Konzertkritik Zum Weinen schön

Euphorische Spiellust, Energie und Hingabe ans Werk: Das Gastspiel der "Zagreber Solisten" an der Seite von Pianist Oliver Triendl bietet dem Publikum im Zornedinger Martinstadl eine kontrastreiche Klangreise und zugleich ein wunderbares Wechselbad der Gefühle.

(Foto: Christian Endt)

Das Programm von Pianist Oliver Triendl und den "Zagreber Solisten" im Zornedinger Martinstadl wird zur Sternstunde der Kammermusik

Von Rita Baedeker, Zorneding

Oliver Triendl, künstlerischer Leiter des Zornedinger Kammermusikzyklus, ist ein vielseitiger und gereifter Pianist. In seiner Person, seinem Spiel, vereinen sich hohes Können, Ausstrahlung und Entdeckerfreude zu einer lebendigen und bewegenden Aussage. Bei dem Konzert, das er nun gemeinsam mit den elf Streichern der Zagreber Solisten im Zornedinger Martinstadl spielte, erlebte das Publikum eine Sternstunde der Kammermusik.

Eine magische Übereinstimmung bis in die feinsten klanglichen und rhythmischen Nuancen wirkt an diesem frühsommerlichen Abend zwischen Pianist und Streichern. Dazu kommen euphorische Spiellust, Energie und Hingabe ans Werk. Triendl und das elfköpfige Ensemble schenken dem Publikum im bedauerlicherweise nicht voll besetzten Saal mit dem Divertimento in D sowie dem Klavierkonzert in C, KV 415, von Mozart, dem 1947 entstandenen Klavierkonzert Nummer 2 von Boris Papandopulo sowie den Rumänischen Volkstänzen von Bela Bartók eine kontrastreiche Klangreise von der Wiener Klassik bis in die Klangkulturen und -sprachen Osteuropas. Als Brücke über die Zeiten flicht Triendl ins Programm noch den zweiten Satz aus Chopins zweitem Klavierkonzert in der Fassung für Piano und Streichorchester ein. Zum Weinen schön.

Im Divertimento geben die Zagreber der brennenden Leidenschaft des jungen Mozart starken emotionalen Ausdruck. Leidenschaft und Temperament prägen auch das Werk des kroatischen Komponisten Boris Papandopulo, Sohn eines russischen Barons griechischer Herkunft und der kroatischen Sängerin Maja Strozzi. Als Kind des 20. Jahrhunderts - Papandopulo starb 1991 - ging er mit seinem musikalischen Material und der Leidenschaft aber naturgemäß anders um als der jugendliche Mozart.

Papandopulo, der auch Dirigent und Operndirektor war, schöpfte aus einem Schatz an Vorbildern wie Strawinski und Traditionen von der Volksmusik bis zu Neobarock, Impressionismus und Jazz. In den drei Sätzen hat er motivisch, rhythmisch und spieltechnisch zahlreiche Ideen aufgegriffen: rasante Läufe, perkussive Bogenschläge, Chromatik, aber auch wellenartig anbrandende Akkorde im langsamen Satz, Melodien, die heranwehen und vergehen, dann wieder elegische Motive, die von Liebe und Schmerz künden. Im Schlusssatz hat Papandopulo zwei Volkslieder verarbeitet, zwischen Fünf- und Dreiachteltakt wechselnd. Triendl und die Zagreber Solisten kosten jede Wendung, jede Emotion aus. Sie spielen so klangverliebt, glutvoll und sinnlich, dass einem das Herz aufgeht. Und weil es gerade so schön ist, gibt es als Zugabe noch eine Tarantella.

Nach so viel Temperament und Emotion tun ein paar Minuten der Ruhe gut. Die kommt nach der Pause mit Mozarts Klavierkonzert. Klare Strukturen, Leichtigkeit und eine feine Melodik, von Oliver Triendl und den Streichern elegant dargeboten, kühlen die Temperatur der Gemüter ein wenig herunter. Doch auch dieses Werk erfüllt das Herz mit Freude. Auch weil es so engagiert gespielt wird, als sei es das erste Mal.

Mit seinen rumänischen Tänzen hat Bela Bartók der dörflichen Folklore, hat Stab-, Stampf- und Rundtanz ein Denkmal gesetzt. Die feurigen Rhythmen versetzen noch einmal das Blut in Wallung. Für den frenetischen Applaus bedanken sich die Zagreber Solisten mit einer weiteren Zugabe und beenden so ein belebendes Wechselbad der Klänge und Gefühle auf höchstem musikalischen Niveau.