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Konzertkritik:Wie ein Herz und eine Seele

Eine Legende aus New York in Ebersberg: Alvin Queen begeistert mit seinem Können.

(Foto: Christian Endt)

Jazzpianist Claus Raible mit meisterlichem Trio in Ebersberg

Da bleibt einem Rezensenten nichts anderes übrig, als den Pfeil der Kritik im Köcher zu lassen und einfach mit einem begeisterten Publikum mitzujubeln: Das Konzert des Claus-Raible-Trios im Alten Kino Ebersberg am Donnerstag war schlicht eine Sensation.

Claus Raible, in der Einladung schon als "Europas Bebop-Pianist Nr. 1" tituliert, hat mit seinen fabelhaften Mitmusikern, dem Griechen Giorgos Antoniou am Bass und dem New Yorker Star-Schlagzeuger Alvin Queen ein Carnegie-Hall-reifes Exempel grandiosen Bebop- und Blues-Spiels hingelegt. Der Baldhamer scheint hier, wie sein strahlendes Gesicht und die fabelhafte Interaktion dieser drei Musiker verraten, sein ideales Trio gefunden zu haben.

Die gemeinsame Lust am Miteinander war deutlich sichtbar und sprang auch auf das Publikum über, bezog dieses mit ein. Raibles Spiel, schon bisher ob seines Ideenreichtums und dessen virtuoser Bewältigung überzeugend, scheint noch an Reife und Fülle der Erfindung gewonnen zu haben. Hinzu kommt der Moment der Überraschung, wenn er im Lauf der Improvisation das lineare Spiel mit ständigem Wechsel der Muster (Patterns) würzt. So bekamen Standards wie "I'll remember April" und "Smoke gets in your eyes" ver-bopte neue Kleider, darunter gemischt gar es interessante Eigenkompositionen, die zum Teil ihre endgültige Fassung und den dazu passenden Titel sogar noch suchen. Deutlich wurde jedenfalls Raibles enge Beziehung zu seinen Vorbildern Bud Powell und vor allem Thelonious Monk, dessen Komposition "Thelonious" in Raibles Fassung zu einem ersten Höhepunkt des Abends führte.

Der Beitrag der Mitmusiker dieses Trios aus Herz und Seele war von ähnlich überzeugendem Einfallsreichtum: Antonious mit der linken Hand gezupftes Bass-Spiel, fundamental im besten Sinne, und Queens überragendes Drumming rundeten dieses Ereignis souverän ab. Was Alvin Queen mit seiner linken Hand alles anstellt, diese Ideenfülle und der ständige Patternwechsel rissen nicht nur im Konzert anwesende Drummer-Kollegen, sondern auch das Publikum zu heller Begeisterung hin. Queen ist ohne Zweifel ein gereifter, gut gelaunt und meisterlicher Spitzenmusiker der Drummergilde.

Nach dem Schlussstück "Night in Tunesia" verlangte das hingerissene Publikum Zugaben. Und da schlug, Raible am Solopiano, die Stunde des Blues. Er nämlich ist, neben Powell und Monk, die andere Seele von Raibles Spiel. Man hätte ihm stundenlang zuhören können.

Gratulation an die Jazzinitiative Grafing und an Markus Bachmeiers ähnlich virtuos bedientes Altes Kino für diesen außergewöhnlichen Abend!