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Kreisklinik Ebersberg:Die Belastung durch Corona steigt

Corona-Reportage Kreisklinik Ebersberg

Zwar steigen in der Kreisklinik die Corona-Verdachtsfälle rasant an, eine Überlastung fürchtet man dort zunächst aber nicht.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Im Krankenhaus sieht man sich technisch für die erhöhten Zahlen gut gerüstet, beim Personal könnte es aber Engpässe geben.

Von Andreas Junkmann, Ebersberg

Sonderlich viele seriöse Prognosen lässt die Corona-Pandemie bekanntlich nicht zu, eine allerdings darf man getrost wagen: Sie wird die Mitarbeiter am Ebersberger Landratsamt auch im kommenden Jahr noch beschäftigen. 2021 hält für den Landkreis aber auch erfreuliche Nachrichten auf dem Gebiet der Medizin bereit, denn anders als in der Vergangenheit üblich, muss er für die Kreisklinik keinen Verlustausgleich zahlen. Das jedoch wird auf absehbare Zeit eine Ausnahme bleiben, ebenso wie andere Einrichtungen, hat auch das Ebersberger Krankenhaus zunehmend mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen - gerade in einer Phase, in der alle Hoffnung auf guter medizinischer Versorgung ruht.

Dieses Dilemmas ist sich auch Stefan Huber bewusst, dennoch gab sich der Klinikchef in der jüngsten Sitzung des Kreis- und Strategieausschusses angesichts der Corona-Lage recht entspannt. "Versorgungstechnisch sehe ich im Landkreis Ebersberg kein Problem." Allerdings, so Huber, weiß niemand, was passieren wird. Dem Geschäftsführer zufolge nehmen die Corona-Verdachtsfälle in der Kreisklinik "massiv zu". Das schlage sich zwar derzeit noch nicht auf der Intensivstation nieder, allerdings rechne man auch dort mit einem Anstieg.

Für diesen jedoch sieht Huber seine Klinik gut aufgestellt. Die 25 verfügbaren Beatmungsgeräte würden ausreichen, um die Patienten gut versorgen zu können. Auch ein Engpass an Intensivbetten zeichne sich nicht ab. Vor einem bundesweiten Problem ist allerdings auch die Ebersberger Einrichtung nicht gefeit: der Mangel an Fachkräften. "Wenn die 25 Beatmungsgeräte voll sind, dann brauchen wir mehr Personal", sagte Huber.

Dieses konnten zwar auch die Ebersberger Kreisräte nicht herbeizaubern, dafür betonten die Ausschussmitglieder, wie wichtig die Unterstützung der vorhandenen Pflegekräfte sei. Die Großraum-München-Zulage neben den Landratsamtsmitarbeitern auch dem Klinikpersonal auszubezahlen sei "wichtig und notwendig", sagte etwa Thomas Huber (CSU). "Wir als Kreisräte haben eine Verantwortung für diejenigen, die die Klinik betreiben", so der Landtagsabgeordnete aus Grafing. Die Zulage sei wichtig, um das vorhandene Personal zu halten, betonte auch Wilfried Seidelmann (Freie Wähler). Diese aber hat auch ihre buchhalterische Schattenseite, denn Klinikchef Huber zufolge, sei der Bonus für die nächsten Jahre nicht gegenfinanziert - ein "Systemfehler", wie er sagte. Mit der schwarzen Null werde es daher immer schwieriger.

Eine solche hat das Krankenhaus in seiner Bilanz zuletzt im Jahr 2016 aufgewiesen, weshalb der Landkreis im kommenden Jahr keinen Ausgleich zahlen muss. Denn in der Satzung der Klinik GmbH ist festgelegt, dass Verluste vom Gesellschafter - also vom Landkreis - innerhalb von fünf Jahren zu begleichen sind, sollten sich keine Gewinne einstellen. Da das auf absehbare Zeit nicht mehr der Fall sein wird, muss der Kreis seine ohnehin nicht üppig gefüllte Kasse in den kommenden Jahren wohl häufiger öffnen. Bereits für 2022 ist ein Defizit von rund 2,4 Millionen Euro im Finanzplan vorgemerkt. Auch die Zahlen der Folgejahre bis 2025 sind rot gefärbt. "Der Verlustausgleich bekommt eine zunehmend große Bedeutung für den Kreis-Haushalt", sagte deshalb auch Kämmerin Brigitte Keller.

Zumal die Zahlung dieser Differenz nicht die einzige Finanzspritze ist, mit der der Landkreis die Gesundheit der Klinik sichert. Vergangenes Jahr hat der Kreistag beschlossen, das Krankenhaus mit einem jährlichen Zuschuss von bis zu 1,5 Millionen Euro für Investitionen in Geräte und Software zu unterstützen. Auch dieser Betrag wird 2021 voll abgerufen. Man müsse auch in schwierigen Zeiten dafür sorgen, dass die Ausstattung dem medizinischen Standard entspreche, sagte Keller. Nicht zuletzt deshalb haben die Ausschussmitglieder nun auch beschlossen, den Kreditrahmen der Klinik von bisher sechs auf zehn Millionen Euro zu erhöhen. Das sei dringend nötig, wie Geschäftsführer Huber sagte, schließlich laufe man seit Jahren einem Negativ-Ergebnis hinterher.

Einer denkbaren Schlussfolgerung, im Ebersberger Krankenhaus könne man schlicht nicht mit Geld umgehen, widersprach Kreis-Kämmerin Keller aber von vornherein. Die Verantwortlichen in der Klinik würden sehr auf die Wirtschaftlichkeit achten, und das bei gleichzeitig hoher medizinischer und pflegerischer Qualität. Die Kreisräte reagierten auf die finanzielle Entwicklung unterschiedlich. Während Alexander Müller (FDP) durchaus kritisch anmerkte, man würde sich immer weiter von der schwarzen Null entfernen, plädierte Manfred Schmidt (AfD) dafür, bei der medizinischen Versorgung nicht in erster Linie aufs Geld zu schauen.

Aber nicht nur um die Finanzen wird man sich in der Ebersberger Klinik in nächster Zeit Gedanken machen müssen, sondern auch um die Zusammenarbeit mit den umliegenden Krankenhäusern. Denn wie in der Sitzung ebenfalls bekannt geworden ist, werden die Einrichtungen aus Rosenheim, Altötting, Agatharied und Weilheim-Schongau den Klinikverbund "Gesundheit Oberbayern" verlassen. Laut Stefan Huber wolle man sich zwar auf Verwaltungsebene weiter austauschen, die Absprachen werden durch den Austritt der vier Kliniken aus dem Dachverband aber schwieriger werden.

© SZ vom 13.11.2020/koei
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