Glaubt man einem gewissen Lukas, so hat vor mehr als 2000 Jahren in einem gewissen Bethlehem ein Engel in einer wegweisenden Nacht die verängstigten Hirten mit balsamierenden Worten beruhigt: "Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus." So weit, so gut. Holger Paetz fühlt sich angesichts heutiger angeblicher (politischer) Heilsgestalten zur gegenteiligen Maxime inspiriert: "Fürchtet euch!", nennt der Kabarettist, Literat und langjährige Hauptautor des Singspiels beim Starkbieranstich am Nockherberg sein aktuelles Programm, das er am Freitag, 12. Februar, im Kleinen Theater Haar zeigen wird - natürlich im digitalen Format.
Der imperative Titel deutet es an, es wird eine Predigt der härteren Tonart, die naturgemäß weniger gegen die Hirten als gegen die Politiker gerichtet ist. Paetz, in priesterliche Soutane gewandet, kündigt Tacheles an: "Hageln wird es heftige Backenstreiche für all die Pappnasen und Sich-selbst-Erhöher. Für den Heißluft-Horst und den fränkischen Tollpatsch", verkündet er. "Ihr Sündenregister ist gewaltig! Solchen Elementen gehört standgepaukt und heimgeleuchtet. Mag der Zorn des Herrn ungewiss sein, der des Paetz ist es mitnichten!"
Lutz von Rosenberg Lipinsky, der zwei Tage später, am 14. Februar, in Haar auftritt, geht den kritikwürdigen Zustand der Dinge nicht ganz so zornentbrannt, aber ebenfalls entschlossen an: Er firmiert als "Deutschlands lustigster Seelsorger" und spricht den Menschen Mut zu. Der Comedian will die Politik zur Rede und deren Polemik bloßstellen, die uns trostlos in Schrecken versetzen will. "Denn Angst ist kein Zustand - es ist eine Methode." In seinem Programm namens "Geld Macht Angst" plädiert er für einen Systemabsturz, denn die Vermehrung des Geldes als Selbstzweck und seine ungerechte Verteilung ließen die Menschen in vielerlei Hinsicht verarmen. Rosenberg Lipinskys Auftritt ist eine Benefizveranstaltung für den Diözesanverband der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung. Der auf den 27. Februar terminierte Marlene-Dietrich-Abend mit der Schauspielerin Claudia Michelsen ("Polizeiruf 110") wird hingegen in den Oktober verschoben.
Karten gibt es über die Homepage des Kleinen Theaters oder Reservix. Interessierte können unter www.kth.digital den Zugang zu den virtuellen Angeboten nutzen. Theaterchef Matthias Riedel-Rüppel freut sich bei aller Trauer über die Gesamtsituation und die Verlängerung des Lockdowns auf einen virtuell lebendigen Februar: "Ich rechne für das Theater damit, dass wir vor Ostern keine Veranstaltungen im Live-Format durchführen dürfen. Wir werden also auch in den kommenden zwei Monaten auf unsere digitalen Formate setzen. Das funktioniert wirklich sehr gut, nicht nur technisch, sondern auch in der Akzeptanz durch unsere Gäste."
Neben den genannten Veranstaltungen wird es vier weitere Vorstellungen geben und zwar im Format "Feierabend im Netz", bei dem der Eintritt frei ist. "Diese Veranstaltungen werden wir künftig nicht nur über unsere Facebook-Seite streamen, sondern auch auf unserem neuen Youtube-Kanal." Die Termine: An diesem Mittwoch, 3. Februar, spielen Flonoton and Friends, am 10. Februar tritt der Liedermacher Andi Starek, Kopf der Kinderrock-Band Schlawindl, auf. Er wird aber nicht nur Musik machen, zusammen mit der Choreografin Andrea Merkert will er unter dem Motto "Special Schlawindl Move" die ganze Familie in Schwung bringen. Am 17. Februar gastieren die Bright Strings in Haar. Das Duo (Violine und Gitarre) spielt Stücke aus verschiedenen Genres (Pop, Jazz. Folk). Am 24. Februar präsentiert schließlich Mira Cardui ihr Programm "L' arc en ciel" (Regenbogen) aus Pop, Chanson, Blues und Jazz.
Auch im März haben Riedel-Rüppel und sein Team schon so einiges geplant: Sie wollen ein "virtuelles Starkbierfest" feiern. "Mit der Ayinger Brauerei und mit Unterstützung des Freundeskreises des Kleines Theaters Haar werden wir unsere virtuelle Gäste mit Leckereien versorgen", so der Theaterchef. Jürgen Kirner, Kopf der Couplet AG, werde online seine Starkbierpredigt halten. "Gemeinsam mit Bezirkstagspräsident Josef Mederer und dem Haarer Bürgermeister Andreas Bukowski werden wir - selbstverständlich Corona-konform - ein Fass anzapfen." Also: Fürchtet euch nicht!