Kreis-CSU in VaterstettenEndspurt auf der Tartanbahn

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Allzu viel Freude hat der CSU der bisherige Wahlkampf nicht bereitet. Der neu gewählte Kreisvorstand um Bundestagsabgeordneter Andreas Lenz (von links),Landrat Robert Niedergesäß, Kathrin Alte, Landtagsabgeordneter Thomas Huber, Franziska Hilger und Alexander Gressierer lässt sich zusammen mit der Europaabgeordneten Angelika Niebler die Laune trotzdem nicht verderben.
Allzu viel Freude hat der CSU der bisherige Wahlkampf nicht bereitet. Der neu gewählte Kreisvorstand um Bundestagsabgeordneter Andreas Lenz (von links),Landrat Robert Niedergesäß, Kathrin Alte, Landtagsabgeordneter Thomas Huber, Franziska Hilger und Alexander Gressierer lässt sich zusammen mit der Europaabgeordneten Angelika Niebler die Laune trotzdem nicht verderben. Christian Endt

Im Vaterstettener Sportstadion schwören sich die Christsozialen auf die verbleibenden Wochen im Wahlkampf ein. Nach den Reden von Kreischef Thomas Huber und Direktkandidat Andreas Lenz kann man sich allerdings die Frage stellen, wer von den beiden nach Berlin will

Von Andreas Junkmann, Vaterstetten

Es sollte der "Auftakt in die heiße Phase eines nicht ganz einfachen Wahlkampfs" werden, wie Thomas Huber sagte. Doch schon nach etwa einer Stunde war der Akku leer. Woran wiederum der CSU-Landtagsabgeordnete und Kreisvorsitzende selbst nicht ganz unschuldig war. Huber hatte zuvor ein ebenso flammendes wie ausführliches Plädoyer für die christsozialen Ideen und Werte gehalten, woraufhin die Batterie seines Mikrofons ihren Dienst quittierte. Dieser kleine Fauxpas aber sollte der einzige bleiben an einem Abend, an dem sich die Ebersberger Kreisvertreter der CSU im Vaterstettener Sportstadion zu ihrer turnusgemäßen Versammlung samt Neuwahl des Vorstandes getroffen haben.

Freilich lag heuer der Fokus aber nicht so sehr darauf, wer die Christsozialen künftig in der Region vertreten soll, sondern vielmehr auf der anstehenden Bundestagswahl in rund drei Wochen. Da es in der Vorbereitung darauf für die CSU und ihre Schwesterpartei CDU ja bekanntlich nicht ganz so rund läuft, nutzten die knapp 130 anwesenden Delegierten die Möglichkeit, sich nochmals selbst für die verbleibende Zeit zu pushen, denn wie Bundestagsabgeordneter und Direktkandidat Andreas Lenz mit Blick auf die bereits laufende Briefwahl sagte: "Wir haben jetzt jeden Tag Wahltag."

Das Wetter meinte es am Donnerstagabend gut mit den Christsozialen. Die Sonne schien über dem Vaterstettener Sportpark, lediglich ein frisches Lüftchen wehte über die Tribüne hinweg, wo sich die Delegierten aus allen Landkreisgemeinden versammelt hatten. Auch vom Rednerpult, das die Organisatoren unten auf der Tartanbahn platziert hatten, schlug den Gästen wahrlich kein Sturm entgegen. Im Gegenteil: Die Angriffe auf die politische Konkurrenz hielten sich in Grenzen, man wollte sich lieber auf die eigenen Stärken besinnen, statt die Gegner abzuwatschen. Und so sagte Andreas Lenz in seiner kurzen Ansprache eben Sätze wie: "Wer CSU wählt, der wählt ein starkes Bayern in Berlin."

Ein paar kleine Spitzen wollte sich der Kandidat dennoch nicht verkneifen, als er sich im Eiltempo durch das Wahlprogramm hangelte. Man wolle in Sachen Klimaschutz niemanden zurücklassen, die anderen Parteien würden dagegen "in Klientelpolitik denken", so Lenz. Auch brauche der CSU niemand erklären, was nachhaltiges Wirtschaften bedeute. In einer von der Land- und Forstwirtschaft geprägten Region betreibe man das schließlich schon seit jeher. Auch in Sachen Freiheit, an die man in der CSU glaube, grenzte sich Lenz von seiner politischen Konkurrenz ab. Diese nämlich neige dazu, "die Menschen zu gängeln". Für die "Richtungswahl", die diesmal auch wirklich eine solche sei, wünschte sich der Kandidat weiterhin so gute Unterstützung vor Ort, ehe er das Rednerpult auch schon wieder räumte.

Da neigte sich die zweistündige Versammlung bereits ihrem Ende zu, was nicht zuletzt an den ausschweifenden Worten von Lenz' Vorredner lag. Thomas Hubers Ansprache war aber nicht nur deutlich länger, es war auch mehr Feuer drin, so dass man sich zeitweise die Frage stellen konnte, wer von den beiden eigentlich nach Berlin will. Es gehe bei der anstehenden Wahl darum, ein rot-rot-grünes Bündnis zu verhindern, so der Landtagsabgeordnete, denn ansonsten drohe dem Land "ein linkes Chaos" mit "Instabilität" als Folge. Man müsse den unbedingten Willen zeigen, dass man weiterregieren wolle, sagte Huber. "Das fehlt mir bei der Schwesterpartei in Berlin noch ein bisschen." Umso mehr seien die Delegierten vor Ort nun gefragt, in den verbleibenden Wochen die Werbetrommel zu rühren. "Lasst uns alle zusammen das Ruder in Bayern und für Bayern herumreißen."

Auch sonst sparte Huber nicht mit markigen Worten. Leute, die Wahlplakate zerstören und im Internet pöbeln, seien nichts weiter als "Idioten". Es sei armselig, auf diese Weise seine Meinung auszudrücken, sagte der Politiker aus Grafing, der sich auch an der AfD und der sogenannten "Querdenker"-Szene abarbeitete. Würde man auf die Vorschläge dieser Leute hören, dann hätte man heute sicherlich mehr Pandemie-Opfer zu beklagen. In Sachen Corona räumte Huber aber auch ein, dass nicht alles glatt gelaufen sei. "Jeder macht Fehler, auch ich, wie ihr letzten Montag der Zeitung entnehmen konntet", sagte er im Hinblick auf seinen Ausrutscher bei Twitter, als er beim Werben für die Impfung versehentlich einen zweifelhaften Hashtag benutzte.

Thomas Huber, der später am Abend von den Delegierten mit 95 Prozent der Stimmen als CSU-Kreisvorsitzender bestätigt worden ist, richtete den Fokus aber auch auf das Innenleben der eigenen Partei vor Ort. Man habe nach enormen Mitgliederzuwächsen im Jahr 2019 inzwischen einen ziemlich Schwund zu beklagen. Seither nämlich ist die Zahl der CSU-Anhänger im Kreis Ebersberg von 2068 auf 1960 geschrumpft, was dem Vorsitzenden zufolge auch an der Demografie liege. Jünger und weiblicher wolle man deshalb künftig werden, so Huber, der ankündigte, dass dazu ein "Zukunftsdialog 2030" ins Leben gerufen werden soll.

Diese neue Ausrichtung spiegelte sich dann auch gleich in der Wahl von Hubers Stellvertretern wider. Die Kirchseeonerin Barbara Burgmayr-Weigt räumte ihren Posten zugunsten der jüngeren Generation. Ihre beiden Nachfolger sind Alexander Gressierer, der dafür den Ortsvorsitz der Ebersberger CSU aufgab, und die Anzinger Bürgermeisterin Kathrin Alte. Das Führungsteam komplettieren wie bisher Bundesabgeordneter Andreas Lenz, Landrat Robert Niedergesäß und Kreisrätin Franziska Hilger aus Aßling.

© SZ vom 04.09.2021 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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