Umbau Die Ebersberger Kreisklinik wird kaum wiederzuerkennen sein

Der Bettentrakt der Kreisklinik ist derzeit noch Großbaustelle, das wird auch noch gut ein Jahr so bleiben. Danach wird sofort weitergebaut, vom kommenden Jahr an soll die Notaufnahme verlegt und das neue "Von-Scala-Haus" gebaut werden

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Patientenzahl verdoppelt. Es braucht eine neue Notaufnahme, eine Tiefgarage und mehr Zimmer. Beim Umbau gibt es eine besondere Herausforderung.

Von Wieland Bögel, Ebersberg

Wie könnte man einen 140. Geburtstag besser feiern als mit einer Verjüngungskur? Zumindest bei der Ebersberger Kreisklinik, deren erster Vorgänger Ende der 1870er Jahre entstand, steht eine solche an. Bis Mitte des kommenden Jahrzehnts dürfte der Komplex in der Kreisstadt kaum wiederzuerkennen sein. Was dazu alles geplant ist und wann es kommt, stellte Klinik-Geschäftsführer Stefan Huber am Dienstagabend im Technischen Ausschuss des Ebersberger Stadtrates vor.

Eines der größten und sichtbarsten Projekte entsteht entlang der Münchner Straße. Auf der Nordseite, gegenüber des Flachbaus, wird in den kommenden drei Jahren die völlig neue Notaufnahme der Klinik gebaut werden. Dies, so Huber, sei zum einen nötig, weil die bestehenden Räume inzwischen viel zu klein geworden seien. So hätte sich die Zahl der Patienten in den vergangenen rund zehn Jahren etwa verdoppelt, und der Trend setze sich fort. Im vergangenen Jahr wurden gut 850 Patienten mehr behandelt als 2016 - ein Zuwachs von sechs Prozent.

Eng ist es aber nicht nur in, sondern auch vor der Notaufnahme. Das ist der zweite Grund für den Neubau. Künftig sollen die Krankenwagen die Klinik direkt über die Münchner Straße anfahren und auch schnell wieder Platz machen können für die nächsten. Damit würden auch die Verkehrswege nördlich der Klinik entlastet, wie die Pleininger und Pfarrer-Guggetzer Straße. Wenn alle nötigen Fördermittel rechtzeitig akquiriert würden, könnte bereits Mitte kommenden Jahres Baubeginn sein für die neue Notaufnahme, 2021 könnte sie fertiggestellt werden. Damit würde allerdings auch der derzeit älteste Teil des Krankenhauses, ein Gebäude an der Münchner Straße, das teilweise noch aus der Gründungszeit der Klinik stammt, verschwinden.

Eines der ältesten Projekte am Krankenhaus könnte dagegen ebenfalls im kommenden Jahr umgesetzt werden: Das "Von-Scala-Haus". Dabei handelt es sich um eine Neuauflage des vor knapp acht Jahren von einem Investor neben der Klinik geplanten Ärztehauses. Vier Jahre später stieg der Investor wieder aus, das Grundstück liegt seitdem brach. Dort gibt es nach wie vor einen Bebauungsplan für ein dreistöckiges Gebäude, und ein solches soll von 2019 an dort auch entstehen. Allerdings würde bestenfalls die zweite Etage für niedergelassene Ärzte und eine Apotheke genutzt, so Huber. Im Erdgeschoss soll die psychosomatische Tagesklinik einziehen, der erste Stock soll für die Krankenpflegeschule genutzt werden und ganz oben würden Räume für die Klinikverwaltung entstehen.

Noch ist diese Abkürzung nur für Baufahrzeuge und Krankenwagen, bald könnte sich das ändern.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Die größte Herausforderung: Wie bekommt man all die Parkplätze unter?

Unter dem Gebäude soll eine neue Tiefgarage gebaut werden, die Plätze sollen teilweise jene ersetzen, die durch den Bau des "Von-Scala-Hauses" wegfallen. Aber der Bedarf an Parkplätzen sei erheblich höher, so der Klinikchef, aktuell gebe es 511 rund ums Krankenhaus und in der Parkgarage, "aber man merkt jeden Tag, wir brauchen mehr".

Bis zu 200 Stellplätze sollen daher im Zuge des zweiten großen Projekts an der Münchner Straße entstehen, dem geplanten neuen Wohngebäude für Klinikpersonal. Auf dem Parkplatz hinter dem Flachbau auf der Südseite der Straße könnten bis zu 180 Wohnungen entstehen, zwei Drittel davon Ein-Zimmer-Appartements. Unter dem Gebäude könnte eine zweistöckige Tiefgarage gebaut werden, ähnlich wie im Einkaufszentrum. Gebaut werden Haus und Garage aber nicht von der Klinik selbst, stellte Huber klar, dies würde der Landkreis beziehungsweise dessen Wohnbauunternehmen tun. Bis Mitte 2021 könnte der Neubau fertig sein.

Wesentlich eher soll der Bettenbau wieder benutzbar sein. Demnächst beginne der Innenausbau, so Huber, bis Mai kommendenden Jahres soll das sanierte Gebäude wieder voll in Betrieb sein. Dann könnte auch das Ende des "Pfarrer-Guggetzer-Hauses", also des Containerbaus im Osten des Krankenhauses gekommen sein. Seitens der Klinik halte man sich an das gegebene Wort, den Interimsbau wieder abzureißen, so Huber auf Nachfrage von Stadtrat Hans Mühlfenzl (SPD). "Wenn Sie aber fragen, ob wir die Räume weiter brauchen könnten, muss ich ja sagen", so Huber. Besonders als Isolations-Zimmer wären sie geeignet, "aber wir richten uns danach, wie die Vorstellungen der Stadt sind."

Dies gelte auch für eine mögliche Öffnung der "Baustraße" zwischen Münchner und Von-Scala-Straße. Über diese könnte man doch das neue Von-Scala-Haus anbinden, hatte CSU-Stadtrat Josef Riedl vorgeschlagen. Seitens der Klinik habe man keine Einwände, so Huber, "die Stadt ist die Verkehrsbehörde, wir bauen es so, wie Sie planen." Bei einem anderen Verkehrsprojekt könnten Stadt und Klinik bald gemeinsam beim Landkreis vorsprechen: Philipp Goldner (Grüne) hatte angeregt, die Busse, die von Hohenlinden kommen, nicht am Bahnhof, sondern beim Krankenhaus enden zu lassen. Eine Idee, der Huber viel abgewinnen kann, auch für die Klinik wäre eine bessere Busanbindung von Vorteil, "das spart auch Parkplätze".