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Konzert in Glonn:Etwas anderer Saitenwechsel

Das Lanzinger Trio begeistert in der Schrottgalerie

Die Selbstbeschreibung von musikalischen Gruppen ist ein Kapitel für sich. Einerseits soll sie gerade das Neue, Originelle anpreisen, andererseits kommt man um die Zitierung vorhandener Stile meist nicht ganz herum, um eine grobe Zuordnung zu gewährleisten und zumindest eine Richtung anzugeben. Und so werden schon mal die wildesten Zusammenstellungen erfunden - also was genau ist unter der Beschreibung "Stubenmusik-Jazz-Pop-Boyband" zu verstehen? Oder unter "Welt Raum Volks Musik"?

Am vergangenen Freitag trat das Lanzinger Trio in der Schrottgalerie auf, das sich mit eben diesen Beschreibungen selbst charakterisiert. Doch auch wenn sich nicht gleicht Konkretes mit diesen Informationen verbindet, so ist doch eines sicher: Es geht um musikalisches Neuland und verspricht spannend zu werden!

In der gut gefüllten Schrottgalerie in Glonn begrüßt einer der Hausherren, Hanno Größl, das Publikum mit dem Hinweis, dass die Galerie frisch bestückt und der Frage, wer zum ersten Mal im Hause sei. Auch für die Musiker ist der Auftritt hier eine Premiere, sie melden sich mit Handzeichen, als sie die Bühne betreten. Und doch merkt man sofort, dass an diesem Abend so einiges zusammenkommt, was gut zusammenpasst: Die künstlerisch-urtümliche Atmosphäre der Schrottgalerie, professionell, aber persönlich-familiär geführt, ein offenes Publikum und nicht zuletzt gut gelaunte, strahlende Musiker, denen man anmerkt, dass sie sich hier wohlfühlen und denen es gelingt, ihre Stimmung auf ihre Zuhörer zu übertragen.

Das Lanzinger Trio sind Hannes Mühlfriedel an der Gitarre, Komalé Akakpo am Hackbrett und Jörg Lanzinger an der Zither. Einem größeren Kreis sind sie durch ihren Auftritt bei den "Wirtshausmusikanten" im Bayerischen Fernsehen im vergangenen November bekannt geworden. Alle drei sind studierte, professionelle, ausgezeichnete Musiker, Komponisten und Arrangeure, die in den unterschiedlichsten Formationen und Projekten engagiert sind, viele Musiker durch ihr Wirken inspirieren und sich selbst vielfältig und immer wieder neu anregen lassen.

"Zeppelin" bildet den Auftakt, ein Stück mit Zitaten aus Songs der britischen Bluesrockband "Led Zeppelin". Und schon wird deutlich, wohin die Reise geht: Hier werden musikalische Welten miteinander verbunden, die auf den ersten Blick nicht viel gemein haben, aber durch die Musiker innovativ verwoben werden, ja, das ist Stubenmusik, aber neuartig, aufregend und ungewöhnlich. Auch die eigenen Kompositionen sind stimmungsvoll und abwechslungsreich in Melodie, Tempo und Rhythmus. Sie sind kleine musikalische Ausflüge, die den Kopf anregen und Bilder aufkommen lassen. Die Anmoderationen der Komponisten geben je kurze Hinweise auf die Situationen, in denen sie entstanden sind und was dahintersteckt.

Bei "Durchs Donaumoos" kommt nicht nur eine kleine Nebelmaschine zum Einsatz, sondern die Verwirrung im allgegenwärtigen Nebel jener Gegend wird noch durch wiederholtes Wechseln der Saiten- und anderer Instrumente zwischen den Musikern, durch alternative Spielweisen wie Klopfen und andere ungewohnte Klänge verdeutlicht. Die musikalische Welt dieses Ensembles ist unerschöpflich. Da wird zu Beethovens 250. Geburtstag seine fünfte Symphonie zitiert und "renaturiert", ein zwiefaches Rondo erklingt und ein brasilianischer Tanz wird bavarisiert. Die musikalischen Verbindungen, die hier neu entstehen, sind grenzenlos und werden so virtuos mit großer Präzision, aber gleichzeitiger Leichtigkeit und Humor dargebracht, dass es ein Freude ist, zuzuhören und sich mitnehmen zu lassen.

Bei der "Wildschützen-Polka reloaded" kommt ein Ultraschallgerät zum Einsatz, für den ein Besucher zum vierten Bandmitglied rekrutiert wird und die "Motorpolka für die Achtelliterklasse" fordert extrem schnelles Spiel, um einen Rennzweikampf darzustellen. Augenzwinkernd, witzig und selbstironisch wird das Publikum an Klangwunder herangeführt und zu Hörerlebnissen verführt.

Großer Applaus mit Fußgetrampel zeigt die Begeisterung und Dankbarkeit der Besucher und nach den zwei Zugaben, die nach "altem Lanzinger-Gesetz" gegeben werden, wird das insgesamt zwanzigste Stück gespielt und lässt zum Auftakt des Jubiläumsjahres - die ungewöhnliche Boyband besteht seit zehn Jahren - noch Großes erwarten, neue Tonträger inklusive. Hoffentlich bleibt dieses musikalisch-progressive Powertrio so produktiv und überrascht mit seinen kreativen Schöpfungen!

© SZ vom 20.01.2020
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