bedeckt München 23°

Kreative Idee aus Grafing:Jugendliche Immobilienhaie

Anja Schulz, Maja Singer und Cara Hochrainer (von links) werben in einem Grafinger Supermarkt für ihr Produkt. Mittlerweile sind alles Exemplare weg - und Nachschub wird es wohl nicht geben.

(Foto: Christian Endt)

P-Seminar-Schüler entwickeln ein Grafinger Monopoly

"Gehen Sie ins Gefängnis. Begeben Sie sich direkt dorthin. Gehen Sie nicht über Los. Ziehen Sie nicht 4000 Mark ein." Generationen haben sie verflucht, die wohl ungeliebteste Monopoly-Ereigniskarte. In Grafing wird neuerdings eine Variante gespielt, in der die veraltete Mark durch "4000 Bärentaler" ersetzt wird. In der Gefängnisecke prangt ein Bild des Stadtwappen-Bären, und das Ereignisfeld, das den Spieler zum Ziehen der Karte verpflichtet, liegt zwischen Gymnasium Grafing und Bücherei, zwischen Rewe und Rathaus oder Aquarium und Eishockeystadion.

Das P-Seminar "Schülerunternehmen" muss einen Heidenspaß gehabt haben beim Entwerfen seiner Monopoly-Version. 14 Schüler hatten den Zuschlag für das Seminar bekommen, das vom Junior-Programm der Deutschen Wirtschaft unterstützt wurde. Sie gründeten die Firma "Bärenspiele", mit allem was dazu gehört: Geschäftsführung, Vorstand, Vertrieb. Gemeinsam entwickelten sie die Idee, dachten sich Ereigniskarten aus wie "Du hast es mit dem Konsum alkoholischer Getränke beim Bürgerfest auf dem Marktplatz übertrieben. Setze die nächste Runde aus." Statt Schlossallee oder Opernplatz gibt es beim Gronopoly "Gourmet Ecke", "Rothmoser" oder "Kläranlage" zu kaufen - Sponsoren bevorzugt. Ereigniskarten, Bärentaler und Eigentums- und Grundstückskarten ließen sie im Bildungswerk Kirchseeon, das Spielfeld mit den Grafinger "Hotspots" bei einer auf Spiele spezialisierten Firma drucken. Auf den Verkauf der 100 Exemplare, die sie machen ließen, mussten sie - ganz wie im echten Leben - sogar Steuern zahlen. "Aber nicht an den Fiskus", erklärte Fabian Vernickel, der Brett-Designer im Team, sondern an die Junior GmbH. Die Organisation, die unter anderem vom Wirtschaftsministerium gefördert wird, zahlt den Teilnehmern der P-Seminare sogar Lohn und steht quasi Pate für die Schülerfirmen. Sie müssen nach Ende der Seminare wieder aufgelöst werden.

Letzteres ist für die Grafinger Gymnasiasten, die am Freitag im Rathaus ein Exemplar des Gronopoly an Bürgermeisterin Angelika Obermayr übergaben, nun fast so etwas wie ein Problem gewonnen. Nicht nur die Bürgermeisterin nämlich war hellauf begeistert - etwa vom Grafinger Bären als Gefängnissymbol. "Das stimmt, das Rathaus war mal Gefängnis." Vielmehr wurden die Spiele den Schülern bei einem Verkaufstermin im Rewe beinahe aus den Händen gerissen. "100 Spiele hatten wir", erzählt Cara Hochrainer, "die sind jetzt alle weg." Doch nachbestellen geht nicht, die Firma wird in den nächsten zwei Wochen abgewickelt.

Im Bild: Anja Schulz, Maja Singer und Cara Hochrainer (von links) werben in einem Grafinger Supermarkt für ihr Produkt. Mittlerweile sind alle Exemplare weg - und Nachschub wird es wohl nicht geben.

  • Themen in diesem Artikel: