Konzert in GrafingHeitere Fröhlichkeit am weihnachtlichen Feuer

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Zwei festlich gestimmte Chöre, hervorragende Solisten und ein Programm, das bewegt. Das Publikum honoriert diese Kombination mit begeistertem Applaus - und hofft auf eine ähnlich inspirierte Zugabe in der Zukunft.
Zwei festlich gestimmte Chöre, hervorragende Solisten und ein Programm, das bewegt. Das Publikum honoriert diese Kombination mit begeistertem Applaus - und hofft auf eine ähnlich inspirierte Zugabe in der Zukunft. Peter Hinz-Rosin

Mit festlichen französischen Melodien hebt sich das Ensemble "Con Moto" aus dem adventlichen Kanon hervor

Von Ulrich Pfaffenberger, Grafing

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Ein Weihnachtskonzert in der französischsprachigen Welt wäre nicht vollkommen, erklänge nicht Alphonse Adams "Minuit, chrétiens", idealerweise zum Ende, um das Publikum in festlicher Stimmung zu entlassen. Das auch als "Cantique de Noël" bekannte Stück entspricht in seiner kulturellen Bedeutung dem deutschsprachigen "Stille Nacht" - und ist diesem etwa 30 Jahre älteren Lied auch in seiner Entstehungsgeschichte verbunden, als Auftragsdichtung eines Pfarrers an einen Gelegenheitsdichter. Zahlreiche Variationen sind davon bekannt, vom schlichten Volksgesang bis zum opernartigen großen Auftritt eines Solisten mit Chor und Orchester.

Der Kammerchor Con Moto hatte sich den Klassiker für sein Weihnachtskonzert am Samstag in der Grafinger Auferstehungskirche als Zugabe aufgehoben - was kein Wagnis war, sondern für größtmögliche Überzeugung des Chores und seines Dirigenten Benedikt Haag spricht, dass das zuvor Gebotene so viel Begeisterung auslöst, dass es zu einem "Extra" kommen wird. Grund für diese Zuversicht gab nicht zuletzt der große Zuspruch schon an der Eingangstür: Schon eine Viertelstunde vor Beginn war die Kirche bis zum letzten Platz besetzt, gut drei Dutzend Zuhörer folgten der Aufführung im Stehen und hielten dabei bis zur letzten Note durch.

Es war fraglos diese Zugabe, die zusammenfasste, was das ganze Konzert ausgezeichnet hatte: Melodien französischer Komponisten, eine festlich gestimmte, "brennende" Kombination zweier Chöre - "Con Moto" sang die meisten Titel gemeinsam mit dem Jugendchor der Musikschule Ebersberg, Choir's Crossing - ein kleines, feines Kammerorchester mit Orgelbegleitung sowie fünf gut aufeinander abgestimmte Solisten, die in ihren Auftritten glänzen durften, aber nicht das Gesamtensemble in der Hintergrund drängten. In der gewählten Fassung von "Minuit, chrétiens" wechselten sich der großartig aufgelegte Tenor Magnus Dietrich und die glasklar strahlende Sopranistin Stephanie Bogendörfer strophenweise ab, dazwischen trat der Chor mit dramatisch sich steigerndem Ostinato aus der Kulisse nach vorne und setzten Orgel und Harfe den alpenländischen, dem Aufführungsort angemessenen Akzent. Große Klasse!

Wobei das nicht überraschend kam, sondern schon beim vorangegangenen "Oratorio de Noël" absehbar war, dem zentralen Werk des Abends. Anders als der zu Weihnachten sonst typische Bach gewährt Camille Saint-Saëns seinen Solisten eine gesanglich wie dramaturgisch stärke Verbindung mit dem fein differenzierenden Chor, dessen Umgang mit der Dynamik der Melodie und dessen feinfühliger Umgang mit dem eigenen, großen Stimmvolumen von einem sehr aufmerksamen, intensiven Annähern an die Komposition zeugt. Sie treten, ähnlich wie bei Improvisationen im Jazz, während ihrer Passagen nur ein oder zwei Schritte aus dem gemeinsamen Gefüge heraus.

Annika Poiger (Mezzosopran), Veronika Sammer (Alt) und Martin Danes (Bass) ergänzten sich hier in ihren wohldosierten und makellosen Auftritten mit den beiden anderen Solisten zu einem inspirierenden Quintett. Obwohl vom Komponisten so geplant, wirkt das spielerisch und spontan und verleiht dem sowieso schon von heiteren, volkstümlichen Motiven geprägten Werk eine zusätzliche, heitere Fröhlichkeit. Man sieht geradezu das Feuer im Lager der Hirten flackern, um das sie sich gemeinsam mit den Engeln zu einer fröhlichen Geburtstagsfeier für das Kind im Stall zusammengefunden haben.

Zum Glühen gebracht hatten dieses Feuer die einleitenden fünf Stücke des Abends, allesamt ebenfalls französischen Ursprungs: "Noe, pastores" von Bouzignac, bei dem die Sopranistin von der Empore aus den Himmelsboten für den Chor der Hirten gab, ein warmherziges Magnificat von Charpentier, bei dem vier Solisten und Chor erstmals ihre Verbundenheit zeigten, ein kleines Orgel-Intermezzo mit dem Wiegenlied "Noël Alsacien" sowie dem eindringlichen "Coeur de Jésus Enfant", beides von Guilmant, für Chor und Bariton-Solo gesetzt, mit Bass Martin Danes etwas streng kontrastiert, sowie dem "Hodie Christus natus est" aus der Feder Poulencs, bei dem der Chor a capella seine Begeisterung für Weihnachtsmelodien zeigte, die hierzulande eher selten zu hören sind. Die Entscheidung für den Stil des Konzerts und seine Inhalte heben das Grafinger Weihnachtskonzert nachhaltig aus dem Kanon der Saison heraus - und lassen nicht nur das begeistert applaudierende Publikum auf eine ähnlich inspirierte Zugabe in der Zukunft hoffen.

© SZ vom 23.12.2019 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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