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Kopfzerbrechen im Kreistag:Millionen für Bildung

Die Johann-Comenius-Schule ist eines von zwei Förderzentren des Landkreises. Beide müssen in den kommenden Jahren dringend erweitert werden.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Die beiden Sonderpädagogischen Förderzentren in Grafing und Poing leiden unter akuter Platznot. Für Entlastung sollen Ausbauten sorgen - doch die kosten in beiden Fällen deutlich mehr als angenommen

Wenn die Pädagogen der Poinger Seerosenschule etwas zu besprechen haben, dann treffen sie sich in der Turnhalle. Das eigentlich dafür vorgesehene Lehrerzimmer ist nämlich längst zu klein geworden, ursprünglich war es für 20 Lehrkräfte ausgelegt. Wie Schulleiter Jörn Bülck nun im Ausschuss für Soziales, Familie, Bildung, Sport und Kultur (SFB) sagte, seien an dem Sonderpädagogischen Förderzentrum inzwischen aber mehr als doppelt so viele Fachkräfte beschäftigt. Dieses Beispiel steht sinnbildlich für die beiden Förderzentren im Landkreis, denn auch die Johann-Comenius-Schule in Grafing platzt inzwischen aus allen Nähten. Das will der Kreistag nun ändern und hat mehrere Machbarkeitsstudien für den Ausbau der beiden Einrichtungen erstellen lassen. Auch wenn noch nicht abschließend geklärt ist, wie die Erweiterungen genau aussehen sollen, steht bereits jetzt fest: Die Sache wird deutlich teurer als ursprünglich im "Masterplan Schulen" festgesetzt.

Die Grafinger Johann-Comenius-Schule etwa hatte der Landkreis mit 2,1 Millionen Euro auf der Warteliste vermerkt. Unabhängig davon, für welche Variante sich die Kreisräte letztlich entscheiden, wird der Umbau aber mindestens sieben Millionen Euro kosten. Der größte Raumgewinn, nämlich knapp 1000 Quadratmeter, würde sich durch die erste von insgesamt drei Varianten ergeben, bei der die Schule sowohl im Nord- als auch im Südteil erweitert wird. Wie Susanne Kinze vom Ebersberger Landratsamt im Ausschuss erklärte, würde man durch die Verlängerung des Verwaltungstraktes aber recht nahe an den Sportplatz des TSV Grafing heranrücken, außerdem sei aufgrund der Größe nicht der komplette Ausbau förderfähig - und obendrein wäre die Variante mit knapp zehn Millionen Euro am teuersten.

Den geringsten Flächenzuwachs mit etwa 550 Quadratmetern bietet die Möglichkeit, die Schule für rund sieben Millionen Euro nur im Süden zu erweitern. Ebenfalls nur eine Süderweiterung, diese aber dafür drei Stockwerke hoch, sieht die dritte Variante mit zusätzlich etwa 600 Quadratmetern Raum vor. Für die 8,1 Millionen Euro teure Option wäre allerdings ein neuer Bebauungsplan nötig, denn das Förderzentrum wäre nach Abschluss der Umbauarbeiten um ein Geschoss höher als die Grundschule direkt nebenan.

Nicht ganz so tief muss der Landkreis für die Erweiterung der Poinger Seerosenschule in die Tasche greifen - was schlichtweg an der Fläche des Grundstücks liegt, das nicht genug Platz für größere Bauvorhaben bietet. Dennoch wird auch hier das ursprünglich eingeplante Budget von 1,6 Millionen Euro überschritten. Je nach Variante - entweder mit 300 oder etwas mehr als 400 Quadratmetern Zusatzfläche - ist nach ersten Schätzungen mit 2,6 beziehungsweise 3,2 Millionen Euro zu rechnen. Weitere Kosten sind laut Landkreisverwaltung aber wahrscheinlich, denn wegen der Statik des Gebäudes kann die Aufstockung nur in Holzbauweise erfolgen, außerdem müssen zuvor die Fundamente verstärkt werden.

Darüber, dass die Schulen zwingend ausgebaut werden müssen, war sich das Gremium bei seiner Sitzung einig, die deutlich höheren Beträge bereiteten den Kreisräten allerdings ein wenig Kopfzerbrechen. "Ich denke, wir sind heute nicht in der Lage, hier guten Gewissens zu entscheiden", sagte Landrat Robert Niedergesäß (CSU). Zumal der Masterplan Schulen vom gesamten Kreistag verabschiedet worden ist, dem SFB-Ausschuss aber nur ein kleiner Teil der Kreisräte angehört. Zuvor hatte bereits unter anderem Bernhard Wieser (CSU) eine detailliertere Raumplanung und weitere Informationen über die Zuschüsse gefordert. Auch Franz Greithanner (Grüne) mahnte an, die Finanzen im Blick zu behalten.

In den nächsten Wochen und Monaten sollen den Fraktionen nun weitere Unterlagen zu den Projekten zur Verfügung gestellt werden. Eine Entscheidung darüber, wie der Umbau in beiden Fällen konkret aussehen wird, soll dann in der nächsten SFB-Sitzung Anfang Oktober fallen.

Wie wichtig der Ausbau der Förderzentren sei, machten die beiden Schulleiter im Ausschuss nochmals deutlich. Die Nachfrage sei riesig und die Kapazitäten seien erschöpft, so Helga Schneitler. "Das stellt uns vor extreme Probleme", sagt die Grafinger Einrichtungschefin. Auch ihr Poinger Kollege Jörn Bülck bestätigt, man könne nurmehr die Spitze des Eisbergs aufnehmen. "Für alles andere haben wir sowieso keinen Platz." Dabei hänge die Qualität des Unterrichts stark von der verfügbaren Fläche ab. Oder wie Bülck sagt: "Raum kann in der heutigen Zeit auch ein Pädagoge sein."