Bürgermeisterwahlen im Landkreis EbersbergTriumphe und Stichwahlen

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So sieht Freude aus: der neue und alte Ebersberger Bürgermeister Ulrich Proske mit Ehefrau Brigitte (links) und der SPD-Kreisvorsitzenden Doris Rauscher.
So sieht Freude aus: der neue und alte Ebersberger Bürgermeister Ulrich Proske mit Ehefrau Brigitte (links) und der SPD-Kreisvorsitzenden Doris Rauscher. Peter Hinz-Rosin

In Ebersberg, Grafing und Poing setzen sich bei der Bürgermeisterwahl die Amtsinhaber deutlich durch. In Vaterstetten und Zorneding wird es am 22. März Stichwahlen geben.

Von Anja Blum, Alexandra Leuthner, Barbara Mooser und Michaela Pelz, Ebersberg

Ulrich Proske hat bei der Ebersberger Bürgermeisterwahl einen fulminanten Wahlerfolg eingefahren: Mit 77,9 Prozent der Stimmen wurde er in seinem Amt bestätigt. „Ich bin überwältigt, dankbar und begeistert“, sagte der 54-Jährige. Von einem derartigen Ergebnis habe er vielleicht mal geträumt, doch diese Gedanken gleich wieder verdrängt. Proske, der als Parteifreier für die SPD angetreten war, bleibt somit weitere sechs Jahre Chef im Ebersberger Rathaus. Sein Mitbewerber Josef Peis, der für „Pro Ebersberg“ und die CSU ins Bürgermeisterrennen gegangen war, blieb chancenlos.

Bereits nach dem Eintrudeln der Ergebnisse aus den ersten Wahllokalen war die Stimmung in der Bar Arte im Herzen der Kreisstadt stetig fröhlicher geworden. Als das Endergebnis um 19.16 Uhr feststand, brach großer Jubel bei den Unterstützerinnen und Unterstützern des Bürgermeisters aus. „Überwältigend“ nannte auch SPD-Kreisvorsitzende Doris Rauscher das Ergebnis. Gerechnet habe sie mit vielleicht 70 Prozent, dass es jetzt sogar fast 80 geworden seien, sei umso schöner.

Es ist die zweite Amtszeit für Proske, der 2020 das 48-jährige CSU-Monopol im Ebersberger Rathaus gebrochen hatte. Damals hatte sich der beliebte Wassermeister und Feuerwehrkommandant gegen CSU-Bewerber Alexander Gressierer durchgesetzt.

Herausforderer Christian Kerschner gratuliert dem wiedergewählten Bürgermeister Christian Bauer (rechts).
Herausforderer Christian Kerschner gratuliert dem wiedergewählten Bürgermeister Christian Bauer (rechts). Anja Blum

Die Stadt Grafing ist nach einem grünen Intermezzo wieder fest in Händen der CSU. Der amtierende Bürgermeister Christian Bauer, der sich vor sechs Jahren in einer Stichwahl gegen seine Vorgängerin Angelika Obermayr von den Grünen durchsetzen konnte, hat sein Amt diesmal souverän verteidigt: Die Grafinger haben Bauer mit einer deutlichen Mehrheit wiedergewählt, er konnte 60,8 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinen.

Die Grünen, zuletzt die zweitstärkste Fraktion im Grafinger Stadtrat, waren diesmal ohne eigenen Bürgermeisterkandidaten ins Rennen um die Wählergunst gegangen. Davon profitiert hat auch der SPD-Bewerber: Stadtrat und Herausforderer Christian Kerschner landet bei immerhin 30,6 Prozent der Wählerstimmen. 2020 hatte er sich noch mit knapp sechs Prozent zufriedengeben müssen. Walter Schmidtke von der Bayernpartei markiert mit 8,6 Prozent der Wählerstimmen das Schlusslicht.

Zornedings Bürgermeister Piet Mayr (links, CSU) muss gegen  Falk Skeide (parteilos) in die Stichwahl. Skeide wurde von SPD, Grünen und der Freie Wähler-Gemeinschaft Zorneding-Pöring unterstützt.
Zornedings Bürgermeister Piet Mayr (links, CSU) muss gegen  Falk Skeide (parteilos) in die Stichwahl. Skeide wurde von SPD, Grünen und der Freie Wähler-Gemeinschaft Zorneding-Pöring unterstützt. Michaela Pelz

Als in Zorneding das Ergebnis kurz nach halb acht feststeht, ist niemand besonders überrascht: 45,8 Prozent für den bisherigen Amtsinhaber Piet Mayr (CSU), 37,9 Prozent für seinen Herausforderer Falk Skeide (parteilos) und achtbare 16,3 Prozent für die Kandidatin der FDP, Melanie Schaffenroth. Dass es zu einer Stichwahl kommen würde, zeichnete sich schon bald ab.  Mayr bleibt gelassen – „es ist ja nicht meine erste“. Zwar habe er die Stimmung an den Haustüren anders interpretiert, doch sei es jetzt nicht ungewöhnlich, dass nach 18 Jahren eine Wechselstimmung aufkomme. Skeide hingegen wirkt entspannter, je mehr der Abend fortschreitet. Der 51-jährige Diplomingenieur für Verkehrssytemtechnik sagt: „Für mich ist dieses Ergebnis mehr als Anreiz, die nächsten zwei Wochen Gas zu geben.“ Kandidatin Schaffenroth will sich bis morgen entscheiden, welchen der beiden verbleibenden Kandidaten sie unterstützen wird.

Klares Ergebnis: Thomas Stark bleibt Bürgermeister von Poing.
Klares Ergebnis: Thomas Stark bleibt Bürgermeister von Poing. Christian Endt

Was für ein Duell in Poing: der Erste Bürgermeister gegen den Zweiten. CSU gegen SPD. Thomas Stark gegen Reinhard Tonollo. Das war die Ausgangslage, eine Wiederauflage der Stichwahl von 2020. Und nun ist klar: Der parteilose Amtsinhaber, angetreten für die CSU, hat seine Position souverän verteidigt. 73,9 Prozent der Wähler haben Stark ihr Vertrauen gegeben. Die erfolgreiche Ära der Sozialdemokraten in Poing scheint endgültig vorbei zu sein: Tonollo landet mit rund 26,1 Prozent auf Platz zwei.

Damit ist die Wachstumsgemeinde weit entfernt von einer Stichwahl wie noch bei der Kommunalwahl 2020. Nach dem Rückzug des langjährigen Bürgermeisters Albert Hingerl (SPD) kämpften damals vier Bewerber um den Chefsessel im Poinger Rathaus, mit zunächst unklarem Ergebnis. Die Stichwahl aber konnte Stark dann mit mehr als 60 Prozent klar für sich entscheiden.

Standen in Vaterstetten zur Wahl (von links:  David Göhler (Grüne), Maria Wirnitzer (SPD), Leonhard Spitzauer (CSU), und Sonja Kiran (Freie Wähler). Spitzauer und Wirnitzer treffen sich am 22. März zur Stichwahl.
Standen in Vaterstetten zur Wahl (von links:  David Göhler (Grüne), Maria Wirnitzer (SPD), Leonhard Spitzauer (CSU), und Sonja Kiran (Freie Wähler). Spitzauer und Wirnitzer treffen sich am 22. März zur Stichwahl. Alexandra Leuthner

In Vaterstetten sieht es nach der Auszählung des ersten Wahllokals noch nach einer sicheren Sache für den amtierenden Bürgermeister Leonhard Spitzauer (CSU)  aus, doch schon bald wird deutlich, dass es wieder, wie schon vor sechs Jahren, auf eine Stichwahl zwischen ihm und seiner SPD-Herausforderin Maria Wirnitzer hinauslaufen wird.

Er habe ja schon ein bisserl gehofft, dass es im ersten Wahlgang reichen würde, kommentiert der 40-jährige Spitzauer. „Wahlkampf ist ja schon recht anstrengend und jetzt geht es weiter.“ Maria Wirnitzer erklärt, sie habe vor der Wahl viel Rückenwind gespürt und mit der Stichwahl eigentlich gerechnet. „Das war jetzt ein Etappenziel.“

Enttäuscht reagiert David Göhler (Grüne), der rund vier Prozent verliert und mit 10,1 Prozent noch hinter Sonja Kiran landet, die als Senkrechtstarterin ohne Gemeinderatserfahrung für die Freien Wähler angetreten ist. Göhler bringt zwar eine Flasche Sekt mit in den Sitzungssaal der Gemeinde, um mit den „Stichwahlkandidaten, Leo und Maria“ anzustoßen, aber Letzter zu werden, das sei dann doch nicht leicht. Sonja Kiran zeigt sich von ihren 10,8 Prozent nicht überrascht. „Ich habe gewusst, dass die Menschen in dieser Gemeinde toll sind.“

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