wer kann einen Antrag stellen?

Es geht um eine Einmalzahlung von 300 Euro. Das Angebot richtet sich an freischaffende Menschen der Veranstaltungsbranche, also Sänger, Schauspieler, Kleinkünstler, Artisten oder Schausteller ohne festes Engagement und regelmäßige Einkünfte. Außerdem müssen die Antragsteller im Landkreis Ebersberg leben.

Der regionale Bezug ist dem Club wichtig?

Ja, unsere Spenden sollen immer vor Ort bleiben.

Wofür werden diese normalerweise verwendet?

Ach, das sind Themen querbeet. Von der Tafel über den Frauennotruf bis hin zur Altersarmut. Die Schwerpunkte setzt oft der jeweilige Präsident.

Und Sie selbst sind demnach kulturaffin?

Nein, eigentlich nicht (lacht). Ich bin Maschinenbauingenieurin. Aber die Not dieser Branche war eben sehr aktuell.

Wer in den Genuss der Unterstützung kommen will, muss dem Club einige Nachweise erbringen...

Ja, wir müssen schließlich die Bedürftigkeit prüfen. Anders geht es nicht. Aber wenn es Probleme geben sollte, können die sicher in einem Gespräch geklärt werden.

Wie viele Betroffene werden Sie noch unterstützen können? Ist der Kulturtopf gut gefüllt?

Na ja, es geht. Im vergangenen Jahr war es wegen Corona auch für uns schwierig, Spenden zu akquirieren. Unsere beiden Haupteinnahmequellen sind die Weihnachtsmärkte in Ebersberg und Grafing, wo wir bislang immer Essen und Bücher verkauft haben. Aber die Märkte sind 2020 ja wie so vieles ins Wasser gefallen.

Und Alternativen gibt es nicht?

Doch, durchaus. Wir haben gerade eine Veranstaltung geplant, der den Kulturtopf noch weiter füllen soll: ein Online-Vortrag der Journalistin Corinna Budras zum Thema "Regulierung digitaler Plattformen - aber wie?" Stichwort: Twitter sperrt Trump, zum Beispiel. Das wird sicher sehr spannend.

Ist das ein Termin nur für Mitglieder?

Nein, da kann sich jeder zuschalten, der eine Spende von zehn Euro zu zahlen bereit ist. Der Vortrag findet statt am 26. März um 18 Uhr. Herzliche Einladung!

Alle Infos: www.lions.de/web/lc-ebersberg/hilfe-für-die-kultur

© SZ vom 25.02.2021
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