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Kreisklinik Ebersberg:Innovation in der Kardiologie

Sondenloser Herzschrittmacher bei ersten Patienten erfolgreich eingesetzt

Das Team Kardiologie unter Chefarzt Martin Schmidt hat im Februar dieses Jahres erstmals den kleinsten Herzschrittmacher der Welt, das "Medtronic Micra Transcatheter Pacing System", bei einem Patienten der Kreisklinik Ebersberg eingesetzt: die sogenannte Kardiokapsel. "Das war erneut eine großartige Zusammenarbeit mit dem Assistenzteam unter Marina Matjanovski", freut sich der Kardiologe über die kontinuierliche Innovationsbereitschaft seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Inzwischen konnten weitere Patienten mit der neuen Technologie versorgt werden.

Die winzige Kardiokapsel ist weniger als ein Zehntel so groß wie ein herkömmlicher Schrittmacher, etwa so groß wie eine große Vitamintablette. Es bietet die fortschrittlichste Herzschrittmachertechnologie und ist dabei kosmetisch unsichtbar und klein genug, sodass sie über einen Katheter minimal-invasiv über die Leiste unmittelbar ins Herz eingebracht werden kann. Sobald die Kardiokapsel positioniert ist, wird sie an der Herzwand befestigt und kann bei Bedarf umpositioniert oder entfernt werden, wie die Kreisklinik in einer Pressemeldung schreibt. Im Gegensatz zu herkömmlichen Schrittmachern seien bei der Kardiokapsel weder Elektroden erforderlich, noch müsse operativ eine "Tasche" unter der Haut angelegt werden. Stattdessen werde das System mit winzigen Titanärmchen in der Herzwand verankert und gebe über einen Pol an der Spitze des Geräts die elektrischen Impulse für die Herzaktivität ab. Trotz der geringen Größe der Kardiokapsel beträgt die geschätzte Lebenszeit der Batterie zehn Jahre. Das System reagiert auf den Aktivitätsgrad des Patienten, indem es die Schrittmachertätigkeit automatisch anpasst.

Es ist für Kernspin-Untersuchungen aller Körperregionen zugelassen und hält der Ebersberger Klinik zufolge dem Patienten so den Zugang zu diesem heute wichtigen diagnostischen Bildgebungsverfahren offen. Die Kardiokapsel ist bisher für Patienten bestimmt, die von einem Einkammer-System profitieren, da es aufgrund der erforderlichen Wandstärke bisher nur in der Herzkammer eingesetzt werden kann. Weiterentwicklungen mit Abdeckung von Vorhof und Herzkammer stehen kurz vor der Einführung. Die Kardiokapsel wird als Kassenleistung angeboten, die Patienten erhalten die Kardiokapsel also, ohne eine zusätzliche Gebühr entrichten zu müssen.

© SZ vom 12.06.2020 / SZ
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