Waldmuseum ohne Leitung

Die Stadt Ebersberg und Margarete M. wollen sich trennen. Zu den Gründen will sich niemand äußern

Von Sophie Rohrmeier

Wer in diesen Tagen beim Museum für Wald und Umwelt anruft und die Leiterin Margarete M. sprechen will, bekommt die Antwort: Sie ist nicht da. Und wann sie wieder komme, sei nicht zu sagen. Das weiß offensichtlich nicht einmal die Stadt Ebersberg, die Arbeitgeberin der Museumsdirektorin. Obwohl der Bürgermeister es ist, der M. von ihrer Aufgabe freigestellt hat.

Über die Gründe dafür schweigen alle Beteiligten. Dennoch ist zu vermuten, dass schon länger bestehende Differenzen zwischen der Kulturwissenschaftlerin und dem Förderkreis (FÖK) des Museums beziehungsweise der Stadt die Ursache sind. Dabei geht es jedoch nicht um die fachliche Eignung von M., sondern wohl eher um Schwierigkeiten bei der Kommunikation.

"Wir versuchen, uns voneinander zu trennen", sagte Bürgermeister Walter Brilmayer (CSU) am gestrigen Mittwoch und bestätigte damit die Gerüchte, dass Margarete M. das Museum für Wald und Umwelt nicht mehr leitet. Allerdings ist die seit beinahe drei Jahren in der Bildungs- und Ausbildungsstätte tätige Nachfolgerin von Winfried Freitag offiziell noch immer bei der Stadt beschäftigt. Details gibt der Bürgermeister nicht bekannt, da er sich zu Personalangelegenheiten nicht äußern wolle.

Aus Brilmayers Angaben lässt sich schließen, dass Kündigungsfristen verhindern, das Beschäftigungsverhältnis rasch zu beenden. Wer allerdings den Anstoß dazu gegeben hat, ist nicht bekannt. Zwar sei seit Sommer klar, dass die Zusammenarbeit der Stadt mit der Kulturwissenschaftlerin nicht weitergehen soll. Wann sich die Parteien jedoch endgültig voneinander trennen, ist noch offen. Auch zu den Ursachen der Auflösung will Brilmayer nichts sagen. Auch Margarete M. selbst sagte nur diesen Satz: "Ich möchte mich dazu nicht äußern."

So hielt sie es schon im März dieses Jahres mit öffentlich gewordenen Konflikten zwischen ihr und dem FÖK. Damals hatte dessen Vorsitzender und ehemaliger Ebersberger Bürgermeister Hans Vollhardt (CSU) Kritik an der Museumsleitung geübt. Er betonte zu dieser Zeit, dass es nicht um fachliche Fragen gehe. Vollhardt gab aber zu verstehen, dass er eine gleichwertige "Kommunikation auf Augenhöhe" zwischen hauptamtlicher Leitung und den ehrenamtlichen Mitarbeitern des FÖK vermisse. Obwohl der Verein laut einem 2007 mit der Stadt geschlossenen Vertrag weitgehend unabhängig arbeitet, habe sich die Leiterin wiederholt eingemischt, hatte der ehemalige Bürgermeister im März beanstandet.

"Darüber hinaus ist heute nichts zu sagen", stellte Vollhardt jetzt fest. Seine Reaktion auf die Nachricht, dass M. nun freigestellt ist, bleibt also verhalten. Der Förderkreis-Vorsitzende will die Entscheidung von Stadt und Leiterin nicht bewerten, solange das Ergebnis des Kündigungsprozesses nicht feststehe. "Ich weiß ja noch nicht, wie das ausgeht", sagte er.

Ihn und den FÖK beträfen Entscheidungen über die Leitung des Museums "nur am Rande", da die Ehrenamtlichen eigenständig tätig seien. Auch die FÖK-Ausstellungen für das Jahr 2014 bereite der Kreis "ohne Beeinflussung durch Stadt oder Leitung" vor. Eben diese Formulierung verwendet Vollhardt im Gespräch über die momentane Lage derart oft, dass sich eine Vermutung aufdrängt: Die Zusammenarbeit mit M. lief aus Sicht des FÖK wohl weiter nicht auf Augenhöhe.

Das preisgekrönte Museum, das kommenden Sommer sein zehnjähriges Bestehen feiern wird, führt nun zur Zeit stellvertretend der Geschäftsleiter des Rathauses, Erik Ipsen. Dass die Leitung künftig vom FÖK übernommen wird, ist laut Vollhardt "völlig außer jeder Denkbarkeit". Was die Stadt hinsichtlich der nach aller Wahrscheinlichkeit offenen Stelle plant, bleibt abzuwarten.