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Konzert beim Kunstverein:Gerne gehört

Markus Lipp Glonn im KVE

Dass er nicht nur spielen, sondern auch singen kann zeigt der Gitarrist Marcus Lipp aus Glonn.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Vier Singer-Songwriter treten auf, darunter Marcus Lipp aus Glonn

Marcus Lipp war Einzelhandelskaufmann, arbeitete im Vertrieb von Verkehrsschildern, das machte ihm Spaß. 2011 kam jedoch ein schwarzer Tag: die Firma kündigte ihm. "Es war eine Katastrophe, der Worst Case", sagt Lipp rückblickend. Doch dann wandelte sich die Kündigung bald zu einer der "besten Sachen, die mir passieren konnte," erzählt er freudestrahlend weiter. Denn der gebürtige Münchner, der schon immer Musik gemacht hatte, entschloss sich, sein Hobby zum Beruf zu machen: Mit 42 begann er an der Musikhochschule in Trossingen Gitarre zu studieren. Heute gibt der inzwischen in Glonn lebende Lipp Gitarrenunterricht im Landkreis und steht als Singer-Songwriter auf der Bühne. "Seit neun Jahren kann ich von der Musik leben," erzählt er am Freitag beim Singer-Songwriter-Konzert des Ebersberger Kunstvereins. Sein Repertoire: englische und bayerische Songs, teils selbst komponiert, teils nachgesungen. Beim sommerlichen "Sisoko" in der Alten Brennerei ist beides zu hören. Dass Marcus Lipp nicht nur Gitarre spielen, sondern auch singen kann, macht dabei schon der erste Titel klar. Elegische Lieder lässt er hören und sich dabei tief ins Innere seiner Seele blicken. Homogen, voll und warm klingt seine Gitarre, die von einem Instrumentenbauer aus Grafing stammt.

Eben jener, Harald Gaßner, hauptberuflich IT-Berater, sitzt auch im Publikum. Nach dem Konzert hat er so einige Visitenkarten zu vergeben, denn da sind noch einige andere Musiker, die vor Lipp die Kunstvereinsbühne betreten hatten. Ronja Maier-Anders aus München beispielsweise. Denn die beiden Projektleiterinnen der Singer-Songwriter-Konzerte beim Ebersberger Kunstverein, die es inzwischen seit etwa eineinhalb Jahren gibt, Martina Brennen und Sandra Nonhoff, gehen immer wieder in München auf Tour, um Talente zu entdecken, die sie dann nach Ebersberg einladen. Ronja Maier-Anders haben sie bei solch einem Ausflug aufgespürt. Mitgebracht hatte die junge Musikerin selbstgeschriebene Songs, die sie auf großen Reisen komponiert hat, darunter ein Liebessong für ihre Gitarre, die, wie sie erzählt, ihr einziger Trost in einsamen Momenten auf diesen Reisen sei. Bei ihr finden persönliche Gefühle, Erfahrungen und Erlebnisse musikalischen Ausdruck. Auffallend ist vor allem die Stimme der Frau, rhythmisch begleitete an der Westerngitarre. Das Publikum wippt schnell mit.

Es folgt Western- und Countrymusik: Der nächste Singer-Songwriter ist der Münchner Robert Wildfeuer, der mit einem Song aus Texas beginnt und das Thema Amerika nicht mehr verlässt. Wildfeuers Cowboy-Hut darf gerne als Motto verstanden werden. Auch er schrieb manchen Song in Einsamkeit, nachdem seine Töchter in die Ferne gezogen waren.

Nach all den englischen Nummern wird es nach der Pause richtig bayerisch: Helga Brenninger aus Dorfen reißt das Publikum mit ihren boarischen Liedern richtig mit. Nichts mehr mit Fernweh, hier gilt's ganz einem heimatverbundenen Kolorit zu frönen. Die Botschaft dabei: Man sollte mehr Sonne in die Herzen lassen, "dann wäre die Welt heller und freundlicher", also singt Brenninger denn auch ein Lied über die Sonne. Auch hier öffnet sich eine Seele. Beeindruckend ist ihre modulationsfähige Stimme - und die außergewöhnliche Präsenz der Frau. Und ihre Gitarre, das wird schnell offensichtlich, setzt sie dabei mindestens so vielseitig ein wie ihre Stimme. Kein Wunder, dass Brenninger schon in der Abendschau zu erleben war und einige ihrer Songs immer mal wieder im Bayerischen Rundfunk zu hören sind.

Vier ganz verschiedene Singer-Songwriter sind da also in der Ebersberger Galerie nacheinander aufgetreten. Das Problem solcher Zusammenstellungen ist nur, dass man schnell dazu verleitet wird, eine Art Rangliste aufzustellen - was vielleicht nicht unbedingt im Sinne der Musiker ist. An diesem Abend wurden jedenfalls alle vier gerne gehört.