bedeckt München 14°
vgwortpixel

Kultur in Moosach:Monologe und Mythen

Das Meta-Theater feiert das Frühjahr mit allen Sinnen

Multikulturell und mit allen Sinnen erfahrbar gestaltet sich das Programm des Meta-Theaters in Moosach in den nächsten Monaten. Eine Tour, die Raum und Zeit transzendiert, verspricht etwa das Projekt "The Land's Heart is Greater Than Its Map". Die Zuschauer können es sich auf ihren Stühlen bequem machen und werden virtuell durch die einzige Stadt geführt, die zweimal existiert: auf der Erde und im Himmel. Konzipiert wurde diese Tour von Olivia Furber aus England und dem Palästinenser Ramzi Maqdisi. Das Fundament bildet die Geschichte eines Mannes, der jahrzehntelange Ungerechtigkeiten in seiner Stadt mit ansehen musste, und nun langsam taub wird. In der Stadt, die er nun zeigt, ist die Wahrheit unaussprechlicher als die Fiktion; so ist es etwa verboten, das Meer anzufassen oder ehrlich zu sein. Hinter alldem steht die Frage: Wer hat die Deutungshoheit über eine Stadt und ihre Geschichten? "The Land's Heart is Greater Than Its Map" ist am Samstag, 29. Februar, um 20 Uhr im Meta-Theater zu sehen.

Aus ihren passiven Rollenzuschreibungen hin zu einer eigenen Stimme verhilft Autor Simon Werle den Frauen aus Shakespeares "Othello" in der Szenischen Lesung "Desdemona". Die Titelheldin und Emilia, die Ehefrau Jagos, sind darin nicht länger bloße Objekte des männlichen Begehrens, sondern gewinnen an charakterlicher Komplexität und sozialer Autonomie. So treten etwa die Bruchlinien in Desdemonas Psyche in Resonanz mit der kriegsbedingten Traumatisierung Othellos. Auch Emilias Revolte gegen die Gewaltverhältnisse, die ihre nordafrikanische Kindheit geprägt haben, findet ihren Ausdruck; in der Ehe mit Jago steigern sich diese ins Unerträgliche. Neben Autor Simon Werle sind Franziska Ball, Markus Beisl, Petra Michelle Nérette, Martin Pfisterer und Leon Sandner beteiligt; für die szenische Einrichtung verantwortlich ist Dagmar Knöpfel. "Desdemona" ist in Moosach zu sehen am Sonntag, 19. April, um 19 Uhr.

Ein interkulturelles Experiment verspricht "Sirag in dialogue" zu werden. Die Musik dazu liefert der ägyptisch-schweizerische Komponist, Sänger und Performer Wael Sami Elkholy; sie verknüpft sich performativ mit den Monologen von Nora Amin, einer ägyptisch-stämmigen Autorin, Performerin, Choreografin und Theaterdirektorin aus Berlin. Amin wurde bekannt durch ihren Essay "Weiblichkeit im Aufbruch", in dem sie sich mit der Rolle des weiblichen Körpers im öffentlichen Raum beschäftigt. Einen Zustand von Offenheit, Emotionalität und Behagen will das Experiment "Sirag in dialogue" hervorrufen, und ein Gespräch etwa über Identität in der Musik und aktives Zuschauen anregen. Die visuellen Effekte kreierte Ibrahim Ghareib; der Performance folgt eine Diskussion mit dem Publikum. Zu hören und zu sehen ist der kreative Dialog am Samstag, 9. Mai, um 20 Uhr. Weitere Infos gibt es unter www.meta-theater.com.

© SZ vom 15.02.2020
Zur SZ-Startseite