Verkehrsführung  Kreisstraße EBE 4 könnte dauerhaft verlegt werden

Die A94, hier bei Anzing, soll in den kommenden Jahren ausgebaut werden. Davon könnte auch die Kreisstraße EBE4 betroffen sein.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Im Zuge der Umbauarbeiten am Autobahnkreuz Ost könnte die Verbindung nach Weißenfeld einen neuen Platz bekommen. Nicht nur bei den Anwohnern regt sich Widerstand.

Von Andreas Junkmann, Vaterstetten

Seit etwa drei Jahren ist die Münchener Ostumfahrung eine Dauerbaustelle. In diesem Bereich wird die Autobahn A 99 grundlegend saniert und ausgebaut. Langsam, aber sicher wandern die Bauarbeiten immer weiter in den Süden, bis schließlich auch das im Landkreis Ebersberg liegende Kreuz Ost an der Reihe ist.

Nun ist der Autobahnbau zwar keine Kreisangelegenheit, dennoch waren die Zuschauerstühle im Sitzungssaal des Landratamts gut gefüllt, als sich der zuständige Ausschuss im Kreistag mit dem Thema befasste. Denn die Baumaßnahmen haben direkten Einfluss auf das Kreisstraßennetz - im Speziellen auf die EBE 4. Das ist diejenige Straße, die in nordwestlicher Richtung von Weißenfeld aus die A 99 kreuzt. Der Umbau des Autobahnkreuzes könnte nun dazu führen, dass die Straße dauerhaft verlegt wird.

Da spitzten die Gäste aus Weißenfeld natürlich besonders die Ohren, als Michael Witt von der Autobahndirektion Südbayern das Gremium über den aktuellen Sachstand informierte. Allzu viel Konkretes konnte er allerdings noch nicht sagen. Das liegt auch daran, dass die eigentlichen Planungen für das Kreuz Ost noch gar nicht begonnen haben. Bis Mitte 2019 soll der Vertrag für das Planungsverfahren abgeschlossen sein. Dann sollen die Maßnahmen festgelegt werden. Bereits jetzt steht aber fest, dass die Straßenführung am Autobahnkreuz höchstens einstöckig - also auf Höhe der jetzigen A 94 - bleiben soll. Ein sogenannter Overfly ist damit vom Tisch.

Was Kreisräte und Anwohner aber besonders interessierte, war das weitere Vorgehen bei der Kreisstraße EBE 4. Diese müsse während der Baumaßnahmen gesperrt und dafür an anderer Stelle ein Provisorium eingerichtet werden, wie Witt erklärte. "So ist auch die Idee zur Verlegung der EBE 4 entstanden." Bei der Autobahndirektion stellt man sich vor, die Straße künftig von der Unterführung bei Weißenfeld aus weiter westwärts in Richtung Feldkirchener Gewerbegebiet laufen zu lassen. "Das wäre aus verkehrstechnischer Sicht sinnvoll", so Witt.

"Das könnte existenzbedrohend sein"

Und tatsächlich: Wer derzeit von Weißenfeld über die Autobahnauffahrt Feldkirchen Ost nach München fährt, muss zweimal links abbiegen. Durch eine mögliche Verlegung würden Autofahrer künftig dagegen zweimal nach rechts fahren - was laut Witt für den Verkehrsfluss von Vorteil wäre.

Davon waren aber die wenigsten im Sitzungssaal wirklich begeistert. Der Ebersberger Landrat Robert Niedergesäß (CSU) störte sich vor allem daran, dass durch eine dauerhafte Verlegung der Straße weitere Flächen durchschnitten würden. Welche Auswirkungen das auf die Anwohner haben könnte, machte Rudolf Gasteiger vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten an einem Beispiel deutlich.

Einer von drei betroffenen landwirtschaftlichen Betrieben sei im Norden der A 94 angesiedelt, habe südlich davon aber seinen Stall für Pensionspferde. Eine Verlegung der EBE 4 würde für den Betreiber nicht nur einen großen Umweg bedeuten, sondern möglicherweise auch ausbleibende Kundschaft, mutmaßte Gasteiger. "Das könnte existenzbedrohend sein."

Dieser Fall schien die Kreisräte endgültig abzuschrecken, denn sie sprachen sich parteiübergreifend dafür aus, dass die Baumaßnahmen nicht zu Lasten der Anwohner gehen dürften. Philipp Goldner (Grüne) bezeichnete die Planspiele gar als "Irrsinn". Wenn es nicht unbedingt notwendig sei, dürfe man die Betriebe hier keinesfalls einer Existenzgefährdung aussetzen, sagte Magdalena Föstl (CSU). Und auch Alexander Müller (FDP) würde es begrüßen, wenn man nach Abschluss der Bauarbeiten wieder die alte EBE 4 verwenden könne.

Verkehrsexperte Michael Witt versicherte, dass das durchaus eine Möglichkeit ist. "Wir werden hier sicher nicht gegen den Willen des Landkreises arbeiten", sagte er. Noch sei man erst ganz am Anfang der Planungen, es gebe viele denkbare Varianten. Und bis die Bagger anrollen, wird es ohnehin noch einige Jahre dauern. Gegen Ende 2022 sei der Abschluss des Planfeststellungsverfahrens vorgesehen, so Witt.

Baubeginn könnte dann möglicherweise 2025 sein. Schon jetzt legten sich die Kreisräte aber einstimmig darauf fest, dass in den weiteren Planungen auch eine Beibehaltung der heutigen EBE 4 berücksichtig werden soll. In spätestens einem Jahr soll die Autobahndirektion dann wieder im Ausschuss vorstellig werden und über die weiteren Entwicklungen berichten.

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