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Kreisklinik :Seltener in den OP-Saal

In der Kreisklinik werden weniger Babys durch einen Kaiserschnitt auf die Welt geholt als im bundes- und landesweiten Durchschnitt. Die Chefärztin führt das auf die intensive Betreuung der Schwangeren zurück

Es gibt viele Gründe, warum eine Frau und ein medizinisches Team entscheiden, ein Kind per Kaiserschnitt auf die Welt zu bringen. Dennoch kommt diese Geburtenmethode in Ebersberg verhältnismäßig selten zum Einsatz. 182 von 708 Babys wurden 2018 im Kreisklinikum auf diese Weise geboren. Das sind 26 Prozent, und damit weit weniger als im bundes- und landesweiten Durchschnitt. Laut einer Studie der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) waren im Vorjahr 31,6 Prozent aller Geburten in Deutschland Kaiserschnittgeburten, in Bayern lag der Anteil bei 33,1 Prozent. Im Vergleich zu den Vorjahren sind die Zahlen in Ebersberg eher gleichbleibend, während sie bayernweit etwas steigen. Bundesweit sinken sie leicht.

Aber Kaiserschnitt ist nicht gleich Kaiserschnitt, wie Helen Budiman, Chefärztin der Gynäkologie und Geburtshilfeabteilung der Kreisklinik, erklärt. Man unterscheide zwischen primärer, also geplanter, sekundärer und Not-Sectio. Das tatsächliche Qualitätskriterium für ein Klinikum wie Ebersberg sei laut Budimann weniger die Gesamtzahl der Kaiserschnitte, sondern vielmehr eine niedrige Anzahl der sekundären Eingriffe. Ein sekundärer Kaiserschnitt wird nicht geplant durchgeführt, sondern kommt dann zum Einsatz, wenn im Verlauf der Geburt Schwierigkeiten auftreten. "Wenn ein Geburtsstillstand eintritt, wenn die Kinder sehr groß sind, oder wenn zum Beispiel die Herztöne des Kindes schlecht werden", erklärt Budimann. Dann werde abgewogen und im Zweifel ein Kaiserschnitt durchgeführt.

Laut Stefan Huber, Geschäftsführer der Klinik, liegen die Ebersberger Zahlen für sekundäre Kaiserschnitte weit unter dem Durchschnitt. Helen Budiman erklärt, warum die Zahlen so bezeichnend für die Qualität der Abteilung sind: Teilweise könne man bestimmten Ursachen für sekundäre Kaiserschnitte durch intensive Betreuung und Beobachtung durch eine Hebamme vor der Geburt vorbeugen oder entgegenkommen. Anders bei der Not-Sectio, einem Kaiserschnitt also, der aufgrund einer akuten Notsituation durchgeführt werden muss, etwa wenn Mutter oder Kind in Lebensgefahr schweben. Dann steht für Budimann und Kollegen fest: "Das Kind muss in kürzester Zeit raus."

Für diesen Fall gibt es einen festen Ablauf, der in der Klinik regelmäßig geprobt wird. Wenn der Notfallknopf im Kreißsaal gedrückt wird, muss alles ganz schnell gehen, die offizielle Vorgabe liegt bei 20 Minuten, "aber wir sind da immer deutlich schneller", so Budiman.

Neben der Not-Sectio und der sekundären Sectio gibt es dann noch die geplanten, primären Kaiserschnitte. Ein geplanter Kaiserschnitt wird entweder ärztlich empfohlen, wenn die Schwangere beispielsweise schon mehrere Kaiserschnittgeburten hinter sich hat, das Kind im Mutterleib so liegt, dass es mit dem Becken statt dem Kopf voraus geboren würde, oder wenn durch das Pressen bei der Geburt sehr wahrscheinlich anderweitig größere körperliche Schäden bei der Mutter entstehen würden. Es nehme aber auch im Landkreis die bewusste Nachfrage der Mütter nach geplanten Kaiserschnitten zu, so Budiman. Grund dafür seien meist Ängste vor den körperlichen Belastungen und Veränderungen, die eine Geburt mit sich bringt. "Wenn eine Frau damit zu mir kommt, kann und will ich ihr das nicht ausreden."

Geschäftsführer Stefan Huber erklärt, dass die 708 Kinder, die im vergangenen Jahr in Ebersberg geboren wurden, einen Geburtenrekord seit mindestens zehn Jahren darstellen. Man rechne mit einem weiteren Anstieg der Geburten und wolle daher die Hebammenbesetzung noch ausbauen. Die Geburtenrate spielt aber natürlich auch wirtschaftlich eine Rolle für die Kreisklinik. Fördergelder in Höhe von bis zu einer Million Euro aus einem Programm für Kliniken mit Geburtenraten zwischen 300 und 800 Geburten im Jahr stünden auf dem Spiel, so Huber. Dass die Richtlinien der Förderungen mit absoluten Zahlen arbeiten, also bei bestimmten Quoten keinen Plus- oder Minusspielraum böten, sieht Huber allerdings kritisch, schließlich sei die Geburtshilfe alles andere als präzise kalkulierbar.

Wie auch immer aber die Zahlen der Geburten und Kaiserschnitte in diesem Jahr ausfallen, fest steht, dass die Kinder von September an in einem für die Geburtshilfe neu sanierten Bauteil der Klinik zur Welt kommen werden.