Süddeutsche Zeitung

Kritik trotz klarem Votum:Im Prinzip ja

Vaterstettens Gemeinderat stimmt für den Bau einer neuen Turnhalle an der Wendelsteinschule. Zum Vorgehen gibt es indes Bedenken, einige im Gremium fordern ein Gesamtkonzept für Großprojekte

Zeitdruck ist zwar ein essenzielles Element des Sports, aber eher für die Sportler und weniger beim Bau von Sportstätten. Außer in Vaterstetten, dort soll nun in Rekordzeit eine neue Turnhalle für die Schule an der Wendelsteinstraße entstehen, bis Ende 2023 muss alles fertig sein. Grund für die Eile ist ein zeitlich begrenztes Förderprogramm für den Bau von Schulsportstätten.

Das man nur für Leistungen in Anspruch nehmen könne, die bis 31. Dezember 2023 abgerechnet sind, erklärte nun Kämmerer Markus Porombka im Gemeinderat, "am 1. Januar 2024 gibt es keinen Cent mehr". Um in die konkrete Planung einzusteigen, sei es darum auch "nicht fünf vor zwölf, sondern eine Minute vor zwölf". Vor fast genau einem Jahr hatte sich die Gemeinde um die Fördermittel beworben und auch einen Zuschlag bekommen, aber eben mit Zeitlimit.

Doch nicht nur deswegen ist Eile geboten, die Turnhalle ist nämlich schon länger ein Sanierungsfall. So fiel Ende 2013 viel Schnee und daraufhin für einige Zeit der Sportunterricht in der Halle aus. Ein Gutachten hatte schwere Mängel an den Dachträgern ergeben. 2015 wurde das Problem dann provisorisch behoben: für knapp 100 000 Euro gab es eine Notsanierung. Bereits damals gab der Architekt den Gemeinderäten aber auf den Weg, baldmöglichst eine dauerhafte Lösung zu finden und empfahl ob der insgesamt schlechten Bausubstanz eine komplett neue Turnhalle.

Dies sieht man auch im Bauamt der Gemeinde so, wie Ralf Schloemilch, zuständig für Schulbauten, nun vorrechnete. Würde lediglich das marode Dach erneuert, sei mit Kosten von 1,2 Millionen Euro zu rechnen, außerdem müsste sich die Schule für mindestens ein Jahr eine neue Sportstätte suchen. Doppelt so lange gesperrt wäre die Halle, würde sie generalsaniert, was nach derzeitigem Stand rund 3,7 Millionen Euro koste. Eine neue Halle sei schon für 2,9 Millionen zu haben. Für weitere 2,3 Millionen könnte man in dem Neubau den Hort mit drei Gruppen unterbringen, auch dies würde gefördert. Insgesamt entspreche die Förderung etwa 40 Prozent der Gesamtkosten, so Porombka, die Gemeinde könne also mit rund zwei Millionen Euro rechnen - aber eben nur, wenn alle Kosten noch vor Ende 2023 abgerechnet seien.

Als Standort schlägt das Bauamt die westliche Seite des Pausenhofes vor, direkt im Anschluss an das "Winkelbau" genannte Büro- und Ladengebäude an der Wendelstein- und Dreitorspitzstraße. Dieser hätte mehrere Vorteile, so Schloemilch. So steht zum der Neubau einer eventuellen Erweiterung oder Verlegung der Schule nicht im Weg. Außerdem könnte ein zweiter Eingang in die Halle entstehen, etwa für Sportvereine, deren Leute das eigentliche Schulgelände oder -gebäude dann nicht betreten müssten. Durch die Vorab-Festlegung auf einen Standort könne auch das Vergabeverfahren weniger aufwendig gestaltet werden, so Schloemilch, die Planungskosten schätzt man im Bauamt auf insgesamt rund 400 000 Euro.

Grundsätzlich waren die Gemeinderatsmitglieder mit dem Vorgehen einverstanden, ohne Gegenstimmen wurde der Neubau beschlossen. Axel Weingärtner (Grüne) regte an, den Auslobungstext vor der Freigabe noch einmal dem Gemeinderat oder dem Bauausschuss vorzulegen. Auch dies wurde einstimmig angenommen, genau wie Sepp Mittermeiers (SPD) Forderung nach einer Solarthermie- beziehungsweise Photovoltaikanlage auf dem Dach.

Am Vorgehen gab es aber durchaus Kritik. So bemängelte Renate Will (FDP), dass man "schon wieder Flickschusterei" betreibe. An der Schule "machen wir immer das, wofür es Fördergeld gibt", etwa im vergangenen Jahr den Einbau der neuen Fenster, und nun eben die neue Halle. "Wir sollten aber mal entscheiden, wie es mit der Schule insgesamt weitergeht", forderte Will. Denn um die Schule wurde in den vergangenen Jahren schon heftig gestritten, es gab Ideen, diese mit der neuen Schule am Sportplatz zusammenzulegen oder am alten Platz einen Neubau hinzustellen - so wie es nun mit der Turnhalle geschieht.

Eine Auflösung des Standortes halte er zwar nicht für sinnvoll, so Benedikt Weber (CSU), wohl aber, "dass man sich einmal Gedanken macht, über Neubau oder Sanierung." Auch Cordula Koch (SPD) fand, "dass wir eine ganzheitliche Planung ins Auge fassen müssen", Mittermeier wiederholte eine alte Forderung, wonach man endlich "ein Gesamtkonzept" für anstehende Projekte brauche.

"Wenn ein Konzept gewünscht wird, müsste es eben beantragt werden", sagte Bauamtsleiterin Brigitte Littke. Für das aktuelle Vorhaben sei ein solches aber nicht realistisch, "wir müssen die neue Halle bauen bevor uns die alte wegen der Schäden gesperrt wird." Dass aber am Schulhaus selbst noch viel Sanierungsbedarf bestehe, verneinte Bürgermeister Georg Reitsberger (FW). "Die Schule steht noch zehn bis 15 Jahre." Das Gebäude sei solide und verursache deutlich geringeren Unterhaltskosten, als moderne Schulhäuser mit ihrer aufwendigen Technik, so Reitsberger.

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SZ vom 21.05.2019
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